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Tags: dekadenz

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Alt 22.02.2010, 19:00   #101 (permalink)
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Zitat:
Zitat von PèreJoseph Beitrag anzeigen
Davon gibt's, leider, bei Gott genügend! Ein Mitglied unseres Stammtisches bezieht auch Arbeitslosengeld II.



Das ist eine Pauschalierung, die ich nicht gelten lassen möchte.

Alkoholismus ist in Deutschland eine von den Versicherungsträgern anerkannte Krankheit, deren Behandlung auch von den Kranken- bzw. Rentenkassen bezahlt wird. Aber beim Alkoholismus ist es wie bei allen Suchtkrankheiten: Der Betroffene sucht alle möglichen und unmöglichen Entschuldigungen, mit denen er seinen Alkoholkonsum rechtfertigt.

Ein Psychiater aus unserem Bekanntenkreis hat mir das so erklärt: Es sind am Alkoholismus oder einer anderen Suchterkrankung immer die anderen Leute schuld, der Betroffene niemals oder ist ein Opfer unglückseliger Umstände oder Verkettung von Ereignissen.

Das ändert aber nichts daran, daß den Leuten geholfen werden muß - sofern sie sich helfen lassen wollen!
Klar, es zwingt einen keiner zum Saufen. Bei vielen geht es um die Betäubung, damit sie nichts mehr mitbekommen. Das kann traurig enden!
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Alt 22.02.2010, 19:08   #102 (permalink)
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Zitat:
Zitat von Hundsgurgel Beitrag anzeigen
Ich finde es auch daneben, dass Abtreibungen von der Krankenkasse bezahlt werden,
So schlimm ist es in Österreich zum Glück noch nicht. Da haben sich ÖVP, FPÖ und BZÖ (auch die weiblichen Poltiker dieser Parteien!) bislang erfolgreich dagegen quergelegt, dass Kinder als "Krankheit" gelten.
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Bis in den Tod Rot-weiß-rot!
Wen die Götter lieben, der stirbt jung.
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Alt 22.02.2010, 19:47   #103 (permalink)
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Zitat:
Zitat von Scifi Beitrag anzeigen
Alkoholismus als Krankheit einzustufen halte ich für Unfug. Wenn schon, dann ist es eine Krankheit, die sich der Kranke freiwillig zulegt. Dann braucht man sich auch nicht zu wundern, wenn die Kassen Geldprobleme haben.
Es ist aber so! In Deutschland wird jede Sucht - selbst Spiel- und neuerdings auch Internet-Sucht - als Krankheit eingestuft und die Behandlungskosten den Krankenkassen oder Rentenversicherungsträgern auferlegt. Auch wenn sich der Betroffene selbst und - bei der Aufklärung, die da laufend über alle möglichen Medien erfolgt - aus freier Entscheidung sich die Sucht zugelegt hat.

Ich kenne zwei von einander unabhängige Fälle an unserer Schule: zwei heroinabhängige Schüler gingen, als es bekannt wurde und die Schulleitung Druck auf die beiden ausübte, zu einer Drogenberatungsstelle der Caritas und waren, schwuppdiwupp, zur Entgiftung in einem psychiatrischen Krankenhaus und, mit nahtlosem Übergang, dann in einem Therapiezentrum. Als Kostenträger sprang, soweit ich weiß, die Kranken- und Rentenversicherung der Eltern ein.

Das Kollegium hat sich übrigens mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, in jedem einzelnen Fall dringend den Wechsel an eine andere Schule zu empfehlen. Die Sozialpädagogen in der Drogenberatungsstelle haben sich dann unserer Meinung angeschlossen, sinngemäß: Es sei den Schülern ja nicht zuzumuten, an eine Schule zurückzukehren, wo die Angelegenheit mal Tagesgespräch gewesen sei ...

Allerdings halte ich, insonderheit bei Heroin- und Kokainsucht, den Staat für absolut heuchlerisch. Er verteufelt, völlig zu Recht, sowohl Heroin als auch Kokain, kassiert dann aber von den Betroffenen, wenn sie erwischt wurden und ihr durchschnittliches Rauschmittelkonsum errechnet werden konnte, im Nachhinein die Einfuhrumsatzsteuer, und zwar gerechnet zum Schwarzmarktpreis des Heroins bzw. Kokains.
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Die neue deutsche Rechtschreibung halte ich für Unfug. Und ich muß privatim nicht jeden Unfug mitmachen!
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Alt 22.02.2010, 19:54   #104 (permalink)
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Zitat:
Zitat von Scifi Beitrag anzeigen
So schlimm ist es in Österreich zum Glück noch nicht. Da haben sich ÖVP, FPÖ und BZÖ (auch die weiblichen Poltiker dieser Parteien!) bislang erfolgreich dagegen quergelegt, dass Kinder als "Krankheit" gelten.
In Deutschland werden nur medizinisch oder sozial begründete Abtreibungen von der Kasse übernommen.

Für meine Frau und mich wäre eine Abtreibung niemals in Frage gekommen.
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Alt 22.02.2010, 19:59   #105 (permalink)
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Zitat:
Zitat von Scifi Beitrag anzeigen
Alkoholismus als Krankheit einzustufen halte ich für Unfug. Wenn schon, dann ist es eine Krankheit, die sich der Kranke freiwillig zulegt. Dann braucht man sich auch nicht zu wundern, wenn die Kassen Geldprobleme haben.
Ich sehe das ähnlich wie Du, Scifi. Alle "Erklärungen", mit dem Alkohol (und/oderauch dem Rauchen) "großzügig" umzugehen, betrachte ich als dem allgegenwärtigen Zeitgeist und einer damit einhergehenden unheilvollen Toleranz geschuldet. Nur, diese Einstellung, dem "Alkoholkranken" eine gehörige Portion Selbstschuld zuzuweisen, steht halt im Widerspruch zu den allgemein gängigen offiziellen Ansichten. Ich behaupte, alkoholische Getränke sind (im Preisniveau vergleichsweise mit Lebensmitteln) viel zu billig, aber das ist ja wohl mehr oder weniger auch "ein politischer Preis". Übrigens: Ein weites Feld, mit dem man sich in Diskussionen usw. viel Ärger und Verdruss einholen kann. Ich persönlich bin jedenfalls durch meine langjährigen einschlägigen Erfahrungen von der Richtigkeit dieser etwas extrem anmutenden Meinung fest überzeugt.

Mit freundlichem Gruss, Minotaurus
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Alt 22.02.2010, 20:14   #106 (permalink)
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Zitat von minotaurus Beitrag anzeigen
Ich behaupte, alkoholische Getränke sind (im Preisniveau vergleichsweise mit Lebensmitteln) viel zu billig, aber das ist ja wohl mehr oder weniger auch "ein politischer Preis".
Das haben, mit ganz wenig bis gar keinem Erfolg, die skandinavischen Länder schon versucht. Sie teilten ihren Bürgern allmonatlich "Alkoholbezugsscheine" zu, die in staatlichen Alkoholläden einzulösen waren, wenn man denn die exorbitanten Preise für Alkoholika zahlen wollte. Auf dem "freien Markt" sind oder waren Alkoholika nicht erwerblich.

Nichts desto trotz sank der Alkoholverbrauch pro Kopf nicht. Wer da Abstinenzler oder Temperenzler war, verscherbelte seine Bezugsscheine für bares Geld an trinkfreudige Zeitgenossen, die dann natürlich pro Monat das doppelte Quantum süffeln konnten.

Oder man machte, wenn man in Schweden oder Dänemark lebte, eine kleine Schiffsreise in die damals noch existente DDR und soff sich noch an Land und dann auf dem Schiff während der Heimreise die Rübe zu. In Schweden, heißt es, sollen schon Krankenwagen auf die Ankunft dieser "Ausflugsschiffe" gewartet haben, um die Alkoholleichen schnell ins nächste Krankenhaus bringen zu können.

Die Finnen buchten eine mehrtägige Busreise in die Sowjetunion und soffen sich mit dem dort billig gekauften Wodka bewußtlos.
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Alt 22.02.2010, 22:53   #107 (permalink)
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minotaurus befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Alkoholkonsum

Um das (exzessive) Trinken usw. geht es mir im Prinzip nicht. Einschlägige skandinavische "Tugenden", ...alles bestens bekannt, ... das sollte hier eigentlich nicht von mir thematisiert werden.
Thema sollte vielmehr sein: Werden die mit den Folgen des Konsums von Alkohol einhergehenden Risiken und Folgen gesellschaftlich richtig erkannt und eingeordnet? Inklusive aller schlechthin auftretenden "Umstände", die den ausufernden Alkoholkonsum betreffen? Sind die hierfür in Frage kommenden Instanzen und Organisationen optimal beraten, wenn dennoch alles Nichterwünschte und Kritische, was den Alkohol betrifft, fast ungebremst in der Öffentlichkeit so weitergeht? Dass Trinken bis hin zum "Saufen" nur noch "Spaß" bedeutet (z.B. nicht zuletzt das Problem mit unseren Jugendlichen, Koma-Saufen usw.)? Ist Toleranz und nachsichtiges Verhalten - von wem auch immer - hilfreich? Und mit "Krankheitsymptomen" seitens der amtlichen Stellen verantwortlich richtig beschrieben? Wenn es denn längerfristig etwas bringt und das Problem endlich eingegrenzt werden kann, mag es ja ausreichen, geduldig zuzuwarten. Mir klingeln jedenfalls nach wie vor alle Alarmglocken.
Scifi hat im Thread ähnliche Fragen aufgeworfen, für die ich ebenfalls bislang keine schlüssigen Antworten finde.

Mit frdl. Gruß, ein besorgter Minotaurus
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Alt 22.02.2010, 23:00   #108 (permalink)
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Zitat:
Zitat von minotaurus Beitrag anzeigen
Dass Trinken bis hin zum "Saufen" nur noch "Spaß" bedeutet (z.B. nicht zuletzt das Problem mit unseren Jugendlichen, Koma-Saufen usw.)?
Was ich mich bei dem Thema immer frage, ist folgendes: Haben Jugendliche nicht immer schon zuviel getrunken, geraucht und sonst Mist gebaut? Merkt man das jetzt einfach deutlicher, weil das Bewusstsein dafür geschärfter ist?
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Nette Begegnungen und viele Grüße

"Vergessen scheint, dass die europäische Integration uns sechzig Jahre lang Frieden beschert hat; dass der europäische Wirtschaftsraum zu einem der wohlhabendsten und größten der Welt herangewachsen ist; dass hier so viel Menschen in Freiheit leben können wie noch nie zuvor."
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Alt 22.02.2010, 23:09   #109 (permalink)
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Zitat:
Zitat von minotaurus Beitrag anzeigen
Thema sollte vielmehr sein: Werden die mit den Folgen des Konsums von Alkohol einhergehenden Risiken und Folgen gesellschaftlich richtig erkannt und eingeordnet?
Natürlich nicht. nach wie vor gilt es als "Chic" Alkohol zu trinken. Mein Mann trinkt nicht sehr oft Alkohol- dafür wird er im Kollegenkreis schief angesehen. Er muß sich oftmals rechtfertigen, daß er keinen Alkohol trinkt. Da erzählen Bekannte, daß sie schon zum Kochen die erste Flasche Wein aufmachen, um schon vorher ein Gläschen zu trinken.
Nur- irgendwann ist es eben nicht mehr, weil es so gut schmeckt, oder weil es gut geht- Alkohol, auch in kleinen Mengen getrunken, führt sehr schnell zur Abhängigkeit. Ich weiß, wovon ich rede, ich habe es bei meiner Mutter mit angesehen. Aus der gelegentlichen Flasche Bier zum Einschlafen wurde dann irgendwann die regelmäßige Flasche Bier zum Einschlafen. Eine Flasche hat dann nicht mehr gereicht, es wurden zwei. Nach ein paar Jahren hat der Kasten Bier die Woche nicht mehr gereicht...
Aber heute wie vor 20 Jahren gilt- man spricht nicht darüber. Bei einem Kollegen meines Mannes weiß eignetlich jeder, daß er schwerstalkoholiker ist. Aber es wird nicht darüber geredet. Nur hinter vorgehaltener Hand...
(Und womit bewiesen ist, daß Alkohol keineswegs nur das Problem von Hartz IV Empfängern ist...)

Zitat:
Zitat von minotaurus Beitrag anzeigen
Inklusive aller schlechthin auftretenden "Umstände", die den ausufernden Alkoholkonsum betreffen? Sind die hierfür in Frage kommenden Instanzen und Organisationen optimal beraten, wenn dennoch alles Nichterwünschte und Kritische, was den Alkohol betrifft, fast ungebremst in der Öffentlichkeit so weitergeht? Dass Trinken bis hin zum "Saufen" nur noch "Spaß" bedeutet
Ich habe diesen Satz jetzt mehrfach gelesen. Aber ehrlich gesagt- ich verstehe ihn nicht. Was genau meinst du bitte?

Zitat:
Zitat von minotaurus Beitrag anzeigen
(z.B. nicht zuletzt das Problem mit unseren Jugendlichen, Koma-Saufen usw.)? Ist Toleranz und nachsichtiges Verhalten - von wem auch immer - hilfreich? Und mit "Krankheitsymptomen" seitens der amtlichen Stellen verantwortlich richtig beschrieben? Wenn es denn längerfristig etwas bringt und das Problem endlich eingegrenzt werden kann, mag es ja ausreichen, geduldig zuzuwarten.
Wenn du speziell das Koma- Saufen meinst, das ist vor allem ein Problem mit Grenzen setzen- und somit in letzter Konsequenz ein Erziehungsproblem. Das ist zumindest die Meinung einiger Erziehungswissenschaftler. Jugendliche, die bis zur bewußtlosigkeit saufen, haben nie richtig gelernt, daß es Grenzen gibt.
Demzufolge wären zuviel Toleranz und nachsichtiges verhalten Ursache für das Problem.
Kann ich nicht beurteilen, das Problem kenne ich nur vom Hörensagen.
Rohana ist offline  
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Alt 22.02.2010, 23:13   #110 (permalink)
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Servus!
Es ist aber schon ein Unterschied, ob man sich über Alkoholismus unterhält oder über "das Saufen".
Alkoholismus ist eine Krankheit. Man legt sie sich nicht zu, nach dem Motto "Och, morgen werd ich Alki". Üblicherweise rutscht man hinein ("die paar Bier...die eine mehr oder weniger...so viel hab ich schon immer getrunken und es hat mir noch nie geschadet...") und stellt irgendwann mal fest (bzw. die Umwelt stößt einen drauf), dass man jetzt also doch Alkoholiker geworden ist. DANN ist man krank und braucht Hilfe. Da die meisten Alkoholiker nicht selber eine Therapie zahlen können, steht der Staat/die Versicherung vor der Wahl, dem Alkoholiker beim Krepieren zuzuschauen und auch die ganzen Folgen zu tragen (denn ein Alkoholiker gerät ja oft nicht nur selber ins Elend, sondern reißt seine Familie gleich mit) oder ihm auf eigene Kosten zu helfen (was im Endeffekt oft billiger ist). Ich sehe da den Begriff "staatliche Fürsorgenpflicht" am Horizont winken...
Außerdem hat Alkoholismus oft weitere Erkrankungen zur Folge, bei denen außer Frage steht, dass die Krankenkasse zuständig ist. Erkrankungen von Leber und Bauchspeicheldrüse, z.B., die operiert werden müssen.
Oder ist hier jemand, der einem Arbeiter, der sich bei seinem Job eine Staublunge oder eine für seinen Job typische Krebsart zugezogen hat, die nötige OP verweigert, mit dem Argument, "selber schuld, hättest du dir einen anständigen Job gesucht"?!?

Das "Saufen" ist eine nicht weniger gefährliche, aber periodische Erscheinung im Leben des Einzelnen. Es gibt auch keine "Sauf"-Sucht. (wenn, dann ist es enie Partysucht...)

Aber die Tatsache, dass bei uns Alkohol a) zu billig und b) gesellschaftlich anerkannt ist, verbindet beide Erscheinungen, da hast du schon Recht, minotaurus.

Würde Alkohol als Droge anerkannt wie etwa der Tabak, könnte man auch Jugendliche besser davor schützen.

VG
Christian
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