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Weltkriegskorrespondenz als Blog.
Der britische Mathematiklehrer Bill Lamin hat die Feldpostbriefe seines Großvaters Harry aus dem I. Weltkrieg ins Internet gestellt. Seit dem Start im Juli 2006 erfreut sich der Blog wachsender Beliebtheit, so haben bereits mehr als eine Million Menschen die Internetseite wwar1.blogspot.com besucht.

In den Briefen aus den Jahren 1917/1918, in denen Harry Lamin als Mitglied der York & Lancaster Regiments in Frankreich und Italien kämpfte, beschreibt der Gefreite hauptsächlich Alltägliches. Die Themenpalette geht von Beschwerden über das schlechte Essen bis zu Dankschreiben für die familiäre Korrespondenz. Das Kriegsgeschehen wird, vielleicht aus Rücksichtnahme auf die daheimgebliebenen Verwandten, weitgehend ausgeblendet. Über Kämpfe mit den Deutschen heißt es lapidar: „Wir hatten eine aufregende Zeit - Fritz kam zu Besuch“.
Unterlegt werden die Briefe durch Auszüge aus den Kriegstagebüchern seines Regiments, um geschichtliche und historische Details zu erläutern. Die Briefe, die an die Geschwister Harrys adressiert sind, befinden sich sämtlich in Bill Lamines Besitz und wurden originalgetreu veröffentlicht. Die Korrespondenz an Harrys Frau sind nicht mehr erhalten, da sie von ihr wahrscheinlich vernichtet wurden. Ein Problem stellten für Bill Lamine die fehlenden Briefe dar, die, wir er vermutet, auf dem Postweg verschollen sind.

Als 12jähriger fand der heute 59  Jahre alte Pädagoge die Feldpost auf dem Dachboden, vor drei Jahren kam ihm anlässlich eines Schulprojekts die Idee mit dem Blog. Den bisherigen Erfolg erklärt er sich durch die starken Identifikationsmöglichkeiten mit seinem Großvater. Dies wird, neben dem typisch britischen Humor, der zwischen den Zeilen aufblitzt, vor allem durch die jeweils tagesaktuell erfolgende Veröffentlichung der einzelnen Briefe erreicht. Hiermit werden vor allem junge User angesprochen, die somit in den damaligen Zustand des Wartens und Hoffens der Familie auf weitere Nachrichten des Frontkämpfers hineinversetzt werden sollen.

Ähnliche deutsche Projekte sind z.B. das „Lebendige virtuelle Museum Online“ (www.dhm.de/lemo ), das neben einer großen Informationsvielfalt zur deutschen Geschichte von 1871 bis zur Gegenwart, Zeitzeugen die Möglichkeit zur Veröffentlichung ihrer Erinnerungen bietet. Träger sind das Deutschen Historischen Museum, das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und das Fraunhofer Institut für Software- und Systemtechnik, Im Gegensatz zu dem Projekt Lamines werden die Zeitzeugenberichte von Experten überprüft, bearbeitet und in den historischen Kontext gesetzt, was zwar der historischen Genauigkeit nutzt, aber andererseits die Spannung von Lamines Blog eliminiert.

-13.02.2008-
 
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