Servus!
Ilya Yakubovich wurde vor kurzem für seine Dissertation "Hittite-Luvian Bilingualism and the Origin of Anatolian Hieroglyphs" mit dem ersten Preis der Oliver Gurney Memorial Competition ausgezeichnet für den besten Beitrag zu Anatolien eines Nachwuchsgelehrten.
Ich hab mich noch nicht durch die Arbeit des jungen Mannes von der russischen Akademie der Wissenschaften durchgearbeitet (downloadbar hier:
http://iling.spb.ru/pdf/alp/alp_IV_1.pdf#page=9), aber einige interessante Impulse sind schon in der Einleitung enthalten:
So war mir neu, dass lange Zeit fälschlicherweise davon ausgegangen wurde, luwisch wäre nur einer unter vielen Dialekten im Hethitischen Reich gewesen, und die luwischen Lehnwörter im Hethitischen nur Ausdruck einer allgemeinen Entwicklung, wie sie zwischen unterworfenen und herrschenden Völkern öfter vorkommt.
Schon 1956 kam ein gewisser Herr Güterbock zu dem - mir neuen - Schluss, dass die hethitischen Hieroglyphen "von den Luwiern, für das Luwische und in Luwischen Landen" entwickelt worden wären. Die Hethiter hätten also eine eigentlich fremde Schrift übernommen und an ihre Sprache angepasst.
Jüngere Untersuchungen haben aber ergeben, dass Luwisch und Hethitisch im Hethitischen Reich gleichberechtigte Verkehrssprachen waren. Die hethitischen Hieroglyphen wären dann also in Hattusa entwickelt worden, in einem gemischten luwisch-hethitischen Sprachumfeld.
In späteren Entwicklungsstufen veränderte sich die ursprünglich in hethitisch UND luwisch lesbare Hieroglyphenschrift in eine Schrift, die nur noch die luwische Sprache wiedergab.
So weit hab ich bisher gelesen.
Nun ratterte es in meinem Kopf: Wenn die späthethitischen Staaten nicht mehr im anatolischen Hochland ihre Machtbasis hatten, sondern diese Machtbasis nach Süden bzw. Südosten wanderte, dorthin, wo die Luwier lebten, wäre darin dann vielleicht einer der Faktoren zu suchen, der das Hethitische Großreich so schwächte, dass der Seevölkersturm den Zusammenbruch des Reichs brachte?
Immerhin scheint - geht man von der Entwicklung der hethitischen Hieroglyphen aus - die Macht innerhalb des Reichs weg von den Hethitern und hin zu den Luwiern gegangen zu sein, wobei anzumerken ist, dass es schon immer luwische Staaten wie Arzawa im Westen Kleinasiens gab, die Gegner des Hethitischen Reichs waren. Auch die luwischen Teilstaaten Kizzuwatna (Kilikien) und Tarhuntassa (Tarsus) waren nicht immer stabile Pfeiler im hethitischen Machtgefüge...
Was meint ihr dazu?
VG
Christian