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Alt 04.03.2010, 12:47   #117 (permalink)
WDPG
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Lage von Ungarn, Byzanz und dem Nahen Osten zur Zeit des 3. Kreuzzugs:

-Ungarn: Durch Ungarn führte ein Teil des dritten Kreuzzugs, der Zug von Friedrich I Barbarossa, der Durchzug verlief problemlos. Das Heer das durch Ungarn zog war gut diszepliniert und Ungarn sorgte für die Verpflegung. Es kam auch zu persönlichen Begegnungen zwischen Kaiser Friedrich I und Ungarns König Bela III. Unter anderem gingen beide gemeinsam zur Jagd. Also insgesamt ein Durchzug wie er kaum besser hätte sein können.
Vom restlichen Kreuzzug war Ungarn kaum betroffen, da dieser ja den Seeweg nahm.
Ungarn erlebte in dieser Zeit eine Blüte und war ein starkes Land. Interessant ist die Gestalt König Bela III. Dieser war verlobt (manchmal liest man auch verheiratet) mit der Tochter von Manuel I Komnenos (dieser war 1143-1180 Kaiser von Byzanz). Da Manuel I Komnenos anscheinend damit rechnete keinen eigenen Erben hervorzubringen erwägte er Bela zu seinem Nachfolger zu machen. 1165 wurde er zum Thronfolger ernannt, aber kurz darauf kam dann doch noch ein Sohn von Manuel I zur Welt, Alexios II Komnenos. Interessant wäre es darüber nachzudenken, was gewesen wäre wenn Bela III, der sich als König von Ungarn durchaus als fähig erwies Kaiser geworden wäre.
Doch so kam es nicht und so und Bela III wurde schlussendlich "nur" König von Ungarn. Zuvor musster er aber noch Machtkämpfe bestehen, seinen Bruder Geza nahm er bei diesen Gefangen. Geza wurde beim Durchzug von Kaiser Friedrich I wieder freigelassen um mit dem Kreuzzug mitzuziehen. Wenn sich Kaiser Manuel I gedacht hatte Bela III könnte Vasall von Byzanz werden hat er sich getäuscht, er war diesem zwar nach wie vor verbunden, aber regierte unabhängig, als fähiger Herrscher Ungarns 1172 und 1196.

-Byzanz: Beim ersten und beim zweiten Kreuzzug begegnet uns Byzanz als Großmacht, diese Position hatte es zur Zeit des dritten Kreuzzugs bereits eingebüßt. Manuel I Komnenos war der letzte Kaiser der eine Art Großmachtspolitik betrieb, danach ging es mit dem Reich steil bergab. Nur 5 Jahre nach dem Ableben von Kaiser Manuel I wurde der letzte Kaiser aus der Komnenendynastie Andronikos I gestürtzt. Ihm folgte Isaak II Angelos nach, diesen gelang es zwar die Normannen die unter seinem Vorgänger das Reich stark bedrohten abzuwehren, ansonsten erwies er sich aber nicht gerade als fähiger Herrscher und hatte auch mit Legitimationsproblemen zu kämpfen.

Beim Durchzug des Heeres auf dem Balkan von Friedrich I Barbarossa zeigte sich bereits die der Kaiser von Byzanz mit zahlreichen Aufständen fertig werden musste. Friedrich I Barbarossa war geneigt dazu diese eher zu unterstützen. Als das Heer Konstantinopel näher kam, drohte die Lage zu eskallieren. Ein Krieg zwischen den beiden gegeneinander äußerst misstrauischen Seiten wurde immer realistischer, schlussendlich kam es aber dann doch dazu dass, das man sich friedlich einigte und Byzanz den Kreuzzugstruppen helfen musste über Gallipoli nach Anatolien zu kommen.

Die Politik Kaiser Isaak II Komnenos trug wesentlich dazu bei das die Spannungen zwischen Kreuzfahrern und Byzanz weiter stiegen, etwas was sich später rächte (siehe vierter Kreuzzug). Was Byzanz auch noch angekreidet wurde, war ein Bündnis mit Saladin. Es kann aber sein, das dieses nur dazu diente die Seldschuken von Rum zu bedrängen bzw. davon Abzuhalten gegen Byzanz vorzugehen.

Doch nicht nur der Zug auf dem Landweg wirkte sich auf Byzanz aus, sondern auch der auf dem Seeweg. In Zypern hatte sich ein Großneffe von Kaiser Manuel I, Isaak Komnenos zum Kaiser ausgerufen. Zwischen diesem und Richard Löwenherz kam es zum Konflikt, an dessen Ende die Kreuzfahrer die Insel in Besitz nahmen und sie für Byzanz somit verloren ging.

-Anatolien, Syrien, Ägypten, Persien:
Den Rum-Seldschuken ist es im Jahr 1176 gelungen bei der Schlacht von Myriokephalon das Heer von Byzanz zu besiegen. Ein harter Schlag für Kaiser Manuel I und sein Reich. In dieser gelang es dem Sultan der Rum Seldschuken auch die Gebiete der Danischmenden unter seine Kontrolle zu bringen. Von der Schwäche des Byzantinischen Reichs nach 1180 profitierte auch der Sultan von Rum, es gelang ihm einige Gebiete in Anatolien zu erobern. Doch nach dem Ableben des erfolgreichen Sultans Kilic Arslan II (1192) kam es zu Streitigkeiten um die Thronfolge die das Reich schwächten.
Schon vor dieser Zeit überlies Kilic Arslan seinen Söhnen die Regierung, diese zerstritten sich, was auch dazu beitrug dass, das Kreuzfahrerheer das durch Anatolien zog erfolge gegen die Seldschuken feierte.

In Ägypten und weiten Teilen Syriens war es in der Zeit vor dem 3. Kreuzzug den Ajjubiden gelungen die Fatimiden vom Thron zu stürzen. Zuerst herrschte das berühmteste Mitglied der Familie Saladin unter der der Autorität von Nur ad-Din, doch mit der Zeit zeichnete sich immer mehr ein Konflikt zwischen den beiden ab. Zu diesem kam es nicht mehr denn Nur ad-Din starb, bevor es zu einer Auseinandersetzung kam. Die Nachfolger von Nur ad-Din waren nicht mehr so mächtige Gestallten wie dieser und so gelang es Saladin mit der Zeit immer mehr die Kontrolle über ihre Gebiete zu bekommen. Einige Nebenlinie der sogenannten Zengiden (Nachfolger Zengis) hielten sich noch etwas länger und wurden entwieder von den Ajjubiden oder später von den Mongolen gestürtzt. Das es Saladin gelang Jerusalem unter seine Kontrolle zu bringen war der Grund warum der 3. Kreuzzug ausgelöst wurde, auf die Auseinandersetzungen zwischen Saladin und dem Heer des 3. Kreuzzugs möchte ich hier jedoch nicht näher eingehen, da das den Rahmen sprengen würde und ich mich ja eher auf eine Lagebeschreibung zur Zeit der jeweiligen Kreuzzüge beschränken möchte.

In Persien erlebte in dieser Zeit eine andere Macht ihren Aufstieg. Ala ad-Din Tekis (1172-1200) gelang es mit Hilfe der Kara Kitai in Choresmien die Macht zu erlangen. Danach schüttelte er die Oberhoheit der Kara Kitai jedoch ab und eroberte selbst weite Gebiete. Das Reich des Choresm-Shahs das nun entstand dürfte auf das Geschehen des dritten Kreuzzugs kaum Einfluss gehabt haben.
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