Deutsche Bahn behindert „Zug der Erinnerung“
Die Deutsche Bahn verweigert dem Gedenkzug, der an die Deportation von rund 12 000 jüdisch-deutschen Kindern in Konzentrationslager erinnert, die Einfahrt in den Berliner Bahnhof aus „organisatorischen Gründen“. Initiative und Politiker halten das Verhalten der Bahn für unverständlich und fordern „Gedenken an zentralen Orten.“
Die Bürgerinitiative „Zug der Erinnerung“, die der Ermordung 12 000 Kinder und Jugendlicher in der Zeit des Nationalsozialismus gedenkt, ist von der Bahn zum wiederholten Mal aufs Abstellgleis gestellt worden. Der Zug, in dessen Waggons eine Ausstellung über die Geschehnisse präsentiert wird, sollte eigentlich kommende Woche in den Berliner Hauptbahnhof und den Bahnhof Grunewald einfahren. Das wurde von der Bahn jetzt jedoch verboten, mit der Begründung bei Einfahrt der historischen Dampflok könnte die Rauchmeldeanlage ausgelöst werden. „Da wird sofort die Rauchmeldeanlage aktiviert, die können wir nicht ausschalten", sagte ein Bahnsprecher.“
Die Initiative hält die Gründe der Bahn für vorgeschoben. Eine gleiche Situation hatte es bereits am Hamburger Bahnhof gegeben. Dort konnte der Zug dann, nach massiven Protesten, doch noch einfahren. Der Sprecher der Initiative sagte: „Sollte die Bahn AG bei ihrer Weigerung bleiben, wird die Bundesnetzagentur eingeschaltet.“ Auch Politiker zeigten sich empört. Der Kulturstaatssekretär von Berlin Andre Schmitz (SPD) äußerte sein „Unverständnis“.
Der Zug fährt seit Herbst durch Deutschland und macht an zentralen Orten halt. Er soll am 8. Mai im ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz ankommen. Das Projekt war im Rahmen einer Bürgerinitiative entstanden, nachdem die Bahn sich geweigert hatte, eine Ausstellung über die Deportation französisch-jüdischer Kinder in ihren Bahnhöfen zu zeigen. Stattdessen hat die Bahn ihre eigene Ausstellung „Sonderzüge in den Tod“ eröffnet. Datum: 07.04.2008 Den Inhalt beschreibende Stichwörter:
Auschwitz, Deutsche Bahn, Gedenken, Holocaust, Nationalsozialismus |