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Im tödlichen Griff der Inquisition – Ketzer im Mittelalter
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Titelthema:

Der Schwarze Tod – Pocken, Pest und Cholera



Aus dem Inhalt: Der Schwarze Tod: Der ewige Totentanz – Der Tod in Venedig – Zeittafel – Krankenakte Urmensch – Das große Sterben: antike Seuchen – Die Pest in Europa – Boccaccio flieht in die Poesie – Totentänze: Das veränderte Denken – Die Kinder des Lazarus: Über Lepra – Der furchtbarste Gegner: Krankheiten als Sieger des Krieges – Die Hölle von Panama – Triumph der Wissenschaft – Projektion der Angst: Maler und Dichter – Alte Bekannte, neue Schrecken: SARS, Ebola und tödliche Grippe – Aids – Geißel der Moderne

Blickpunkt: Lawrence von Arabien und der arabische Aufstand
Serie, Rätsel der Geschichte:
Die Bundeslade – Jäger der verlorenen Truhe
Geschichte im Alltag:
Die Schreibmaschine
Porträt:
Leo Tolstoi – Der Graf im Bauernkittel


Editorial

Liebe Leserinnen und Leser!

»Da war keine Schranke mehr, nicht Götterfurcht, nicht Menschengesetz.« Mit diesem düsteren Pinselstrich skizziert der griechische Historiker Thukydides die Auswirkung der Pest auf die Bürger Athens 430 v. Chr.

Wo die Pest zuschlägt, gerät die Welt aus den Fugen und nicht nur die Menschen sterben, sondern auch die soziale Ordnung.
Als Mitte des 14. Jahrhunderts erneut der Apokalyptische Reiter auf seinem fahlen Pferd durchs Abendland galoppierte, begann eine Zeit des Chaos. Noch bevor überhaupt die Krankheit die Menschen erreicht hatte, brachen Pogrome aus und in vielen Städten wurden die jüdischen Gemeinden ausgelöscht. Andere Gruppen verfielen einem religiösen Wahnsinn und zogen als Geißler durch die Lande, in der Hoffnung durch blutige Selbstbestrafung das göttliche Gericht abwenden zu können. Sobald dann die tödliche Krankheit eine Stadt in ihrem Griff hatte, versagten sämtliche soziale Systeme: Ein Bürger floh vor dem anderen, Eltern ließen ihre Kinder schmählich im Stich, Priester desertierten von ihren Gemeinden und schließlich lagen die Toten unbestattet im Kot und Dreck der Straßen.

Nach der Pest war die Welt eine andere, und der Glaube an die Ordnung der Dinge, der den Menschen des Mittelalters Halt gegeben hatte, war erschüttert. Kein Wunder, dass in den Jahrzehnten, die der Pest folgten, das Denken sich radikal änderte. In Italien schufen Boccaccio und Petrarca die intellektuellen Grundlagen der Renaissance, während in England mit dem Theologen John Wyclif der erste Reformator die historische Bühne betrat. Mit der Pest wird die Neuzeit eingeläutet. Heute haben die Naturwissenschaften dem unsichtbaren Feind ein Gesicht gegeben und wir glauben uns dank Medizin und Hygiene gegen den Gegner gewappnet. Doch diese Sicherheit ist trügerisch. Der fahle Reiter kann jederzeit zurückkehren und wieder Chaos bringen - sein Name lautet Pandemie.

Dr. Klaus Hillingmeier,
Chefredakteur
G/GESCHICHTE
 
 

 


 
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