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25.05.2010, 13:09
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#1 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Haushofmeister
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| Die Angeln Im Jahr 98 erwähnt der römische Historiker Tacitus in dessen Ethnographie Germania nach einer Beschreibung der Langobarden die Angeln als Anglii: „Dann folgen die Reudigner, Avionen, Angeln, Variner, Eudosen, Suardonen und Nuithonen, die durch Flüsse und Wälder geschützt sind” (Germ. 40,1). Ptolemaeus nennt die Angeln in seiner Geographika als Αγγειλοι. Wanderung nach Thüringen Im 2. oder 3. Jahrhundert wanderte vermutlich ein Teil der Angeln gemeinsam mit den Warnen nach Süden in das Mittelelb- Saalegebiet in den Siedlungsraum der Hermunduren, wo sich in der Folgezeit das Königreich Thüringen herausbildete. Auf die Anwesenheit von Angeln in Thüringen verweist die Lex Angliorum et Werinorum hoc est Thuringorum, die Karl der Große um 800 aufzeichnen ließ sowie der „Engelin-Gau“ im Bereich der Hainleite. Die „Engelsdörfer“ (Feldengel, Kirchengel, Holzengel und Westerengel) bei Großenehrich im Kyffhäuserkreis haben ihren Wortstamm aus dieser Besiedlung erhalten. Wanderung nach Britannien Ab etwa 200, verstärkt dann ab etwa 440, wanderten viele Angeln gemeinsam mit Sachsen, Friesen und Jüten nach Britannien aus. Dass die heutige Landschaft Angeln dabei wirklich von allen Bewohnern verlassen wurde, wie es spätere Berichte behaupten, ist eher unwahrscheinlich. Offenbar wurden die Germanen zunächst von den römischen Einwohnern der Insel als Hilfstruppen (foederati) angeworben, um das Land nach dem Abzug der kaiserlichen Truppen (410) gegen die Überfälle der barbarischen Pikten zu schützen. Doch recht bald scheinen die germanischen Truppen unabhängige Herrschaften errichtet zu haben. Dabei siedelten die Angeln wohl insbesondere im Osten (East Anglia in den GrafschaftenCambridgeshire, Norfolk, Suffolk, Teile des südlichen Lincolnshire) und drangen im 6. Jahrhundert nach Norden bis Lothian (Schottland) vor und gründeten das Königreich Deira in Northumbrien. Die eingewanderten Germanen verschmolzen zum Volk der Angelsachsen und wurden spätestens ab 600 gemeinsam als Engle bezeichnet. Der Name England für den südöstlichen Teil Britanniens leitet sich ebenfalls von den Angeln ab. Die angelsächsische Sprache, eine Schwestersprache der altsächsischen bzw. altniederdeutschen Sprache, wurde zur Grundlage der englischen Sprache. Quellen: Walter Pohl: Die Völkerwanderung, Wien 2002 Herbert Jankuhn: Thorsberg und Nydam Torsten Capelle: Archäologie der Angelsachsen Man findet wenig oder gar nichts über den Grund der Völkerwanderung der Angeln. Die Landschaft Angeln (das Gebiet zwischen Flensburg, Schleswig und der Ostsee) ist sehr fruchtbar, und Naturkatastrophen sind nicht bekannt
. Weiß jemand mehr über den Volksstamm der Angeln? |
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26.05.2010, 17:02
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#2 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 31.01.2008 Ort: Ingolstadt
Beiträge: 9.341
| Servus!
Ich kann dem zitierten wikipedia-Artikel auch nur wenig hinzufügen, außer vielleicht diesem:
Regelrechte Naturkatastrophen waren gar nicht nötig, um die Angeln (und andere Völkerschaften des deutschen Nordens bzw. des heutigen Dänemark) zur Auswanderung zu bewegen.
Es reicht schon, dass es einige Jahre hintereinander mehr regnet als üblich. Die größtenteils sandigen Böden Norddeutschlands nehmen sowas sehr übel, Mißerneten und Hungersnöte sind die Folge.
Bevor alle verhungern, wandern einige aus, der Rest kann sich mit den verfügbaren Äckern dann schon wieder durchschlagen.
So dürften Angeln nach Thüringen gekommen sein (was mir übrigens neu ist. Interessanter Fact...).
Dazu muss noch folgendes beachtet werden: Die Angeln wie auch die später entstandenen Sachsen oder auch die Friesen hatten eine lange Tradition , über den Tellerrand = Strand zu schauen. Die Existenz Britanniens war ihnen sicherlich bekannt. Wenn´s in der Heimat mal nicht so ganz gut lief, oder wenn zuviele Jünglinge mit Hormonstau da waren, setzten sich die Unternehmungslustigen einfach in ihre Boote und fuhren übers Meer. Ob da von jenseits des Meeres grad ein Hilferuf erging, ob´s da grade verlockende Nachrichten gab, im Römer- oder später im Frankenreich wären da ein paar reiche Städte grad schlecht verteidigt oder da grade auf den Inseln vor dem Strand ein Schiff gestrandet war, das war letztendlich wurscht.
VG
Christian |
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01.12.2011, 09:59
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#3 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Großkanzler
Registriert seit: 13.09.2011
Beiträge: 1.027
| Zitat:
Zitat von 913Chris Servus!
Ich kann dem zitierten wikipedia-Artikel auch nur wenig hinzufügen, außer vielleicht diesem:
Regelrechte Naturkatastrophen waren gar nicht nötig, um die Angeln (und andere Völkerschaften des deutschen Nordens bzw. des heutigen Dänemark) zur Auswanderung zu bewegen.
Es reicht schon, dass es einige Jahre hintereinander mehr regnet als üblich. Die größtenteils sandigen Böden Norddeutschlands nehmen sowas sehr übel, Mißerneten und Hungersnöte sind die Folge.
......., setzten sich die Unternehmungslustigen einfach in ihre Boote und fuhren übers Meer. Ob da von jenseits des Meeres grad ein Hilferuf erging, ob´s da grade verlockende Nachrichten gab, im Römer- oder später im Frankenreich wären da ein paar reiche Städte grad schlecht verteidigt oder da grade auf den Inseln vor dem Strand ein Schiff gestrandet war, das war letztendlich wurscht.
VG
Christian |
Vielleicht ist hier ein Hinweis auf die "Feddersen Wierde" angebracht.
ein Siedlungsort der nie wieder besiedelt wurde, dessen Verödung mit der zeitlich passenden Auswanderung nach England erklärt wird. |
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01.12.2011, 11:04
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#4 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Kanzler
Registriert seit: 14.09.2011 Ort: An der Ostsee.
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| Zitat:
Zitat von 913Chris Es reicht schon, dass es einige Jahre hintereinander mehr regnet als üblich. Die größtenteils sandigen Böden Norddeutschlands nehmen sowas sehr übel, Mißerneten und Hungersnöte sind die Folge. | Nur mal zum Klogschieten:
1) Sandböden vertragen Niederschläge bestens, weil alles gleich versickert.
2) Abgesehen vom Kanickelsand der Mark Brandenburg um Berlin sind die Böden in Norddeutschland meist gut für die Landwirtschaft. Das gilt ganz besonders für Ostholstein und Nordwestmecklenburg sowie die Marschen, wo man die alten Angeln, Sachsen und Jüten letztendlich verortet.
Das ändert freilich nichts an der Tatsache, dass auch hier irgendwann das Boot voll war. http://www.mr-kartographie.de/upload...eutschland.jpg
Geändert von Obotrit (01.12.2011 um 11:18 Uhr).
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01.12.2011, 11:15
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#5 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Großkanzler
Registriert seit: 13.09.2011
Beiträge: 1.027
| Zitat:
Zitat von Obotrit Nur mal zum Klogschieten:
1) Sandböden vertragen Niederschläge bestens, weil alles gleich versickert.
2) Abgesehen vom Karnickelsand der Mark Brandenburg um Berlin sind die Böden in Norddeutschland meist gut für die Landwirdschaft. Das gilt ganz besonders für Ostholstein und Nordwestmecklenburg sowie die Marschen, wo man die alten Angeln, Sachsen und Jüten letztendlich verortet.
Das ändert freilich nichts an der Tatsache, dass auch hier irgendwann das Boot voll war. http://www.mr-kartographie.de/upload...eutschland.jpg |
Ach so ja.
In der Feddersen Wierde hat man übrigens den ersten Wendepflug weltweit nachgewiesen.
Weshalb man die Erfindung des Wendepfluges in der Norddeutschen Tiefebene vermutet. |
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01.12.2011, 16:04
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#6 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 31.01.2008 Ort: Ingolstadt
Beiträge: 9.341
| Zitat:
Zitat von Obotrit Nur mal zum Klogschieten:
1) Sandböden vertragen Niederschläge bestens, weil alles gleich versickert. | Dabei werden aber sämtliche Nährstoffe mitgenommen, was nach ein paar Jahren Dauerregen zur Folge hat, dass die Böden kaum noch Ertrag erbringen.
Im frühen Mittelalter war die einzige Möglichkeit, Böden zu verbessern, die Düngung mit Mist - aber dazu brauchte man erst mal genügend Mistlieferanten, und so viel konnten die armen Viecher gar nicht sch..., dass sie die Verluste durch Regen ausgleichen konnten - und zweitens bestand die Möglichkeit der Plaggendüngung.
Dabei wurden Grassoden oder Stücke von Heidekrautboden (mitsamt Bewuchs) oder Blätter aus dem Wald auf dem Boden aufgebracht. Die enthaltenen Nährstoffe (waren nicht so viel) wurden in den Boden eingewaschen, der Rest untergepflügt (mit dem Wendepflug ging das viel besser als mit dem Hakenpflug) und so die Bodenqualität aufgebessert. Klappte allerdings auch nur, wenn die Nährstoffe nicht sofort wieder durchgewaschen wurden.
Wenn´s klappte, war das eine recht effektive Art der Düngung, in Norddeutschland gibt´s ganze Bodenhorizotne ("Plaggenesch"), die so im Lauf der Jahre, Jahrzehnte und Jahrhunderte entstanden sind.
VG
Christian
__________________ De Woch fangt scho guat oo.. (der "Bayerische Hiasl" kurz vor seiner Hinrichtung) |
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01.12.2011, 16:14
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#7 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Haushofmeister
Registriert seit: 02.10.2008 Ort: mittendrin
Beiträge: 487
| Der Teil von Angeln, der hauptsächlich aus sandigen Böden besteht, heißt im Volksmund auch abfällig "Lusangeln"...
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Abraham Lincoln
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01.12.2011, 16:29
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#8 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 31.01.2008 Ort: Ingolstadt
Beiträge: 9.341
| Zitat:
Zitat von Conzaliss Der Teil von Angeln, der hauptsächlich aus sandigen Böden besteht, heißt im Volksmund auch abfällig "Lusangeln"... | Was bedeutet das? "Lausangeln"? "verlorenes Angeln"?
VG
Christian
__________________ De Woch fangt scho guat oo.. (der "Bayerische Hiasl" kurz vor seiner Hinrichtung) |
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01.12.2011, 17:44
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#9 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Haushofmeister
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| Ich denke "lausiges Angeln"...
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Abraham Lincoln
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01.12.2011, 17:49
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#10 (permalink)
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