|
Medien-Rundschau - Bücher, Filme und Spiele | |
|
Buchvorstellung
Autor: Axel Gora
321 Seiten, broschiert, Gmeiner 2011, ISBN: 978-3-8392-1138-0, 12,90 €
Wir schreiben das Jahr 1618 und befinden uns in Frankfurt an der Oder. Darius Degenhardt, Doktor der Astronomie an der Universität, wird als Hofastronom bei dem Kurfürsten Johann Sigismund von Brandenburg geladen. Doch er hat noch einen Konkurrenten: Den konservativen Astronom Corvin van Cron. Um zu entscheiden, wer von den beiden Männern nun den Posten bekommen soll, erhalten sie die Aufgabe, in 30 Tagen die Bahn eines kurz zuvor entdeckten Kometen zu berechnen. Daraufhin entbrennt ein gnadenloser Kampf. Nicht nur um das Amt und um die Bestätigung der eigenen astronomischen Position, sondern auch um die Liebe einer Frau. Goras erster historischer Roman bietet eine gelungene Verknüpfung von Wissenschaft, Spannung und Liebe. Der lockere und einfach zu verstehende Schreibstil zieht den Leser sofort ins 17. Jahrhundert und lässt ihn bis zum Ende des Romans nicht mehr los. Ein Lesetipp für jeden, der sich für historische Bücher mit wissenschaftlichem Hintergrund interessiert.
Julia Rienäcker
|
|
Buchvorstellung
Autor: Orlando Figes
747 Seiten, ISBN 978-3-8270-1028-5, Berlin Verlag 2011, € 37,10
Geburt der Kriegsberichterstattung im Krimkrieg (1853-56): Die Berichte William Howard Russells über die Ereignisse des Krimkriegs waren die ersten Kriegsreportagen. Sie beeinflussten das Bild von diesem Krieg in der britischen Öffentlichkeit maßgeblich und verwiesen bereits auf die wichtige Rolle der Informationspolitik im Krieg.
Mit William Howard Russell, einem Reporter der Zeitung „Times“, der über den Krimkrieg (1853-56) direkt von der Front in die Heimat berichtete, war erstmalig in der Geschichte ein Kriegsberichterstatter vor Ort. Der lieferte jedoch nicht die von der Armeeführung gewünschte Kriegspropaganda, sondern berichtete ungeschönt von fatalen Fehlentscheidungen der Militärs, die tausenden von Soldaten das Leben kosteten. Russells Berichte kühlten die anfänglich brodelnde britische Kriegsbegeisterung merklich ab. Der englische Fotograf Roger Fenton schoss, ebenfalls ein Novum dieser Zeit, mit die ersten Bilder von Kriegsschauplätzen überhaupt. Aufgrund der langen Belichtungszeiten war es aber noch nicht möglich, Schlachtszenen einzufangen. Dennoch sprechen Fentons Bilder eine ganz eigene Sprache, wenn sie etwa eine mit Kanonenkugeln bedeckte Straße zeigen.
Orlando Figes analysiert den Krimkrieg in seinem neuen Buch "Krimkrieg - Der letzte Kreuzzug" vor allem anhand seiner religiösen und weltanschaulichen Ursachen.
So stilisierte sich der russische Zar Nikolaus der I. zum Retter des wahren Christentums und zum Befreier der von den Osmanen unterdrückten Slawen. Tatsächlich steckten hinter der ideologischen Verbrämung des Waffengangs handfeste politische Ziele. Der Zar gedachte die schwächelnde Position des Osmanischen Reiches, des „kranken Manns am Bosporus“, auszunutzen und die russische Macht- und Einflusssphäre bis in den Nahen Osten zu verschieben. Damit stieß er auf den Widerstand des katholischen Frankreichs, das sich seinerseits als Verteidiger der heiligen Stätten verstand und damit an die Tradition der hochmittelalterlichen Kreuzzüge anknüpfte.
Großbritannien sah seine Handelswege und Vormachtstellung im Mittelmeer durch den russischen Vorstoß gefährdet und stellte sich ebenfalls auf die Seite der Osmanen. Eine Rolle spielte dabei vor allem das durch die Presse erzeugte Zerrbild der Russen in der britischen Öffentlichkeit. Der rasche Aufstieg und die Ausweitung des Zarenreiches im 18. Jahrhundert hatten zu einer tiefsitzenden Angst gegenüber dem Riesenreich im Osten geführt. Die Presse übte durch Beeinflussung der öffentlichen Meinung erheblichen Druck aus und betrieb massive Kriegshetze. Erst die Berichte Russells über die sinnlosen Opfer dieses Krieges rüttelten die Öffentlichkeit auf.
Stefan Reinbold
|
|
Buchvorstellung
Autor: Helmut Liedloff
544 Seiten, Paperback, Frieling & Huffmann 2011, ISBN: 978-3-8280-2947-7, 22,00 €
Helmut Liedloff ist Auswanderer und begeisterter Briefeschreiber. Vierzig Jahre lang schrieb er 1031 Mitteilungen an seine Eltern. Noch vor Liedloffs Briefen, erwartet den Leser ein Überblick der Jahre 1938 bis 1978: Zeitgeschichtliche Geschehnisse werden genauso aufgeführt wie Liedloffs Erlebnisse. Angefangen bei der Kinderlandverschickung während des Zweiten Weltkriegs und seiner frühen Jugend in einer Gastfamilie; über die Studienjahre und das Stipendium, das ihn nach Amerika brachte bis zu dem Entschluss, für immer dort zu bleiben. Gemeinsam mit Helmut Liedloff wandert der Leser durch die Geschichte, in der sich nicht nur Liedloff (weiter-) entwickelt, sondern auch die Welt um ihn herum.
Tanja Albert
|
|
Buchvorstellung
Autor: Wilhelm Reich
352 Seiten, geb., Anaconda 2011, ISBN: 978-3-8664-7666-0, € 6,95
1933 erschien von Wilhelm Reich erstmals die „Massenpsychologie des Faschismus“, das Werk schlechthin, wenn es um die kritische Auseinandersetzung mit alten, aber auch mit den damals aktuellen faschistischen Bewegungen ging. Er gilt als einer der ersten, der durch seine wissenschaftliche Genauigkeit und seine soziologische Prägung den bedeutenden Zusammenhang zwischen autoritärer Triebunterdrückung und faschistischer Ideologie erkannt hatte. Ab der dritten Auflage, die 1942 in den USA beendet wurde, sind allerdings noch neue Gedanken von Reich dazugekommen. Die Enttäuschung über das Ende der Revolution in Sowjetrussland und die damit verbundene antisexuelle Haltung des Staates veränderte seine Perspektive in einigen wichtigen Hinsichten. So interpretiert Reich den Faschismus nicht mehr als eine Bewegung, die nur auf einige Staaten begrenzt sei, sondern stellt die Behauptung auf, dass es sich hierbei um ein Phänomen der heutigen Massengesellschaft handeln würde. Seine Grundthese bleibt jedoch durchwegs dieselbe: Eine Überwindung des Faschismus sei nur möglich durch eine rationale Neuregelung der Sexualökonomie in der Gesellschaft. Auch wenn einige Kapitel heute bereits etwas veraltet scheinen, sind die Erkenntnisse und Ausführungen von Reich bahnbrechend und absolut wegweisend, wenn es um das Verstehen und Durchschauen des Faschismus geht.
Julia Rienäcker
|
|
| | << Anfang < Vorherige 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Nächste > Ende >>
| | Ergebnisse 1 - 8 von 176 | |
|
|