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Filmtipp: John Rabe  - Nach einer wahren Geschichte


1937. Japan und China befinden sich erneut im Krieg. Die südchinesische Stadt Nanking wird belagert. Es folgen japanische Bombenangriffe und die Flucht der chinesischen Armee. Zurück bleiben zahlreiche chinesische Zivilisten und wenige internationale Geschäftsleute und Diplomaten. Einer von ihnen, der deutsche Kaufmann und Repräsentant der Siemens AG, ist John Rabe.

„Ich kann was bewirken. Ich kann was machen.“ Nach diesem Credo bemüht sich Rabe (Ulrich Tukur), der nach über 30 Jahren in China schon fast wieder auf dem Weg zurück nach Berlin war, „seine“ Chinesen vor den Übergriffen der Japaner zu beschützen. Als die japanische Luftwaffe einen Angriff auf Nanking fliegt, lässt er eine riesengroße Hakenkreuzflagge holen und die chinesischen Zufluchtsuchenden darunter verstecken. Da die Japaner zu dieser Zeit Verbündete Deutschlands sind, halten sie die Flagge für eine Sympathiebekundung und drehen ab. Auch als seine Frau Dora (Dagmar Manzel) mit dem letzten Schiff die Stadt verlässt und dabei in ein Bombardement gerät, bleibt er in der Stadt. Gemeinsam mit weiteren Exilanten, wie dem US-Arzt Wilson (Steve Buscemi), dem deutschjüdischen Diplomaten Dr. Rosen (Daniel Brühl) und der französischen Schuldirektorin Dupres (Anne Cosigny), errichtet er eine internationale Schutzzone, die Hunderttausenden von Zivilisten Schutz bietet. 

„Das Massaker von Nanking“ dauerte etwa acht Wochen. Während dieser Zeit ermordeten japanische Soldaten schätzungsweise 200.000 Zivilisten und Kriegsgefangene und vergewaltigten zahlreiche Frauen und Kinder. Das Internationale Komitee für die Sicherheit von Nanking rettete unter dem Vorsitz von John Rabe ca. 250.000 Chinesen das Leben. Vermutlich fiel die Wahl auf Rabe als Komiteevorsitzenden, da er Deutscher und NSDAP-Mitglied war und somit mehr Einfluss auf die Japaner nehmen konnte.

Der „Oskar Schindler Chinas“, wie er oftmals in den Medien genannt wird, bleibt jedoch, im Gegensatz zu Schindler, stets ein aufrechter Nationalsozialist. Trotz aller reichsfeindlichen Einflüsterungen und der japanischen Gräueltaten vertraut er auf den Führer. Bei seiner Rückkehr nach Berlin 1938, als er durch Vorträge und einen Brief an Hitler die Kriegsverbrechen der Japaner aufdecken will, wird er von der Gestapo verhaftet. Daraufhin werden seine Fotografien und Aufnahmen des Massakers zerstört. Seinem Gesuch auf Entnazifizierung bei Kriegsende wurde schließlich wegen seines humanitären Engagements in China stattgegeben. Die chinesische Regierung zahlte ihm bis zu seinem Tod Anfang 1950 aus Dankbarkeit eine kleine Rente. Seinen Lebensabend verbringt er dennoch verarmt und vergessen in Berlin. Doch sein unrühmliches Ende wird nicht im Film thematisiert. Er bleibt der komplexe und widersprüchliche Held, der sowohl ordnungsliebender, herrischer Werksleiter als auch gutgläubiger und hilfsbereiter Mensch sein kann.

Bis zur Entdeckung und Veröffentlichung seiner Tagebücher 1996 war Rabe in Deutschland unbekannt und wegen seiner Parteitreue schwer einzuordnen. In China dagegen ist er einer der bekanntesten Deutschen. Mit Hilfe des Films, der auch auf den Tagebüchern basiert, soll Rabes Geschichte einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Und mit ihm auch die Diskussion, ob opponierende Nationalsozialisten als Vorbilder taugen oder es sich bei dem Film um den ersten deutschen „Feelgoodmovie“ der Nazizeit handelt.

Der bereits für einen Kurzfilm Oscarprämierte Regisseur Florian Gallenberger inszeniert mit seinem viersprachig gedrehten Film einen gefühlsbeladenen Epos. Aufwändige Kulissen, beeindruckende Massenszenen und pathetischer Soundtrack vermitteln Freud und Leid des Filmes. Auch wenn teilweise die Akteure zu sehr stereotypisiert dargestellt werden – Chinesen als Opfer, Japaner als Tötungsmaschinen – überzeugen die authentischen Drehorte und die hochkarätige internationale Besetzung.

Der Film läuft seit 2. April 09 in den deutschen Kinos. (FSK 12)

Datum: 07.04.2009
Den Inhalt beschreibende Stichwörter:

Filmtipp - Geschichte - John Rabe

 
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