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Alt 24.02.2010, 13:48   #116 (permalink)
WDPG
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2. Kreuzzug/Lage in Ungarn, Byzanz und in den Ländern des nahen Ostens

-Ungarn: In der Zeit des 2. Kreuzzugs herrschte in Ungarn der erst 17 Jahre alte König Geza II. Im Großen und Ganzen stand es um das Land recht gut. Existenzielle Bedrohungen gab es keine (obwohl sowohl das Heilige Römische Reich, als auch Byzanz natürlich versuchte den Einfluss auf Ungarn auszubauen).
Was den 2. Kreuzzug betrifft, so dürfte die Versorgung der Heere während des Durchzugs ganz gut funktioniert haben, es kam zu keinen größeren Zwischenfällen. Und das obwohl das Heer des Königs von Frankreich immerhin einen Thronanwärter mit hatte.
Insgesamt hat der 2. Kreuzzug, genauso wie der reguläre 1. Kreuzzug (also ohne die Volkskreuzzüge) den Ausbau des Handels in Ungarn gut getan. Was mir dennoch auffällt ist, das die Ungarn, obwohl doch schon eine Zeit an die Kultur in Europa angepasst, dennoch irgendwie als fremde wahrgenommen wurden. Chronisten aus damaliger Zeit verglichen die Ungarn noch immer gerne mit Völker wie die Hunnen und dürften in ihnen Barbaren gesehen haben.

-Byzanz: Seltsamerweise liest man über den Grad der Ausschreitungen der Kreuzritter auf byzantinischen Boden verschiedene Angaben. Manchesmal liest man das es kaum größere Ausschreitungen gegeben hat, habe aber auch schon von schweren Ausschreitungen gelesen. Vor allem beim Durchzug des Heeres von Kaiser Konrad III soll es zu diesen gekommen sein. Kaum zu Ausschreitungen soll es beim Durchzug des Heeres des König von Frankreich gekommen sein.
Der Kaiser versuchte den am Kreuzzug teilnehmenden Heerschern zumindest einen Nichtschädigungseid abzuringen, wobei er auch Erfolg hatte. In Anatolien stellte Byzanz zwar Wegführer, ihre Ratschläge wurden aber oft, manchmal auch mit verherrenden Folgen nicht befolgt.
Insgesamt herrschte ein Klima des Misstrauens. Für Manuel I Komnenos müssen die Kreuzzüge vor allem eines gewesen sein, nervig. Sie hielten ihn ab sich um anderes zu kümmern und in Aussicht stand nicht wirklich ein Gewinn.
Die Kreuzzugsteilnehmer hingegen betrachteten Byzanz mit Misstrauen, vor allem als man in Anatolien war. Dort wurde man immer wieder von Seldschukenherren attakiert. Byzanz hatte mit den Seldschuken von Rum vor dem 2. Kreuzzug einen Waffenstillstand vereinbart. Betrachtet man Karten über die Ausdehnung des Byzantinischen Reichs und dann die wo man sieht wo die Kreuzfahrer unterwegs waren, fällt einem auf, dass sie anscheinend auch auf dem Gebiet von Byzanz angegriffen wurden.
Die Teilnehmer des Kreuzzugs schoben die Schuld natürlich auf Byzanz und den Kaiser. Es kann aber leicht sein, das die Grenzen eher unklar waren und sie sich zwar auf dem Gebiet von Byzanz befanden, das diese Gebiete aber nicht wirklich sicher vor Einfällen von den Seldschuken waren.
Insgesamt also eine ähnliche Situation wie beim 1. Kreuzzug. Byzanz musste den Kreuzzüglern zwar helfen, aber das gegenseitige Misstrauen war gigantisch.
Dennoch gelang es Manuel I Komnenos gute Beziehungen zum Kaiser des Westens Konrad III aufzubauen. Ein Grund war das beide in den Normannen (unter Roger II) in Süditalien eine Bedrohung sahen. Ein anderer Grund waren sehr gute Beziehungen zwischen Manuel I und Konrad III, die während des Kreuzzugs entstanden waren.
Weniger gut waren die Beziehungen zwischen Byzanz und dem König von Frankreich.

Was Byzanz im allgemeinen betraf, kann man sagen es war zur Zeit des 2. Kreuzzugs wieder eine Großmacht. Auf Kaiser Alexios I Komnenos folgte der fähige Kaiser Johannes II Komnenos. Dieser kämpfte Erfolgreich in Anatolien und versuchte auch seinen Einfluss auf die Kreuzfahrertaaen zu erhöhen.
Manuel I versuchte auf mehreren Ebene Großmachtspolitik zu betreiben, spätestens jetzt war Byzanz auch wieder ein Großmacht, aber die Politik Manuels I überforderte die Ressourcen von Byzanz und so kam es spätestens nach dem Ableben Manuels I zum Niedergang des Reichs (wenn nicht schon nach der Schlacht von Myriokephalon), doch das war erst in der Zeit nach dem 2. Kreuzzug.

-Syrien, Persien, Ägypten, Anatolien:
Die Stärke der Rum-Seldschuken ist schwer einzuschätzen, einerseits dürfte es gegenüber Byzanz ein gewisse Unterlegenheit gegeben haben. Andererseits waren sie stark genug um einen Teil des Heeres des 2. Kreuzzugs entscheidend zu schlagen und auch um immer wieder in die Gebiete von Byzanz einzufallen. Zur Stärkung beigetragen hat, das Reich der Danischmenden im Niedergang befand und man somit einen Konkurrenten in Anatolien weniger hatte.
Weiter südlich in Syrien war es dem Atabeg von Mossul und Aleppo Zengi gelungen Edessa zu erobern, was schließlich den 2. Kreuzzug auslöste. Als die Kreuzritter im Nahen Osten ankamen Zengi bereits verstorben, doch sein Sohn Nur ad-Din der Atabeg von Aleppo war, als ein starker Gegner der Kreuzfahrer, einer der seinem Vater nichts nachstand. Atabeg von Mossul wurde Saif ad-Din Ghazi I, der älteste Sohn von Zengi.
Eine islamische Stadt die im 2. Kreuzzug noch eine große Rolle spielte und an der man schließlich scheitern sollte war Damaskus. Hier herrschten die Buriden. Diese waren nicht wirklich feinde der Kreuzfahrer sondern verbündeten sich gelegentlich auch mit ihnen. Für sie waren Leute wie Zengi oder Nur ad-Din eine Bedrohung. Schließlich gelang es Nur ad-Din auch die Stadt in seinen Besitz zu bekommen, allerdings erst einige Jahre nachdem er der Stadt gegen die Kreuzfahrer beistand.

Nun noch ein Blick weiter in den Osten: Das Reich der Großseldschuken war in dieser Zeit ohnehin schon zu weit entfernt um eine Bedeutende Rolle beim 2. Kreuzzug zu spielen. Vom Jahr 1118-1153 herrschte Ahmad Sanjar über das Reich. Vor ihm hatte es eine rasche Abfolge von Herrschern gegeben, was die Folge von Machtkämpfen unter den Großseldschuken waren. Das kostete natürlich an Macht. Dennoch war das Reich von Ahmad Sanjar nicht gerade klein. Ursprünglich herrschte er nur über Chorasan, aber als sein Bruder verstarb erbte er das mächtigste Reich des damaligen Persien und konnte so nochmals weite Teile des Seldschukenreichs unter sich vereinen. Zu seiner Hauptstadt machte er Nischapur (heute im östlichen Iran). Doch im Jahr 1141 erlitt Ahmad Sanjar eine Niederlage gegen die Kara Kitai und im Jahr 1153 geriet er in Gefangenschaft der Ogusen. Dort blieb er 3 Jahre lang, ein Jahr darauf verstarb er. Das Seldschukenreich, das zwar für die Kreuzzüge in dieser Zeit kaum mehr eine Rolle spielte, aber doch auch Beachtung verdient, da es ja viele mit der Auslösung des 1. Kreuzzugs zu tun hat, erlosch.
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