Tag der Reue
Japaner und Niederländer nehmen düstere Kapitel ihrer Vergangenheit in den Blick. Für Japan ein großer Schritt, das sich bis heute als Verlierer des Zweiten Weltkriegs und den amerikanischen Atombombenabwürfen eher als Opfer sieht.
Eine ehrliche Entschuldigung kann tatsächlich versöhnen. Im Gegensatz zu manch verkanntem politischen Genie, das trotz Überführung hartnäckig leugnen kann, sorgt das Bekenntnis, Unrecht verübt zu haben, bei den Geschädigten zu einer gewissen Befriedigung. Die Bitte an die Leidtragenden um Vergebung der Schuld, eine „Ent-schuld-igung“ im Wortsinne, setzt die Einsicht des Bittstellers in die eigene Schuldhaftigkeit voraus. Das kann mitunter lange dauern.
Japan, im Zweiten Weltkrieg durch seine aggressive Expansionspolitik im Pazifik aufgefallen, hielt sich selbst lange für ein Opfer dieses Krieges. Jetzt hat sich die japanische Regierung aufgerafft, gegenüber ehemaligen kanadischen Kriegsgefangenen, die Weihnachten 1941 beim japanischen Angriff auf Hong Kong in Gefangenschaft geraten waren, eine Entschuldigung auszusprechen. Von den gut 1600 kanadischen Soldaten waren etwa 250 während der Gefangenschaft an Hunger oder Entkräftung gestorben. Für die ehemaligen Kriegsgefangenen ist das ein kleiner Trost, für Japan jedoch ein großer Schritt in Richtung einer vorbehaltlosen historischen Aufarbeitung seiner Vergangenheit.
Ebenso entschuldigte sich vergangene Woche der niederländische Botschafter Tjeerd de Zwaan auf dem Heldenfriedhof des indonesischen Dorfes Rawagede für das Massaker, das die Kolonialtruppen 1947 hier verübt hatten. Das kleine Königreich wollte damals ein Auseinanderbrechen seines Kolonialreichs mit allen Mitteln verhindern. Jahrelang ging der Streit zwischen den Niederlanden und den indonesischen Hinterbliebenen. Die niederländische Regierung hatte sich stets geweigert, sich offiziell zu entschuldigen und versucht, die Klagen durch Entwicklungshilfeprojekte zu verhindern. Ein niederländisches Gericht gab nun im September den Klägern Recht. Jetzt können Hinterbliebene mit Entschädigungszahlungen in Höhe von 20 000 Euro rechnen.
Der Knackpunkt einer Entschuldigung besteht wohl weniger darin, den entstandenen Schaden zu kompensieren, als vielmehr im öffentlichen Eingeständnis des eigenen Unrechtes. Wenn man bedenkt, dass die katholische Kirche sich erst vor wenigen Jahren für die Kreuzzüge im Mittelalter entschuldigt hat, dann bleibt Karl-Theodor zu Guttenberg ja noch etwas Zeit.
Stefan Reinbold
Datum: 13.12.2011
Den Inhalt beschreibende Stichwörter:
Japan, kanadische Kriegsgefangene, Angriff auf Hong Kong, Massaker von Rawagede
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