Nürnberger Gerichtssaal soll Weltkulturerbe werden
Der Rat der Stadt Nürnberg hat beschlossen, sich mit dem Saal 600 um den Titel „Welterbe“ zu bewerben. Außerdem soll am 21. November die Dauerausstellung „Memorium Nürnberger Prozesse“ eröffnet werden. Erwartet werden hochrangige Gäste wie Außenminister Guido Westerwelle, sein russischer Amtskollege Sergej Lavrov und der ehemalige Chefankläger Benjamin Ferencz.
In dem Gerichtssaal tagte ab November 1945 die Nürnberger Kriegsverbrecher Prozesse. Angeklagt waren die führenden „Hauptkriegsverbrecher“, insgesamt 24 Personen und sechs „verbrecherische Organisationen“. Die Tatbestände lauteten: Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen, Verschwörung gegen den Frieden, Verbrechen gegen den Frieden und Vorbereitung und Durchführung eines Angriffskriegs. Ein absolutes Novum im Völkerrecht. Tatsächlich wurden damals die Grundlagen für das heutige Völkerstrafrecht gelegt.
Nach langen Diskussionen bewirbt sich die Stadt Nürnberg deshalb nun um die Aufnahme in die Liste des Weltkulturerbes. Der angestrebte Titel lautet: „Der Nürnberger Prozess im Saal 600 – die Geburtsstätte des Völkerstrafrechts“. Das Verfahren kann fünf bis zehn Jahre dauern. Allerdings benötigen die Nürnberger für die offizielle Bewerbung noch die Zustimmung des Außenministeriums und der Kultusministerkonferenz.
Bis heute wird im Schwurgerichtssaal 600 Recht gesprochen. An zwei Tagen pro Woche dient er als Sitzungssaal. Daneben werden Führungen für interessierte Besucher angeboten. Jährlich machen rund 20.000 Gäste von diesem Angebot gebraucht, das demnächst durch die Dauerausstellung „Memorium Nürnberger Prozesse“ ergänzt wird.
Christine Richter
Datum: 27.10.2010
Den Inhalt beschreibende Stichwörter:
Nürnberger Prozesse, Gerichtssaal, Nationalsozialismus, Weltkulturerbe
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