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Rückkehr der „bösen“ Deutschen? Thatchers und Mitterrands Angst vor der Wiedervereinigung


Es ist Charles Powells Memo, das derzeit für Gesprächsstoff sorgt. Die rund 20 Jahre alten Mitschriften des Beraters der „eisernen Lady“ wurden jüngst in dem Sonderband „German Unification 1989-1990“ der Serie „Dokumente der britischen Übersee-Politik“ veröffentlicht. Dabei stehen vor allem zwei damalige Akteure im Mittelpunkt: die britische Premierministerin Margaret Thatcher und der französische Präsident Francois Mitterrand. Während bei Thatcher „nur“ ihre bekanntermaßen ablehnende Position gegenüber dem Mauerfall noch einmal verdeutlicht wird, sorgen fragwürdige Aussagen Mitterrands für größeres Aufsehen. Das Brisante daran: Zeitlebens rühmte sich der französische Staatschef für seine Freundschaft mit Helmut Kohl, jener Bundeskanzler, der für die Wiedervereinigung Deutschlands eingetreten war. Jetzt wird offenkundig, dass er insgeheim Kohls Bestrebungen alles andere als befürwortete.

Es ist Charles Powells Memo, das derzeit für Gesprächsstoff sorgt. Die rund 20 Jahre alten Mitschriften des Beraters der „eisernen Lady“ wurden jüngst in dem Sonderband „German Unification 1989-1990“ der Serie „Dokumente der britischen Übersee-Politik“ veröffentlicht. Dabei stehen vor allem zwei damalige Akteure im Mittelpunkt: die britische Premierministerin Margaret Thatcher und der französische Präsident Francois Mitterrand. Während bei Thatcher „nur“ ihre bekanntermaßen ablehnende Position gegenüber dem Mauerfall noch einmal verdeutlicht wird, sorgen fragwürdige Aussagen Mitterrands für größeres Aufsehen. Das Brisante daran: Zeitlebens rühmte sich der französische Staatschef für seine Freundschaft mit Helmut Kohl, jener Bundeskanzler, der für die Wiedervereinigung Deutschlands eingetreten war. Jetzt wird offenkundig, dass er insgeheim Kohls Bestrebungen alles andere als befürwortete.

Mitterrand äußerte in Gegenwart Thatchers im Januar 1990, schon alleine die Aussicht auf eine Wiedervereinigung würde aus den Deutschen wieder das „schlechte“ Volk machen, das es früher gewesen sei. Bei einem Mittagessen im Elysee-Palast Mitte desselben Monats fügte er hinzu, dass die Wiedervereinigung dazu führen werde, dass Deutschland mehr Einfluss in Europa gewinne als Hitler je hatte. Die düstere Prognose der „bösen Deutschen“ stieß bei Thatcher auf fruchtbaren Boden, denn wie der Franzose befürchtete sie, Deutschland könnte nach dem Fall der Mauer im Oktober 1989 an seine Vorkriegsgeschichte anknüpfen.

Doch wieso sind die Akten des 500-seitigen Werks überhaupt heute, nach gerade einmal 20 Jahren, schon einsehbar? Normalerweise, so sieht es das Gesetz vor, werden offizielle Dokumente in Großbritannien erst nach 30 Jahren veröffentlicht. Unterstützung dürften die für die Publikation verantwortlichen Historiker aus den Kabinettsreihen bekommen haben. Mit ihrer Weitsicht kamen die Politiker, vor allem die Beamten des Auswärtigen Amts, in der historischen Rückschau nämlich weitaus besser weg als die damalige Regierungschefin Margaret Thatcher. Ihnen schien klar zu sein, dass die fortwährenden Versprechungen der drei Westalliierten, die Wiedervereinigung sei das Endziel ihrer Deutschlandpolitik, nun eingelöst werden müssten. Ansonsten bliebe neben dem freundschaftlichen Verhältnis zu Deutschland, vor allem ihre eigene Glaubwürdigkeit auf der Strecke.

Thatcher dagegen glaubte bis Februar 1990 daran, den Prozess der Wiedervereinigung zumindest verlangsamen zu können und strebte eine fünfjährige Übergangslösung mit zwei deutschen Staaten an. Mitterrands Optimismus, die Deutschen durch eine stärkere Einbindung in europäische Institutionen zähmen zu können, teilte sie nicht. Zu groß war die Angst, dass der sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow durch die neue Situation destabilisiert würde – eine Vorahnung, die sich noch bewahrheiten sollte.

Erst als der Rahmen für die Zwei-plus-Vier-Verhandlungen geklärt war, gab Thatcher allmählich nach. „Die üblichen Tiraden gegen den Eigennutz der Deutschen, aber das Verlangen, die Wiedervereinigung zu stoppen, kommt jetzt seltener“, notierte Außenminister Douglas Hurd nach einer Sitzung auf Chequers. Zwei Monate später lud die „eiserne Lady“ Historiker und Politiker zur Diskussion auf den Landsitz ein. Das Thema: Wie gefährlich sind die Deutschen? Am Ende, so ihr Berater Powell, sei man sich einig gewesen: „Wir sollten nett zu den Deutschen sein.“


Datum: 21.09.2009
Den Inhalt beschreibende Stichwörter:

Mauerfall, Wiedervereinigung, Dokumente, Margaret Thatcher, Francois Mitterrand, Westalliierte, Deutschlandpolitik, Helmut Kohl

 
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