| Titelthema:Die Ottonen - Das erste Reich der Deutschen
Aus dem Inhalt: Herrscher des Mittelalters – Der Kriegerkönig – Das morsche Reich – Der letzte Karolinger – Die Ottonen & ihre Zeit – Otto der Große gestaltet Europa – Viele Stämme, ein Volk? – Blick nach Osten – Die Sorben – Klosterkunst und Kaisermacht – Kühne Träume – Von Aufsteigern und Absteigern – Der heilige Machtmensch
| Blickpunkt: Der elektrische Stuhl Mythos und Wahrheit: Atlantis Geschichte im Alltag: Der Rasenmäher Porträt: Leo Trotzki
Editorial Wann beginnt die Geschichte der deutschen Nation? Wann wurde aus den Stämmen der Franken, Friesen, Bayern, Schwaben und Sachsen ein Volk? Für die Historiker des wilhelminischen Kaiserreichs war die Antwort eindeutig: Wie Bismarck 1870 die deutschen Staaten auf dem Schlachtfeld von Sedan einte, so hatte Otto I. 955 auf dem Lechfeld die Stämme seines Reiches zu einem Volk zusammengeschmiedet. Mächtige Reiche, davon waren diese nationalgesinnten Gelehrten fest überzeugt, können nur mit Blut und Eisen geschaffen werden.
Man darf mit den Ottonen das erste Kapitel der deutschen Nation beginnen lassen, doch diese Herrscher dachten in ganz anderen Dimensionen. Als würdiger Erbe Karls des Großen sah sich Otto I. als Schutzherr des ganzen christlichen Abendlandes und von Gott auserwählter Verteidiger der Kirche. Und sein Enkel Otto III. träumte davon, sein Reich in der Mitte Europas von Rom aus zu regieren. Er nannte sich selbstbewusst »Imperator Augustus der Römer« und erklärte Rom zum Haupt der Welt.
In einer Mischung aus Bewunderung und Respekt betrachteten die Völker das neue kraftstrotzende Reich der Ottonen. In Frankreich, Dänemark und England erkannte man die Vormachtstellung der Herrscher an und selbst der direkte Erbe der antiken Kaisermacht, das stolze Byzanz, musste zähneknirschend die herausragende Stellung der neuen Imperatoren akzeptieren. In den Gebieten der Westslawen und Ungarn wurde das Reich zum Motor der Entwicklung. Die heidnischen Stammesgesellschaften wandelten sich unter dem Einfluss des mächtigen Nachbarn zu christlichen Königreichen, Keimzellen der heutigen Nationen Tschechien, Polen und Ungarn. Durch die Missionstätigkeit der Kirche entstanden zudem einheitliche Wertesysteme und kulturelle Gemeinsamkeiten. Mit den Ottonen nahm so nicht nur Deutschland Konturen an, sondern erhielt auch das gemeinsame europäische Haus seine ersten Fundamente.
Dr. Klaus Hillingmeier Chefredakteur G/GESCHICHTE
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