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Agrarpolitik im Dienste des NS


Das Reichsernährungsministerium war offenbar in die verbrecherische Politik der Nazis verstrickt. Dies belegt ein bislang unveröffentlichtes Gutachten.


Demnach bescheinigt es der Vorgängerbehörde des Bundeslandwirtschaftsministeriums eine düstere Vergangenheit. Das Gutachten bewertet sowohl „Rolle und Inhalt der Agrarpolitik und Agrarforschung“, als auch die Ehrwürdigkeit von 62 ehemaligen Mitarbeitern „im Hinblick auf die Zeit des Nationalsozialismus“.

Das Ergebnis: Die verschiedenen Abteilungen und Referate des Reichsernährungsministeriums waren stark in die verbrecherischen Pläne der NS-Diktatur eingebunden. Angefangen bei der Heeresverpflegung, über Enteignungsangelegenheiten und Hungerpolitik, bis hin zur Neubildung eines "neuen deutschen Bauerntums". Die zentralen Figuren waren dabei Richard Walther Darré, der im Sommer 1933 zum Reichsernährungsminister ernannt worden war, und Staatssekretär Herbert Backe. Insgesamt sind fünf der ehemaligen Mitarbeiter als nicht ehrwürdig eingestuft worden.

Bereits 2005 war der Bamberger Historiker Andreas Dornheim mit der Ausfertigung des Gutachtens beauftragt worden. Nach gründlicher Evaluierung legte er Anfang 2006 dessen ersten Teil vor, im November 2007 folgte der zweite, inklusive der 62 Lebensläufe.

Das Landwirtschaftsministerium hat das Gutachten allerdings bis jetzt unter Verschluss gehalten. Auf Beschwerde der grünen Bundestagsfraktion Anfang Februar hin, sagte der Parlamentarischen Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, Gerd Müller (CSU), dass es durchaus möglich sei, den ersten Teil zu sichten. Dazu benötigte man allerdings einen Antrag nach dem Informationsfreiheitsgesetz. Der zweite Teil könne aus Datenschutzgründen nicht veröffentlicht werden.

Jetzt plötzlich die Kehrtwende: Der Bundesdatenschutzbeauftragte prüft momentan eine mögliche Veröffentlichung des zweiten Teils des Gutachtens, während Müller ankündigte, dass der erste Teil „alsbald“ für alle zugänglich gemacht werden soll.

Lisa Schmitz


Datum: 15.2.2011
Den Inhalt beschreibende Stichwörter:

Reichsernährungsministerium, Bundeslandwirtschaftsministerium, Nationalsozialismus, Verbrechen

 

 
 
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