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96-Jährige gesteht Mord an vermeintlichem NS-Helfer


Der Grund für den Tod von Felix Gulje war lange Zeit ungeklärt. Der Niederländer soll während des Zweiten Weltkrieges als Untergrundaktivist mit den Nationalsozialisten kollaboriert haben. Nun kam heraus, weshalb er starb: Eine Frau hatte ihn 1946 erschossen. 65 Jahre später steht fest: Er war unschuldig.


Es ist der 1. Januar 2011: Henri Lenferink, der Bürgermeister von Leiden (Niederlande), bekommt einen Brief von einer Frau. Sie heißt Atie Ridder-Visser und ist 96 Jahre alt. In diesem Brief bekennt sich die Niederländerin zum Mord an Felix Gulje, den sie 1946 für einen mutmaßlichen NS-Helfer gehalten hatte. Ridder-Visser, die während der deutschen Okkupation in den Niederlanden mit Widerstandsgruppen zusammenarbeitete, sah in Gulje einen Verräter.

Dabei lässt sich das Ereignis nach einem Gespräch zwischen Lenferink und Vesser rekonstruieren: Am 1. März 1946 klingelte es an der Tür des Ehepaares Gulje und die Ehefrau öffnete. Vor der Tür stand Visser und sagte, sie habe Felix Gulje einen Brief zu übergeben. Als dieser zur Tür kam, schoss Visser ihm eine Kugel in den Brustkorb. Noch in der Notaufnahme starb Gulje.

Felix Gulje selbst war zu dieser Zeit Kopf eines Bauunternehmens, das auch mit Hitlerdeutschland Geschäfte abgeschlossen hatte. Deshalb zog Visser den Schluss, dass Gulje mit den Nationalsozialisten unter einer Decke steckte. Das Gegenteil war der Fall: Gulje zeigte sich während der Besetzungszeit solidarisch und ließ Juden vereinzelt Finanzhilfen zukommen. Außerdem durfte eine verbotene katholische Vereinigung in seinem Haus Treffen abhalten.  

Atie Ridder-Visser, die inzwischen alt und gebrechlich ist, muss nach Aussagen Lenferinks aber keinen Prozess mehr fürchten. Schließlich fügte er hinzu, dass sie mittlerweile schlecht höre.

Robert Bräutigam


Datum: 10.2.2011
Den Inhalt beschreibende Stichwörter:

 Zweiter Weltkrieg, Kollaboration,  Felix Gulje, Atie Ridder-Visser

 

 
 
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