Das erste Porzellan stammt nicht aus Meissen Dreihundert Jahre lang galten Johann Friedrich Böttger und Ehrenfried Walter von Tschirnhaus als Erfinder des europäischen Porzellans. Zu Unrecht, wie neue britische Forschungen zeigen.
Den Untersuchungen zufolge haben englische Hersteller bereits zwei Jahrzehnte vor Böttger und Tschirnhaus das Verfahren zur Fertigung von Hartporzellan erfunden. Als Beleg dienen drei Gefäße, die seit dem späten 17. Jahrhundert zum Inventar des Landschlosses Burghley House im mittelenglischen Lincolnshire gehören. Anders als bislang gedacht, sind die Vasen aber nicht aus emailliertem Glas. Untersuchungen am Imperial College und dem British Museum ergaben, dass sie aus Hartporzellan gefertigt sind.
Die prächtig bemalten Burghley-Gefäße wurden bereits 1683 in einer Schenkungsurkunde verzeichnet. Sie sind damit mindestens 25 Jahre älter als die ersten Porzellanprodukte der beiden Alchemisten Böttger und Tschirnhaus. Woher sie stammen, lässt sich dabei nicht mit Sicherheit sagen. Möglicherweise stammen sie aus einer Glasmanufaktur in Vauxhall, die dem Herzog von Buckingham gehörte.
Der Keramikhistoriker Morgan Wesley hob allerdings hervor, dass der zeitliche Vorsprung der Engländer die Leistung von Böttger und Tschirnhaus kaum schmälere. Denn schließlich sei es erst diesen beiden gelungen, Porzellan auch fabrikmäßig zu produzieren.
Die ältesten Porzellangegenstände stammen aus China, wo im Jahr 620 der Herstellungsprozess entwickelt wurde. Marco Polo brachte dann um 1300 das erste Porzellan nach Europa. Es sollten jedoch noch beinahe 400 Jahre vergehen, ehe es Europäern gelang, das Geheimnis um die Herstellung des „weißen Goldes“ zu entschlüsseln.Marco Schrage
Datum: 23.2.2010 Den Inhalt beschreibende Stichwörter:
Porzellan, China, Meissen, Burghley-Gefäße, Morgan Wesley
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