Vor 75 Jahren: Reichsweiter Boykott jüdischer Geschäfte
„Deutsche! Wehrt Euch! Kauft nicht bei Juden!“ Mit Parolen wie dieser begann am 1. April 1933, knapp zwei Monate nach Adolf Hitlers Ernennung zum Reichskanzler, ein Boykott jüdischer Geschäfte, Ärzte und Rechtsanwälte. Aus der staatlich geduldeten Gewalt der SA-Trupps wurde erstmals staatlich organisierter Terror.
Der Boykott begann um 10 Uhr. Angehörige der Sturmabteilung (SA) und der Schutzstaffel (SS) hinderten Passanten unter Androhung von Gewalt und Repressalien am Betreten jüdischer Geschäfte. Viele Bürger waren vom brutalen Auftreten der Schlägertruppe der NSDAP angewidert. Wer von ihnen doch weiter in jüdischen Geschäften einkaufte, wurde selbst drangsaliert. Die Masse der Bevölkerung blieb aber passiv. Am Abend setzte die Regierung den Boykott aus, drei Tage später erklärte sie ihn für beendet.
Viele Bürger zogen es in Zukunft vor, lieber in „Deutschen Geschäften“ zu kaufen. Der 1. April 1933 markierte den Beginn der Vertreibung der rund 500 000 Juden in Deutschland aus dem Wirtschaftsleben.
Schon am 7. April wurde das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ erlassen, um jüdische Beamte aus dem Dienst zu entfernen. Mit den „Nürnberger Gesetzen“ vom 15. September 1935 und weiteren Verordnungen in den folgenden Jahren wurden den Juden nach und nach alle Möglichkeiten genommen, einen Beruf auszuüben.
Der Verlust der ökonomischen Basis ging einher mit dem Entzug der bürgerlichen Rechte und dem Ausschluss aus der Gesellschaft. Der Terror nahm in den Folgejahren an Brutalität zu, führte über die Reichspogromnacht vom 9. November 1938 schließlich zu Deportation und Ermordung. Datum: 27.03.2008 Den Inhalt beschreibende Stichwörter:
Judenverfolgung in Deutschland, Zweiter Weltkrieg, Boykott
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