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Tags: ammoniak, haber bosch

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Alt 17.11.2011, 08:35   #1 (permalink)
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Salpeter-Synthese

Der erste Weltkrieg hätte im Winter 1914-15 schon mit dem Sieg der Entente enden können!
Die Munitionsproduktion der Mittelmächte, durch die Blockade abgeschnitten vom Chile-Salpeter, wäre zum erliegen gekommen.

Wenn nicht die großtechnische Umsetzung der Salpeter-Synthese nach dem Haber-Bosch Verfahren in den ersten Kriegsmonaten gelungen wäre.

Die Technik und die Chemie verbanden sich erstmals zur Großchemischen Verfahrenstechnik.
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Alt 17.11.2011, 09:41   #2 (permalink)
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Zitat:
Zitat von Suebe Beitrag anzeigen
Die Technik und die Chemie verbanden sich erstmals zur Großchemischen Verfahrenstechnik.
Das kann man wohl so sagen. Wobei dieses großtechnische Vorhaben vorallem durch die Kriegsnotwendigkeit beschleunigt wurde.

Zur Ergänzung sei noch etwas gesagt. Im Haber-Bosch-Verfahren wird Ammoniak produziert. Dieser wird dann in einem weiteren Schritt (Ostwaldverfahren) zu NO2 bzw. Salbetersäure weiterverarbeitet. Die Salpetersäure wiederum ist dann die Basis fast aller gängigen Sprengstoffe.
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Alt 17.11.2011, 10:15   #3 (permalink)
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Zitat:
Zitat von Nafets Beitrag anzeigen
Das kann man wohl so sagen. Wobei dieses großtechnische Vorhaben vorallem durch die Kriegsnotwendigkeit beschleunigt wurde.

Zur Ergänzung sei noch etwas gesagt. Im Haber-Bosch-Verfahren wird Ammoniak produziert. Dieser wird dann in einem weiteren Schritt (Ostwaldverfahren) zu NO2 bzw. Salbetersäure weiterverarbeitet. Die Salpetersäure wiederum ist dann die Basis fast aller gängigen Sprengstoffe.
Wusste ich doch, dass das mit den "Röhrle" hier interessant werden kann.
Haben wir mit Ostwald den 3. Nobelpreisträger im Umfeld.

Noch Hintergründiges:
Der Chemiker Bosch war übrigens ein Neffe des Stuttgarter Robert Bosch.
Der Transport des Chile-Salpeters nach Deutschland war die letzte große Zeit der Segelschiffe. Die Flying-P-Liner. Wäre ebenfalls ein eigenes Thema wert.
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Alt 17.11.2011, 13:30   #4 (permalink)
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Was mich immer wieder wundert: Die angeblich so apolitischen und friedfertigen Forscher in ihren Laboren gerieten immer just mit Ausbruch von Kriegen in eine Phase höchster und effizientester Kreativität. Eigentlich merkwürdig, oder?

Da fragt man sich doch: Was machten diese Menschen eigentlich in Friedenszeiten?
Gerade bei solchen Fortschritten wie der Salpeter-Synthese oder der Kohle-Verflüssigung sind ja jetzt keine riesigen Mittel notwendig, die es in Friedenszeiten nicht auch gäbe.
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Alt 17.11.2011, 14:06   #5 (permalink)
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Zitat:
Zitat von Triton Beitrag anzeigen
Was mich immer wieder wundert: Die angeblich so apolitischen und friedfertigen Forscher in ihren Laboren gerieten immer just mit Ausbruch von Kriegen in eine Phase höchster und effizientester Kreativität. Eigentlich merkwürdig, oder?

Da fragt man sich doch: Was machten diese Menschen eigentlich in Friedenszeiten?
Gerade bei solchen Fortschritten wie der Salpeter-Synthese oder der Kohle-Verflüssigung sind ja jetzt keine riesigen Mittel notwendig, die es in Friedenszeiten nicht auch gäbe.

Naja, wenn man dem ganzen wohlwollend gegenübersteht, könnte man vielleicht annehmen, daß die Forscher in Friedenszeiten nicht so viel Druck ausgesetzt waren, endlich was nützliches produzieren zu müssen und stattdessen eher Grundlagenforschung und so etwas betrieben haben...
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Das Böse- und dieser Satz steht fest- ist stets das Gute, das man läßt.

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Alt 17.11.2011, 14:10   #6 (permalink)
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Zitat:
Zitat von Suebe Beitrag anzeigen
Wusste ich doch, dass das mit den "Röhrle" hier interessant werden kann.
Was is das denn...?
Zitat:
Zitat von Suebe Beitrag anzeigen
Haben wir mit Ostwald den 3. Nobelpreisträger im Umfeld
Ja, das war noch die große Zeit der deutschen Nobelpreisträger.
Die Reihe ist nie ganz abgerissen, aber in den letzten 50 Jahren ziemlich dünn gesät.
Gewisse Rückschlüsse auf die politischen Rahmenbedingungen der deutschen Forschungslandschaft nach dem Krieg, kann man daraus durchaus ziehen.

Haber und Ostwald sind mir von den entsprechenden Verfahren her bekannt, nur hatte ich nie auf ihr Wirken im Allgemeinen geschaut.
So was kann man ja dato schnell nachholen.
Was der Ostwald alles so auf die Beine gestellt hat. Sehr interessant. Fritz Haber auch, allerdings mit einem etwas herben Beigeschmack.

Weil wir gerade dabei sind, Robert Bosch scheint ein zugereister Stuttgarter gewesen zu sein. Sein Wirken auch sehr bemerkenswert.
Zitat:
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Der Transport des Chile-Salpeters nach Deutschland war die letzte große Zeit der Segelschiffe. Die Flying-P-Liner.
Dass Segelschiffe, zumindest für den Rohstofftransport, noch so lange eingesetzt wurden, wußte ich nicht.
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Alt 17.11.2011, 14:34   #7 (permalink)
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Das Haber-Bosch-Verfahren war bereits 1909 großtechnisch umgesetzt, wirklich notwendig wurde die Anwendung erst 1914. Überhaupt ist Fritz Haber einen eigenen Thread wert. Er war quasi der "Vater des Gaskrieges", die Siegermächte wollten ihn ausgeliefert sehen. Stattdessen bekam er den Nobelpreis, man möge sich vorstellen so etwas würde heute geschehen. Die Verwendung von Blausäuregas zur Schädlingsbekämpfung geht ebenfalls auf ihn zurück, von da ging es in direkter Linie zu Zyklon B und Auschwitz.
Kurz vor seinem Tod 1934 trieben ihn die Nazis (Haber war Jude) noch ins Exil.
Fritz Haber ? Wikipedia
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Alt 17.11.2011, 14:44   #8 (permalink)
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Was mich immer wieder wundert: Die angeblich so apolitischen und friedfertigen Forscher in ihren Laboren gerieten immer just mit Ausbruch von Kriegen in eine Phase höchster und effizientester Kreativität. Eigentlich merkwürdig, oder?

Da fragt man sich doch: Was machten diese Menschen eigentlich in Friedenszeiten?
Gerade bei solchen Fortschritten wie der Salpeter-Synthese oder der Kohle-Verflüssigung sind ja jetzt keine riesigen Mittel notwendig, die es in Friedenszeiten nicht auch gäbe.
Doch, riesige Mittel. Es gab im Herbst 1914 vom Reich ein Darlehn in Höhe von 35 Millionen Goldmark an die BASF zu diesem Zweck.
Man beachte auch, dass der Salpeter vorrangig als Dünger seine Anwendung findet. Es gab über den ganzen 1. WK hinweg für Zwecke der Düngung immer zuwenig davon, wodurch die Hektarerträge stark sanken, nicht zuletzt deshalb der Hunger in Deutschland.

Bei der Kohleverflüssigung bitte ich zu beachten, dass die sich unter normalen Umständen bis heute nicht lohnt! Erdöl ist immer noch viel billiger.
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Alt 17.11.2011, 14:46   #9 (permalink)
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Was mich immer wieder wundert: Die angeblich so apolitischen und friedfertigen Forscher in ihren Laboren gerieten immer just mit Ausbruch von Kriegen in eine Phase höchster und effizientester Kreativität. Eigentlich merkwürdig, oder?
Dass Forscher angeblich immer nur apolitisch sind, ist eine Legende.
Die meisten waren oder sind auch nur ganz normale Menschen, die sehen müssen wie sie mit dem Rücken an die Wand kommen.

Es gibt bei wissenschaftlichen Entdeckungen und ingenieurtechnischen Umsetzungen meist zwei Seiten.
Einmal zum Nutzen der Menschen, und zweitens - weil es immer eine Riege oder Gruppe gibt, die diese wissenschaftlichen Erkenntnisse für sehr fragwürdige Ziele und Interessen einsetzen will - zum Schaden der Menschen.
Eine solche Gruppe ist seit jeher schon das Militär gewesen.

Man könnte an der Stelle wieder 'Die Verantwortung des Wissenschaftlers' heranziehen. Allerdings wird die Debatte darum wahrscheinlich rein akademisch bleiben.
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Geändert von Nafets (17.11.2011 um 14:49 Uhr).
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Alt 17.11.2011, 14:49   #10 (permalink)
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Das Haber-Bosch-Verfahren war bereits 1909 großtechnisch umgesetzt, wirklich notwendig wurde die Anwendung erst 1914.
Lediglich im Labormaßstab.
Die erste Versuchsanlage ging 1913 in Betrieb. Das anfangs als Katalysator eingesetzte Osmium ist viel zu selten, als dass damit viel hätte produziert werden können.

Aber notabene, Salpeter ist zuerst mal ein Dünger.
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