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Deserteursdenkmal für Hamburg gefordert


In Deutschland gab es während der NS-Zeit etwa 30 000 Deserteure. Vielerorts wird diesen „Fahnenflüchtigen“ gedacht – nun denkt auch der Hamburger Kulturausschuss über ein würdiges Mahnmal nach.

Der Hamburger Kulturausschuss diskutiert am Donnerstag über ein Denkmal für Deserteure aus der NS-Zeit. Insgesamt gab es rund 300 „Fahnenflüchtige“, die in der Hansestadt hingerichtet wurden. Eine Gedenktafel erinnert bislang an die „Kriegsverweigerer“, „doch sie ist viel zu klein und steht zwischen einem Gewerbepark und einem Naturschutzgebiet. Da kommt nie einer hin, da wohnt niemand“, sagte René Senenko gegenüber „Die Welt“.

Senenko ist Mitarbeiter in der Geschichtswerkstatt der Willi-Bredel-Gesellschaft. Auf das Thema aufmerksam wurde er, nachdem die Tochter eines Deserteurs die Geschichtswerkstatt 2006 um Hilfe bat. Mit Hilfe von Senenko konnte sie das Grab ihres 1945 hingerichteten Vaters ausfindig machen. Da wurde Senenko erst klar, viele Gräber sind nicht als die von Deserteuren erkenntlich.

Um die Öffentlichkeit – und auch manchen Historiker – über das noch teils unbekannte Ausmaß der Wehrmachtsjustiz aufmerksam zu machen, gründete Senenko 2010 ein Bündnis für ein Hamburger Deserteurdenkmal.

Unterstützung erhält er von Norbert Hackbusch (Die Linke), dem Vorsitzenden des Kulturausschusses. Dieser erklärte gegenüber „Die Welt“, dass in Sachen Deserteure noch ein gewaltiges Loch in der Hamburger Erinnerungskultur klaffe. „Es ist ein wichtiger gesellschaftlicher Schritt, zu akzeptieren, dass jemand einen Befehl eben auch nicht ausübt“, so der Politiker.

Wo genau das Denkmal gebaut werden soll, ist unklar. Senenko zieht die Möglichkeit in Betracht, zum sogenannten 76er-Denkmal, einem Kriegerdenkmal von 1936, eine Soldatenfigur hinzuzufügen, die nicht dasselbe macht, wie die anderen Soldaten. Ob diese Idee allerdings umgesetzt und wer für die Kosten des Projekts aufkommen wird, ist bislang nicht geklärt.

Tanja Albert
 

 


Datum: 19.4.2012
Den Inhalt beschreibende Stichwörter:

Hamburg, Zweiter Weltkrieg, Deserteursdenkmal, Deserteure, 76er-Denkmal

 

 
 
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