Medien-Rundschau - Bücher, Filme und Spiele | |
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Buchvorstellung
Autor: Thomas Lau
192 Seiten, gebunden, Theiss 2010, ISBN 978-3-8062-2376-7, € 24,90
Deutschland: ein Land mitten in Europa, ein kulturelles Zentrum; eine Nation, über die Jahrhunderte aus verschiedenen Stämmen zusammengewachsen – aus Schwaben, Sachsen und noch einigen mehr. Wann aber nahmen sich diese Volksgruppen zum ersten Mal als eine Nation wahr? Thomas Lau ist dieser Frage nachgegangen und schließlich im 16. Jahrhundert gelandet. Dort hat er seine unerwartete Entdeckung gemacht: Zwischen 1500 und 1648 – zwischen Reformation und Glaubenskriegen – begann sich eine „Teutschland-Idee“ zu entwickeln. Schon der bayrische Chronist Aventinus (1477-1534) verwendete den Begriff „Teutschland“ mit erstaunlicher Geläufigkeit.
In seiner historischen Analyse schildert Thomas Lau äußerst unterhaltsam, dass schon rund 300 Jahre vor dem Nationalismus des 19. Jahrhunderts aus den Nachfahren der germanischen Stämme des Tacitus eine deutsche Nation mit gemeinsamen Werten und einem Sinn für das gemeinsame Vaterland gewachsen war. Doch wie entwickelte sich ihr Selbstbild? Und wie unterscheiden sich die ersten „Teutschen“ von ihren Nachfahren, den modernen Deutschen? In dem gut strukturieren Werk erwartet den Leser so manche Überraschung bezüglich einer der wichtigsten Streitfragen der deutschen Geschichte. Der Autor zeigt die Entwicklung des Begriffes chronologisch auf. Er verfolgt dabei nicht nur seine Verwendung, sondern untersucht auch die Einflüsse, die den Begriff im Laufe der Zeit geprägt haben.
Insgesamt vermittelt „Teutschland“ eine interessante, neue Sicht auf die Entstehung des deutschen Nationalbewusstseins.
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Buchvorstellung
Autor: SALVATORE BONO
320 Seiten gebunden mit Schutzumschlag, Karten und Abbildungen, Klett-Cotta 2009, ISBN 978-3-6089-4378-8, € 24,95
Vorliegende Publikation historischen Inhalts ist ein Buch von seltener Aktualität. Schildert es doch so eindringlich wie anschaulich welche Schwierigkeiten die Staaten und Souveräne schon vor 500 Jahren und noch bis ins 19. Jahrhundert hinein mit den Piraten hatten. Und es waren nicht nur die muslimischen Seeräuber der sogenannten Barbareskenstaaten, die dem freien Seehandel das Leben schwer machten. Nein, auch die christlichen Malteser- und Stephansritter brachen zu Kaperfahrten auf und kehrten mit reicher Beute heim. Auch so mancher europäischer Herrscher heuerte Korsaren an, um des wirtschaftlichen Vorteils willen die Kauffahrteischiffe der unliebsamen Konkurrenz auszuschalten. Die Piratenplage endete erst 1830, als französische Truppen Algier und alsbald die gesamte nordafrikanische Küste besetzten und die letzten Seeräubernester ausräucherten. Der Autor dieser vorzüglichen Studie lässt den Leser teilhaftig werden an vier Jahrhunderten Ereignis-, Wirtschafts- und Alltagsgeschichte des Mittelmeeres.
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Buchvorstellung
Empfehlungen zu Weihnachten
Ulf Schiewe
928 Seiten, geb., ISBN: 978-3426198414, Droemer Verlag 2009, € 22,95 Mit dem gelungenen Erstlingswerk „Der Bastard von Tolosa“ hat der Autor Ulf Schiewe ein ausgesprochen spannendes Buch geschaffen. Ohne Problem hält dies mit den Büchern von Ken Follet, dem großen Autor historischer Romane, mit. Die Geschichte ist einfach, aber doch rätselhaft und rührend. Die Fakten gut recherchiert. Der Leser erhält in der Fiktion einen guten Überblick darüber, wie sich die Kreuzzüge tatsächlich abgespielt haben. Authentizität und Lebendigkeit sind unter anderem Stärken des Autors. Der Edelmann Jaufré Montalban folgt 1096 dem Aufruf des Papstes, als „Soldat Christi“ zu dienen. Ihm und Tausend anderen gebührt der Auftrag, Jerusalem von den Ungläubigen zu befreien. Doch Montalban gerät ins Zweifeln, ob dieser Krieg wirklich Sinn macht. Später wird auch noch seine Geliebte niedergemetzelt – ein Grund mehr, sich nun endgültig zurückzuziehen. Jaufré Montalban geht auf seine Burg nahe dem heutigen Toulouse, wo schon seine Intrigen spinnende Gattin auf ihn wartet. Der Leser erfährt aus dem Gedankengut des Ich-Erzählers, wie die Geschichte sich zuträgt.
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Buchvorstellung
Empfehlungen zu Weihnachten
Sabine Schäfer
480 Seiten, Taschenbuch, ISBN 978-3423247290, dtv 2009, € 14,90 Historische Romane haben ja gerne eine Basis – ein bekanntes Ereignis, berühmte Persönlichkeiten oder ein sagenumwobenes Objekt. So auch bei Autorin Sabine Schäfer, sie hat sich Gervasius von Tilbury (* um 1150, † um 1235) und die Entstehung der Ebstorfer Weltkarte als Thema ausgesucht. Gervasius war ein englischer Rechtsgelehrter, Historiker und Geograph. Er stand unter anderem in den Diensten König Heinrichs II. von England oder des Erzbischof Wilhelms von Reims. Mit der Otia imperialia („Kaiserliche Mußestunden“) verfasste er um 1209-14 eine Weltgeschichte für Kaiser Otto IV. Inklusive der Sagen und Wundergeschichten aus den mittelalterlichen Erzählung Englands und der Mittelmeerwelt. Das Werk ist somit eine wichtige Quelle für die Vergilsage, die Artustradition und den zeitgenössischen Hexen- und Dämonenglauben. Außerdem galt Gervasius lange Zeit als Urheber der Ebstorfer Weltkarte, die Jerusalem als Mittelpunkt zeigt und als größte Karte aus dem Mittelalter gilt. Und davon handelt auch die opulent erzählte Geschichte in Sabine Schäfers Buch. Gervasius tritt an das Totenbett von Otto IV. Eigentlich hatte er dem Kaiser versprochen eine Weltkarte zu erstellen. Aber er war dran gescheitert. Die Buchmalerin Agnes bietet ihm Hilfe an. In den Nächten der Totenwache erzählt ihr Gervasius nun von seinem erlebnisreichen Leben: von der Arbeit am Hofe, den Königen und Königinnen sowie seiner Liebe zu einer Gräfin. Alles was ein historischer Roman braucht. |
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