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Russland versus Stalin?


Der Terror Stalins ist noch immer nicht aufgearbeitet. Viele Russen verehren den Diktator als Helden. Nun startet die russische Regierung erneut einen Versuch den Stalin Kult zu bekämpfen.



Stalin ist noch nicht besiegt. In Russland ist er nach wie vor präsent. Besonders die Mitglieder des „Rates für Zivilgesellschaft und Menschenrechte beim Präsidenten“ wollen Stalin nun  entlarven. Der Menschenrechtler Arseni Roginski, Vorsitzender von Memorial, der wichtigsten russischen Nichtregierungsorganisation zur Aufarbeitung der politischen Repressionen der UdSSR, und der Politologe Sergei Karaganow überzeugten Dmitri Medwedjew, weiter gegen das Vermächtnis des Totalitarismus zu kämpfen.

In der Vergangenheit war bereits zwei Mal versucht worden den Stalin Kult zu bekämpfen: Das erste Mal noch in den 1950er-Jahren, unter Nikita Crusctschow. Damals sind der Terror und Persönlichkeitskult beendet worden, politische Gefangene wurden entlassen und rehabilitiert. Den zweiten Anlauf startete man während der Perestroika. Das Land beschäftige sich mit den Enthüllungen des Stalinismus, die Sowjetunion zerfiel.

Jetzt sei die Chance da, um den Terror endgültig zu verarbeiten, so die Aktivisten, denn nun habe sich der Blick auf die Rolle Stalins in der russischen Geschichte zu verändern begonnen. Und zwar im Frühjahr 2010: Putin kniete bei der Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag des Massakers von Katyn zusammen mit dem polnischen Premierminister Donald Tusk nieder; kurze Zeit später erklärte Dmitrij Medwedjew öffentlich, dass die Massenerschießung von mehr als 20.000 Polen bei Katyn ein Verbrechen war.

Jetzt sollen auch die Folgen des totalitären Regimes aufgearbeitet werden. Denn „nicht Stalin allein ist schuldig, schuldig sind alle“, erklärt Karaganow. Auch das Volk müsse seine Schuld anerkennen. Es bräuchte ein groß angelegtes Programm.

Obwohl der Kreml bereits Kooperationsbereitschaft signalisiert hat, haben die Menschenrechtler keine großen Erwartungen. Sie glauben nicht an eine groß angelegte Entstalinisierung. Der Stalinismus könne nur dann aufgearbeitet werden, wenn sich die Regierung vom sowjetischen Führungsstil trenne und in den Dialog mit der Gesellschaft trete. Nur Worte reichten nicht. Dazu seien Putin und Medwedjew allerdings nicht bereit.

Lisa Schmitz


Datum: 9.2.2011
Den Inhalt beschreibende Stichwörter:

Russland, Stalin, Stalinismus, Kreml, Entstalinisierung

 

 
 
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