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Faust - Dämon der Deutschen
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Titelthema:

Faust - Dämon der Deutschen



Aus dem Inhalt: Geburt eines Volkscharakters – von der elisabethanischen Bühne zum Kasperletheater – Werk und Wirkung – Vorbilder des Faust – von Magistern und Scholaren – Schwarze Künste – der Teufelspakt – das Buch der Deutschen von Johann Wolfgang von Goethe – Gretchen – auf der Suche nach der deutschen Seele – Theatergeschichte – Mephisto findet seinen Meister – Faszination Faust

Blickpunkt: Tim, das bin ich; Zwischen Kongo und Tibet: Die wunderbaren Welten des belgischen Comickünstlers Hergé
Porträt:
Mutter Teresa
Serie:
Schiffe und Schicksale, Die Essex
Geschichte aus dem Alltag:
Wolfahrtsmarken


Editorial

Nur wenige Bücher der Weltliteratur können sich mit Goethes Faust messen. Die ganze Welt scheint sich diesem Werk zu offenbaren: Es lotet die Tiefen der menschlichen Herzen aus und stellt die ewigen Fragen nach Gut und Böse, der Freiheit des Willens, dem Wirken Gottes und dem Wesen der Liebe.

Der Urahn des Dramas ist ein Volksbuch aus dem 16. Jahrhundert, eine Epoche, in der der Glauben an Magie und Schwarze Künste stärker war denn je. In vielen Bildern lässt Goethe diese düstere Zeit wieder aufleben. Im Ringen um die Erkenntnis greift Faust zu magischen Praktiken und in einer Hexenküche werden magische Tränke zubereitet. Als Bühnenbild dienen gotische Gelehrtenstuben, Bierkeller und Kathedralen. Aber es ist nicht diese altdeutsche Szenerie, die das Werk zum deutschesten aller Bücher macht. Es ist die Zerrissenheit des Helden, in der sich die deutsche Seele widerspiegelt. Ein japanischer Dr. Faust hätte sich ganz in eine meditative Gelehrsamkeit zurückgezogen, ein italienischer Faust wäre in der Lage gewesen, das Leben auch ohne Hilfe des Teufels zu genießen. Nur bei einem deutschen Helden sind »zwei Seelen in einer Brust« glaubwürdig. Das Faustwort: »Dann will ich gern zugrunde gehen«, wirkt fast wie ein Leitmotiv der deutschen Geschichte. Man denkt unweigerlich an die Kriegsbegeisterung 1914 und den Untergang Deutschlands 1945, als die Nation einen mörderischen Preis für den Teufelspakt mit den braunen Dämonen zahlte.

Kein Wunder also, das die modernen Inszenierungen des Stückes oft erschreckend ausfallen. Doch einen Trost schenkt uns Goethe in seinem Faust. Als das zerbrechliche Gretchen, verführt durch ein böses Spiel, zur Kindsmörderin wird und auf dem Schaffot endet, verliert Mephisto. Seinem zynischen »Sie ist gerichtet!«, entgegnet eine Stimme von oben: »Ist gerettet!« So steht am Schluss des ersten Teils der Tragödie die Erlösung vom Bösen und die Hoffnung auf das Gute.

Dr. Klaus Hillingmeier
Chefredakteur
G/GESCHCHTE

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