Cham trennt sich von seinem Ehrenbürger Karl Bosl
Die Stadt Cham erkennt dem 1993 verstorbenen Historiker Karl Bosl alle von ihr verliehenen Ehrenzeichen ab, nachdem eine Studie Bosls zwielichtige NS-Vergangenheit offenbart hat. Zudem habe sich der Wissenschaftler zu unrecht als Mitglied des Widerstandes präsentiert.
Am Montag wurde das Straßenschild am „Prof. Dr. Karl Bosl Platz“ abmontiert. Karl Bosl, lange Zeit erfüllte er seine Heimatstadt Cham mit Stolz. Nicht nur wegen seiner nach wie vor unbezweifelten herausragenden wissenschaftlichen Leistungen, vor allem wegen seiner vermeintlichen Beteiligung am NS-Widerstand.
Die Aberkennung aller Ehrungen erfolgte nun durch den Chamer Stadtrat, nachdem eine Studie des dortigen Stadtarchivars Timo Bullemer das hehre Bild Bosls relativierte. So lässt sich die Mitgliedschaft Bosls in Stahlhelm, NSDAP und SA, auf die schon frühere Untersuchungen der Historiker Benjamin Z. Kedar und Peter Herde verwiesen, mittlerweile eindeutig belegen. "Über die Art und Weise seiner Widerstandshandlungen im Dritten Reich“ bestünden größte Unsicherheiten, so Bullemer. Ohne den Nachweis einer aktiven Beteiligung am Widerstand gegen das NS-Regime wäre Bosl nach Kriegsende aus dem Schuldienst entlassen worden und hätte auch seine universitäre Karriere an den Nagel hängen können.
Stefan Reinbold
Datum: 30.11.2011
Den Inhalt beschreibende Stichwörter:
Karl Bosl, Cham, Timo Bullemer, Peter Herde, Benjamin Z. Kedar, NS-Vergangenheit
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