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Der Beginn der Gen-Forschung war ganz anders


Eines der bekanntesten Schlüsselereignisse in der Geschichte der Genforschung hat sich wahrscheinlich ganz anders abgespielt, als es die Überlieferung behauptet. Wissenschaftshistoriker aus Jena und Prag leiten jedenfalls aus der Beschäftigung mit alten Briefen neue Fakten ab.


Die Entdeckung der genetischen Vererbung verlief nach allgemeiner Aufassung so: Der mährische Augustinermönch Gregor Mendel veröffentliche 1865 die später nach ihm benannten Gesetzmäßigkeiten der Vererbung. Seine Forschungen gerieten aber in Vergessenheit, bis im Jahr 1900 der holländische Biologe Hugo de Vries, der deutsche Pflanzenforscher Carl Correns und der österreichische Pflanzenzüchter Erich von Tschermak-Seysenegg völlig unabhängig voneinander die „Menschelschen Regeln“ wiederentdeckten. „Seit 111 Jahren haben wir das so geglaubt“, erklärt Uwe Hoßfeld von der Universität Jena. „In Wirklichkeit waren es vier, wenn nicht fünf Wiederentdecker der Mendelschen Regeln.“ Und sie standen in engem Kontakt miteinander.

Die Wissenschaftler aus Jena werteten zusammen mit Prager Kollegen den Schriftwechsel zwischen Erich von Tschermak-Seysenegg und dessen Bruder Armin, einem bekannten Physiologen, aus. Es waren vor allem die Schriften Armin von Tschermak-Seyseneggs, die zum einen dessen eigene, bedeutende Rolle in der Genforschung belegen. Zum anderen berichtet er von Kontakten mit de Vriess und Correns. Die Wissenschaftler haben Pflanzensamen getauscht und ihre Forschungsergebnisse diskutiert, bevor sie an die Öffentlichkeit traten. Armin von Tschermak-Seysenegg vermied offensichtlich das Rampenlicht und überließ den Ruhm für die gemeinsamen Beiträge zur Genforschung bewusst dem Bruder.


Datum: 5.5.2011
Den Inhalt beschreibende Stichwörter:

Genforschung, Mendelsche Regeln, Tschermak-Seysenegg, de Vriess, Correns

 

 
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