Chinesen im alten Rom Kanadische Wissenschaftler haben auf einem antiken römischen Friedhof im süditalienischen Vagnari die 2000 Jahre alten Knochen eines Mannes aus Fernost gefunden. Die Forscher hatten insgesamt 75 Gebeine ausgegraben und ihnen DNA-Proben entnommen – und zumindest einer Person konnte daraufhin eine ostasiatische Abstammung zugeordnet werden.
Wie die Leiterin der Ausgrabungen, Tracy Prowse, sagte, habe der Mann vermutlich im ersten oder zweiten Jahrhundert nach Christus gelebt. Zwar wurde zu dieser Zeit zwischen China und Rom über die legendäre Seidenstraße Handel getrieben – jedoch nahm man bislang an, dass dieser Handel ausschließlich über Zwischenhändler abgewickelt wurde und zwischen den beiden Großreichen höchstens Gerüchte über den jeweils anderen kursierten. Das Forscherteam nimmt an, dass sich der Mann als Arbeiter oder Sklave in Ziegel- und Eisenwerkstätten verdingte.
Die vollständige Hintergrundgeschichte des überraschenden Fundes lässt sich gegenwärtig nicht aufklären. Laut Prowse könnte er aber zumindest ein Anlass sein, bisherige Annahmen über Migration und Identität in der antiken Welt zu überdenken. Als Nebeneffekt beweisen die Ausgrabungen zudem, dass die Gegend um Vagnari während des frühen römischen Kaiserreiches keineswegs so verlassen und unbewohnt war, wie bislang vermutet wurde. Statt dessen seien dort beständige wirtschaftliche Aktivitäten zu verzeichnen gewesen, deren Verbindungen ganz offensichtlich auch über die Grenzen Italiens hinweg reichten.
Marco Schrage
Datum: 4.2.2010 Den Inhalt beschreibende Stichwörter:
Römisches Kaiserreich, Vagnari, Antike, Ausgrabungen, Italien, Chinesen, Migration |