Zitat:
Zitat von Obotrit Kann das nicht einfach der Unterschied zwischen ehemaligen Beamten und "normalsterblichen Senioren" sein? Als Beamter war man damals ja noch was Besseres und wollte keinesfalls statistisch mit Arbeitern in einen Topf geworfen werden. |
... was auf gutdeutsch "Dünkel" heisst.
Es ist doch noch gar nicht so lange her, dass sich Angestellte über Arbeiter erhaben fühlten, nur weil sie Monatsgehalt erhielten und keinen Wochenlohn , ihr Entgelt Gehalt und nicht Lohn hieß, als Erste die Gehaltszahlungen aufs Konto bekamen statt in einer Lohntüte, die im Lohnbüro abzuholen war, andere Kündigungszeiten hatten als Arbeiter, auch in einer anderen Sozialversicherung, der DAK versichert waren, statt in der AOK wie die Arbeiter.
Vor 30 Jahren machte mein Werkstattleiter einen wahnsinnigen Terz, weil mein Steuerberater den Mann ohne dessen Wissen von der DAK in die AOK umgemeldet hat. Das war damals möglich, wenn Versicherungsträger bei Steuerberatern die ordnungsgemäße Erfassung der Sozialabgaben kontrollierten und anhand des Tätigkeitsbildes eine mehr handwerkliche statt einer mehr kaufmännischen Tätigkeit sahen.
Auch das Thema NS spielt da indirekt hinein. Es war wohl so, daß selbst bei den Arbeitern ein gewisser Dünkel bestand. Der normale Arbeiter war sozial höher angesiedelt als der Hilfsarbeiter, dieser wiederum höher als der Tagelöhner, und am Ende stand der Jude. Das soziale Umfeld Hitlers als verkanntes Genie in einem Wiener Männerwohnheim am untersten Ende der sozialen Treppe, bedurfte wohl einer noch geringer zu schätzenden Gruppe von Menschen, über die Hitler in Wien aufgeklärt worden war.