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Länger leben in der Krise


Die Weltwirtschaftskrise von 1929 bis 1933 ließ die Amerikaner länger leben. Zu diesem überraschenden Befund kamen jetzt Wissenschaftler von der Universität Michigan. Weniger Stress und Arbeitsunfälle seien die Hauptursachen für die gestiegene Lebenserwartung.

Jeder vierte war während der „Great Depression“ in den USA arbeitslos. Der Crash an den Aktienbörsen am 24. Oktober 1929 stürzte die Weltwirtschaft in eine tiefe Krise. Gesundheitlich hatte der Zusammenbruch für die Amerikaner aber auch Vorteile.

Die Sozialwissenschaftler José Tapia Granados und Ana Diez Roux fanden heraus, dass die Sterblichkeit der Amerikaner in den schwersten Krisenjahren 1930 bis 1933 leicht zurückging. Dies gelte für alle Altersstufen, die Lebenserwartung stieg in der gesamten Bevölkerung. Nur die Zahl der Selbstmorde habe zugenommen.

Eine boomende Wirtschaft bedeutete zur damaligen Zeit für die Beschäftigten erhebliche gesundheitliche Belastungen. Arbeitsschutz und Gesundheitsvorsorge spielten noch keine große Rolle und Unfälle waren die häufige Folge.  Außerdem betonen die Forscher die Virulenz von chronischem Stress und durch die Schichtarbeit bedingten Schlafstörungen.

Da lebten die vielen Arbeitslose während der Wirtschaftskrise natürlich bedeutend gesünder. Ein Grund für die höhere Lebenserwartung speziell älterer Menschen ist laut Granados und Roux der bessere familiale Zusammenhalt. Dieser habe sich in einer besseren Pflege der Alten niedergeschlagen.

Trotzdem: Eine starke Wirtschaft führt langfristig zu gesünderen Menschen, das gelte auch weiterhin. Der Anstieg der Lebenserwartung in den USA der frühen 30er Jahre sei als rein kurzfristiges Phänomen zu werten.

Thorsten Schimming

Datum: 05.10.2009
Den Inhalt beschreibende Stichwörter:

Weltwirtschaftskrise, Lebenserwartung, Universität Michigan, Sterblichkeit, Great Depression, José Tapia Granados, Ana Diez Roux

 
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