| Eflatun Pinar (3) Wenden wir uns nun der Frage zu, wie das Monument auf den Betrachter wirkte. Sicher war es nicht die Absicht des Erbauers, den Bauern in
Anatolien Chemieunterricht zu erteilen.
Dazu werfen wir einen Blick auf den Aufbau. Wir gehen davon aus,
daß die wesentlichen Teile erhalten geblieben sind. Der lange
Deckstein oben hat eine halbe Sonnenscheibe in der Mitte und bedeckt
alles. Das ist das Hauptthema. Unten im Fundament sind fünf männliche
Figuren und zwei Sockel für das Große Paar. Wenn der Wasserspiegel
bis an die Füße der Hauptfiguren reicht, sieht man gerade noch die
Köpfe der Männer. Dazwischen liegt der zwölfteilige Mittelteil.
Wir formulieren eine erste Aussage:
"Die Sonne oben bringt das Leben auf die Erde unten."
Eine Wasserquelle als Bild für das Leben verstand jedes Kind.
Vielleicht wurde an diesem Ort alljährlich der Frühlingsanfang gefeiert.
Dazwischen die "Zwölf" als Vermittler.
Nennen wir das Deutungsebene A, die Information für die Öffentlichkeit.
Ob die zwölf Figuren ein hethitisches Herrscherpaar oder regionale
Götter samt Anhang darstellten, ist nicht sicher. Sollte man eine
diesbezügliche Inschrift finden, ändert das nichts an der Grundaussage.
Für die "Intelligenzia", also die Herrschenden und die Priester, waren
diese zwölf Figuren mehr. Nach dem sumerisch-akkadischen Weltbild
herrschten ANU und ANTU, das himmlische Paar, mit zehn Mitgliedern
der göttlichen Familie zusammen über die Menschheit. Der starke
Einfluß aus Mesopotamien auf die Hethiter ist gesichert, sie benutzten
z.B. die Keilschrift. Die geflügelte Scheibe oben ist ein sumerisches
Symbol für NIBIRU, nach den Mythen der Ursprung der Götter.
Und die Sumerer liebten Zahlenspiele. Multipliziert man die Anzahl
der Figuren im Fundament (fünf) mit der Anzahl der Figuren im
Mittelteil (zwölf), erhält man 6o. Das ist die Basiszahl des sumerischen
Zahlensystems (Sexagesimalsystem) und gleichzeitig der Rang von
ANU, dem höchsten Gott. Zufall? Zählt man alle Elemente unter dem Sonnenstein, also das Fundament (sieben, nämlich fünf Männe und zwei Sockel) und die zwölf Figuren im Mittelteil plus den Querträger zusammen, erhält man 2o. Der Sonnengott UTU hatte den Rang 2o, noch ein Zufall?
Diesen Zusammenhang nennen wir Deutungsebene B.
Als Aussage formuliert: "Von NIBIRU kamen die 12 göttlichen Herrscher
über die Erde und brachten das Leben zu den Menschen (fünf Männer)."
Wird fortgesetzt
Copyright 2o11 P.A. Uhlig
Geändert von eule (18.01.2011 um 19:29 Uhr).
Grund: ergänzen
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