Das aktuelle Heft
  (ab 27.07. am Kiosk)


Mehr G-Geschichte.de
Aktuelle Ausstellungen Austellungen im internet
Seite 1 von 3 123 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 30
  1. #1
    Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
    Registriert seit
    31.01.2008
    Ort
    Ingolstadt
    Beiträge
    9.236

    Wagner, Bayreuth und das 3.Reich

    Servus!
    Ich würde Richard Wagner mal provozierend einen "begnadeten Anitsemiten" nennen. Ein großer Komponist sicherlich, aber wegen seiner antisemitischen Anwandlungen mir schon ziemlich suspekt. Wagner Witwe als Hitler-Bewunderin ist ja wahrscheinlich allen präsent, genauso Wagners Schwiegersohn, der Ober-Antisemit Houston Stewart Chamberlain.

    Komisch eigentlich, dass Bayreuth noch nicht von den Ewigrechten als Wallfahrtsort entdeckt wurde (hoffentlich weck ich jetzt keine schlafenden Hunde...).

    Wie seht ihr Wagner, sein Werk und seine Einstellungen?

    VG
    Christian

  2. #2
    Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
    Registriert seit
    29.06.2008
    Beiträge
    19.932
    Ich habe mich mit Wagners Antisemitismus noch nicht so eingehend befasst, würde ihn aber nicht überdramatisieren. Natürlich ist Antisemitismus inakzeptabel. Aber man darf nicht vergessen, dass Wagner in einer Zeit lebte, in der Antisemitismus absolut salonfähig war, beinahe zum guten Ton gehörte. Da darf man keine heutigen Maßstäbe anlegen. Und für seinen Schwiegersohn und seine Witwe kann man ihn schon gar nicht verantwortlich machen.

  3. #3
    Erfahrener Benutzer Rang: Großkanzler
    Registriert seit
    24.07.2008
    Ort
    Augsburg
    Beiträge
    1.088
    Zitat Zitat von 913Chris Beitrag anzeigen

    Wie seht ihr Wagner, sein Werk und seine Einstellungen?
    Sein Werk: einzigartig, Wagner war m.M. nach beinahe ein größeres Genie wie Beethoven, sicherlich größer als Mozart. Seinem werk gebührt alle Ehre.

    Seine Einstellungen: Wie Scifi schon erwähnte, war damals eine übertriebene Vaterlandsliebe üblich, außerdem ist die von Wagner im zeitlichen Kontrast ein "normaler" Nationalismus, ich möchte behaupten gar kein auffälliger Antisemitismus. Aus der Reihe fiel er mit seinen anschauungen sicher nicht.

    Was Witwe und Schwiegerohn dachten konnte Wagner doch gar nicht beeinflussen, er war da doch schon längst tot.

  4. #4
    Erfahrener Benutzer Rang: Haushofmeister
    Registriert seit
    22.04.2008
    Ort
    Mainhattan Westend & Cali - Colombia
    Beiträge
    255
    Hi Leute!

    Also Richard Wagner war sicher kein "begnadeter Anitsemit", wie 913Chris schrieb, sein Antisemitismus war sozusagen rein tagespolitisch bedingt: Vor seinen Hungerjahren, explizit in Paris, wo er einige Zeit mit seiner ersten Ehefrau (+ grossem Hund) mehr schlecht als recht lebte, findet sich auch kein Beleg über antisemitische Ansichten. Das kam erst, als er in erwähnter Zeit keinerlei Kompositionsaufträge oder gar eine Anstellung als Kapellmeister erhielt, viele andere Künstler hingegen, vor allem jüdische, in Anerkennung und Geld schwammen. Der reine Neid schürte seinen Groll!

    Wagner sah sich auch immer als der prädestinierte, die dtsch Oper zu erneuern (er wollte beispielsweise eine neue eigene Opernsprache einführen: wie schrecklich diese ist, kann man am Ring des Nibelungen sehen), insofern war für ihn die Bevorzugung jüdischer Komponisten (wie zB. Mendelssohn Bartholdy's etc.) unvorteilhaft für die deutsche Kultur.

    Und nur deshalb, weil sich Richard Wagner als der zukünftige Protagonist der neuen deutschen Oper sah, beteiligte er sich 1849 an den Dresdner Mai-Aufständen, in der Hoffnung, dann entsprechenden Einfluss zu erlangen - er hielt übrigens während dieser Aufstände zusammen mit dem russischen Anarchisten Bakunin auf einem der Dresdner Kirchtürme Wache, um vor etwaigen preussischen Truppen warnen zu können.

    Was sein Werk betrifft, halte ich ihn zwar nicht für einen begnadeten Komponisten, dennoch war er ein ausserordentlicher Handwerker: Nicht zu unrecht wird unter Fachleuten die Orchesterausarbeitung der vier Teile des Ring des Nibelungen als beste ausgearbeitete Partitur des 19. Jahrhunderts bezeichnet! Und das kann ich auch ruhigen Gewissens aus eigener Erfahrung bestätigen:

    Denn ich habe in den 80ger Jahren 5 Jahre lang Komposition u. Dirigieren studiert, wollte Komponist und Dirigent werden, hatte zuvor 4 Jahre Privatunterricht bei einem renommierten Komponisten. Während dieser Zeit habe ich unter anderen Wagners Partituren (besonders den Ring, Tristan u. Parsifal) ausgiebig studiert u. analysiert. Viele Neuerungen in der musikalischen Struktur, die es in dieser Form noch nie gab, hat dort Wagner erstmalig in seinen Opern eingeführt (beispielsweise die sogen. Motivtechnik: Jede Figur in einer Oper hat ganz unverwechselbare u. wiedererkennbare orchestrale Motive etc.).

    Mich jedenfalls haben die Werke Wagners sehr beeindruckt und inspiriert! Meine eigenen ersten Partituren sind/waren unüberhörbar "wagnerianisch"! Davon konnte ich mich erst lösen, als ich den Minimalismus in den neueren u. avantgarden Kompositionstechniken entdeckte


    Saludos!

  5. #5
    Gesperrt Rang: Majestät
    Registriert seit
    19.02.2008
    Ort
    Baden-Württemberg
    Beiträge
    5.111

    Wagner

    Unglaublich, dass Hitler seinen Jugendfreund Gustl Kubizek angeblich zufällig in Bayreuth entdeckte, und ihn dann mehrfach zum Besuch der Feststpielen einlud (so Kubizek in seinen Memoiren). Glaubt Ihr daran, dass das Zufall war?

  6. #6
    Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
    Registriert seit
    29.06.2008
    Beiträge
    19.932
    In August Kubizek – Wikipedia wird das etwas anders dargestellt. Demnach hat Kubizek selbst Kontakt zu seinem alten Kumpel aufgenommen, indem er ihm zu seiner Ernennung zum Reichskanzler gratulierte. Nach dem Anschluss trafen sie sich in Linz, und 1939 und 1940 wurde er von Hitler zu den Wagner-Festspielen eingeladen. Karrieremäßig hat ihm seine Freundschaft offenbar nichts gebracht, da er sich beruflich nicht veränderte.

  7. #7
    Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
    Registriert seit
    29.06.2008
    Beiträge
    19.932
    Zitat Zitat von Kit Moto Beitrag anzeigen
    er wollte beispielsweise eine neue eigene Opernsprache einführen: wie schrecklich diese ist, kann man am Ring des Nibelungen sehen
    Gewöhnungsbedürftig vielleicht, aber ansonsten finde ich sie nicht schlecht.

    Ansonsten: Toller Beitrag! So habe ich Wagner noch nicht gesehen.

  8. #8
    Erfahrener Benutzer Rang: Großkanzler
    Registriert seit
    24.07.2008
    Ort
    Augsburg
    Beiträge
    1.088
    An Kit Moto: Ein toller, bewertungswürdiger Beitrag.
    Den Zugang den Du zum Antisemitismus von Wagner herrstellst ist einleuchtend.
    Als Fazit läuft es auch hier darauf hinaus, dass Wagner kein auffälliger Antisemit war.

  9. #9
    Erfahrener Benutzer Rang: Großkanzler
    Registriert seit
    24.07.2008
    Ort
    Augsburg
    Beiträge
    1.088
    Zitat Zitat von Joachim Clar Beitrag anzeigen
    Glaubt Ihr daran, dass das Zufall war?
    Das lässt sich so nicht sagen. Man müsste dafür stichhaltige Beweise finden(klar datierte Briefe, z.B.)

  10. #10
    Gesperrt Rang: Majestät
    Registriert seit
    19.02.2008
    Ort
    Baden-Württemberg
    Beiträge
    5.111

    Wagner war es nicht ...

    Wer von Euch weiß, von welchem Komponisten die Erkennungsmelodie der deutschen UFA-Kriegswochenschauen stammt?

Seite 1 von 3 123 LetzteLetzte

Ähnliche Themen

  1. Feldherren im Byzantinischen Reich
    Von WDPG im Forum Mittelalter Allgemein
    Antworten: 25
    Letzter Beitrag: 11.01.2012, 16:35
  2. Heiliges Römisches Reich-Größte Kaiser
    Von WDPG im Forum Weltgeschichte
    Antworten: 19
    Letzter Beitrag: 09.11.2011, 18:03
  3. Bismarck und das Deutsche Reich
    Von dieter im Forum Neuzeit/Zeitgeschichte Allgemein
    Antworten: 317
    Letzter Beitrag: 25.05.2011, 16:37
  4. Antworten: 156
    Letzter Beitrag: 16.12.2008, 22:50

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •