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Archäologie widerlegt Theorie von den „Hinterwäldlern“ Virginias


Als „ungebildetes Volk, das in kleinen, lehmverschmierten Holzhütten haust und primitiven Ackerbau betriebt“ beschrieb 1933 eine soziologische Studie die Bewohner abgelegener Waldtäler in den Blue Ridge Mountains von Virginia (USA). Ausgrabungen in den für den Shenandoah National Park aufgelassenen Siedlungen ergeben nun ein sehr viel anderes Bild vom Lebensstil und Zivilisationsstand in den Bergen.

Die ersten und weitaus größten Nationalparks der USA liegen im Westen, weit weg von den Metropolen der Ostküste. Um deren Bewohnern leichteren Zugang zu den Naturschönheiten ihres Landes zu verschaffen, wurde seit 1931 der Plan des Shenandaoh Nationalparks entwickelt. Nur etwa 100 Kilometer von der Hauptstadt Washington D.C. entfernt, sollte der dicht bewaltete und bis 1200 Meter hohe Hauptkamm der Blue Ridge Mountains als geschütztes Naturreservat ausgewiesen und gleichzeitig durch eine Panorama-Straße erschlossen werden. 1935 eröffnete Präsident Franklin D. Roosevelt das neue Naherholungsgebiet, das rasch zu einem der meistbesuchten Nationalparks der USA aufstieg.

Diese erste Kette des Appalachen-Gebirges war dünn, aber nicht unbesiedelt. Für einen Nationalpark mussten etliche Tausend Waldbauern enteignet und umgesiedelt werden, was nicht ohne Widerstand ablief. Um dieses drastische Vorgehen zu rechtfertigen, erhielt der Chicagoer Soziologe Mandel Sherman den Auftrag zu einer Untersuchung der Verhältnisse in einigen abgelegenen Tälern, die prompt die gewünschten Ergebnisse brachte, nämlich dass die Bergbauern in dumpfer Unwissenheit und Armut, abgeschnitten von der amerikanischen Kultur dahindämmerten. Eine Umsiedlung würde sie also von ihrer Rückständigkeit befreien. Sherman veröffentlichte seiner Ergebnisse in dem Buch „Hollow Folk“ (was ebenso „die Leute aus den Waldtälern“ wie „das hohle Volk“ bedeuten kann). Es prägte nachhaltig das Bild vom primitiven Hinterwäldler.

Neuste archäologische Ausgrabungen in den Gebäuderesten der damals aufgelassenen Waldsiedlungen ergeben nun aber ein völlig anderes Bild: Entgegen dem landläufigen Klischee trugen die Hollow people nicht nur Schuhe, sondern  sogar modische Kleidung. Sie benutzten hochwertiges Geschirr und Besteck, ihre Kinder kannten Spielzeugautos, und in den Abendstunden drehte man am Grammophon, um die neusten Schlager aus den Städten anzuhören, wo sie offensichtlich einen Gutteil ihrer Gebrauchsgegenstände erwarben.

In ihren Besucherzentren bemüht sich die Verwaltung des bis heute äußerst populären Nationalparks das Bild von den früheren Bewohnern des virginischen Berglands zurechtzurücken. http://www.nps.gov/shen//historyculture


Datum: 14.05.2009
Den Inhalt beschreibende Stichwörter:

Archäologie, Hinterwäldler, Virginia, Shenandoah National Park

 
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