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Attentate - 50 Morde,
die die Welt bewegten


Leseprobe
  

Editorial

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

dass selbst alteingesessene historische Phänomene plötzlich neue Dimensionen gewinnen können, haben uns die schrecklichen Anschläge vom 11. September 2001 gezeigt: Der Begriff "Attentat", den man bis dahin spontan etwa mit den Schüssen auf Kennedy in Dallas verbunden hatte oder auch mit Stauffenbergs Bombe im Führerhauptquartier, assoziiert man seither mit den brennenden Zwillingstürmen in New York und den hasserfüllten Videobotschaften Bin Ladens.

Diese starken assoziativen Bilder haben allerdings auch zu einer Begriffsverwirrung geführt: Die fliegenden Bomben von 9/11 waren Waffen eines Terrorismus', der sich blindwütig und rücksichtslos gegen Zufallsopfer wandte. Sein Ziel war die Verbreitung von Panik, seine Botschaft, dass niemand vor ihm sicher sei. Der klassische "politische Mord" in der Weltgeschichte – mochte er nun in Form eines Attentats erfolgen oder als inszenierter Schauprozess – hat sich dagegen seine Opfer immer ganz genau ausgesucht: Sie wurden Ziel, weil sie waren, was sie sind: Repräsentanten eines verhassten Systems, Vertreter lästiger Ansprüche oder schlicht Hindernisse auf der Karriereleiter eines Skrupellosen. Dass ein Attentat Schrecken und Unsicherheit verbreiten würde, war häufig Teil des mörderischen Kalküls, doch im Gegensatz zum Terrorismus blieb dies immer nur ein Nebeneffekt. Den Umgang mit dessen Ideen und Methoden musste und müssen Polizei und Staatsschutz ebenso neu lernen wie die Historiker.

In diesem G-Spezial beschränken wir uns ganz bewusst auf die "klassischen" Formen des politischen Mordes von der Antike bis in die Gegenwart. Wir versuchen die Motive der Täter ebenso zu deuten wie den Opfer-Charakter ihrer Ziele. Und dann gibt es natürlich auch noch die Frage: Was hat die blutige Tat gebracht? In den meisten Fällen genauso wenig wie blindwütiger Terrorismus...

 
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