| Titelthema:Ritter: Helden der vergangen Welt
Aus dem Inhalt: Wehr und Waffen – Der Ritter ohne Furcht und Tadel – Die Ära der Ritter – Die Herren der Schlachtfelder – Wehrhaftes Wohnen – Knappenjahre – Bouvines und der Triumph Frankreichs – Tödliche Spiele – Weltliche Ritterorden – Die Erfindung der Liebe – Sagenheld Lanzelot – Spätherbst im Mittelalter: aus edlen Recken werden Räuber – Faszination Mittelalter heute
| Blickpunkt: Prohibition in den USA Porträt: Elvis Presley Serie: Schiffe und Schicksale, Teil 6: Meuterei auf der Bounty Geschichte aus dem Alltag: Schach
Editorial Gehören Sie auch zu den Menschen, die Miguel de Cervantes’ Meisterwerk »Don Quijote« lieben? Trotz aller schmerzhaften Niederlagen, trotz Hohn und Spott hält der Mann aus La Mancha an seinem Ideal fest: Einzig ein wahrer Ritter, ein Kämpfer für die Schwachen, rein in seiner Liebe, kann den Triumph des Bösen in unserer Welt verhindern. Seitdem der Adel lesen gelernt hatte, genossen Ritterromane und Epen an den Höfen Europas eine enorme Popularität. Besonders beliebt waren Erzählungen über die Ritter der Tafelrunde, aber auch die Heldenlieder auf Kämpfer wie Roland oder El Cid dienten als Leitbilder einer ritterlichen Kultur.
Die reale Welt der Männer des Schwertes hatte meistens wenig mit den strahlenden Geschichten der Dichter gemein. Die meisten Ritter führten ein recht karges Leben, das sich oft nicht sonderlich von dem ihrer abhängigen Bauern unterschied. Die Knappenjahre bei einem fremden Herrn bedeuteten eine harte Schule des Verzichts und der Entsagung, und danach galt es, als Dienstmann seinem Lehnsherrn treu zu dienen – auch wenn dies den Tod auf dem Schlachtfeld bedeuten konnte. Und Möglichkeiten zum Sterben gab es genug: Die Kronen Frankreichs und Englands führten fast permanent Krieg gegeneinander, und im Heiligen Römischen Reich sorgten die Rivalitäten zwischen den großen Herrscherhäusern dafür, dass das Land nicht zur Ruhe kam.
Bis ins frühe 14. Jahrhundert beherrschten die Ritter die Schlachtfelder Europas; ihr Mut und ihr Können entschieden zuweilen das Schicksal ganzer Nationen. Doch als englische Bogenschützen und Schweizer Hellebardenträger über stolze Ritterheere siegten, wurde der Ritter zum militärischen Auslaufmodell deklassiert. Und so ist für Cervantes, als er zu Beginn des 17. Jahrhunderts seinen »Don Quijote« verfasst, die Welt des Rittertums nur noch eine ferne Erinnerung. Doch zum Glück sind für uns wahre Ideale unsterblich!
Dr. Klaus Hillingmeier Chefredakteur G/GESCHCHTE
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