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Hirten und Herrscher - Das Papsttum seit 1870
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Titelthema:

Heiliges Rom, Sündiges Rom – Die Päpste zwischen Reformation und Revolution



Aus dem Inhalt: Das goldene Rom der Päpste: Ein Mönchlein kommt nach Babylon: Luthers Rombesuch – Zeittafel – „Lasst uns das Papsttum genießen“ – Der Machtmensch: Alexander VI. – Sacco di Roma – Die Kurie schlägt zurück: die Gegenreformation – Der Dogmatische: Pius V. – Der Petersdom – Treffpunkt aller Laster – Der Bauherr: Urban VIII. – Engelsstimmen: Die Welt der Kastraten – Edle Größen: J.J. Winckelmann und die Entdeckung der Archäologie – Der Progressive: Benedikt XIV. – Römische Elegie – Die Söldner des Papstes: die Schweizergarde

Blickpunkt: 50 Jahre „The Beatles“ - Eine unglaubliche Karriere
Serie, Rätsel der Geschichte:
Das Bernsteinzimmer: Ein Kunstwerk wird vermisst
Geschichte im Alltag:
Das Puppentheater
Porträt:
Kurt Tucholsky - Mit Esprit und Satire gegen die dunkle Bedrohung


Editorial

Liebe Leserinnen und Leser!

„Rom wollte immer herrschen“, notierte 1827 Heinrich Heine. Und auf die Kaiser folgten daher für den Düsseldorfer Spötter die Päpste. Tatsächlich regierten manche Renaissancepäpste wie Alexander VI. oder Julius II. - die Namenswahl gleicht einem Offenbarungseid - den Kirchenstaat wie weltliche Fürsten. Sie versuchten, ihre Feinde zu vernichten und das Territorium ihrer Herrschaft auszudehnen. Mehr Jünger Machiavellis als Nachfolger Petri, scheuten sie weder Intrige noch Krieg. Doch als echte Kinder ihrer Epoche liebten die Renaissancepäpste auch über alle Maßen die Schönheit. Rom wetteiferte plötzlich mit den Kunstmetropolen Florenz und Venedig: Michelangelo warf mit kühnen Farben das Universum des Alten Testaments an die Decke der Sixtinischen Kapelle und Raffael sang in den päpstlichen Gemächern mit seiner “Schule von Athen“ das Hohelied auf die antike Philosophie. Kein Projekt dieser Tage der Titanen aber war kühner als der Petersdom, die Mutter aller Kirchen. Der Rausch der Schönheit endete in einer Katastrophe. Verstrickt in die tödliche Unberechenbarkeit der italienischen Politik, hatte Clemens VII. auf den falschen Bündnispartner gesetzt - als Folge verwandelten 1527 deutsche Landsknechte Rom in ein Inferno. Die Feder, nicht das Schwert, ist die legitime Waffe der Kurie. Und so gelang es keinem Krieg, sondern einem Konzil, das Vordringen des Protestantismus in Europa zu stoppen.

In Trient unterwarf sich die katholische Kirche einer tiefen inneren Reformation: Zahlreiche Missstände wurden beseitigt und die Bedürfnisse der Gläubigen endlich wieder ernst genommen. Die religiöse Kunst wurde Instrument katholischer Propaganda. Mochte der protestantische Norden Kargheit predigen, in Rom feierte man seinen Glauben in den berauschenden Inszenierungen des Barock. Rom wollte wieder herrschen, diesmal mit der Macht der Bilder.

Dr. Klaus Hillingmeier,
Chefredakteur
G/GESCHICHTE
 
 

 


 
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