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  1. #1
    Neuer Benutzer Rang: Knappe
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    Sed und die DDR

    Hallo,
    diese Frage schwebt mir schon ein paar Tagen im Kopf rum und zwar mit welchen Mitteln die SED ihre Macht in der DDR festlegten. Könnt ihr mir da ein bisschen helfen ?

  2. #2
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    "Die Partei hat immer recht".
    "Alles durch, nichts ohne die Partei!"

    Mit Unterstützung der sowjetischen Militärmacht zog die SED schlicht alles an sich, was eigentlich auf die einzelnen Regierungsgewalten und auf mehrere Parteien hätte verteilt werden sollen.

    VG
    Christian

  3. #3
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    Zusätzlich gelang es noch die Kontrolle über Polizei- und Militärapparat zu behalten und auszubauen. Danach gab es, wie Chris sagt nichts mehr zu verteilen.

  4. #4
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    Zitat Zitat von 913Chris Beitrag anzeigen
    Mit Unterstützung der sowjetischen Militärmacht zog die SED schlicht alles an sich, was eigentlich auf die einzelnen Regierungsgewalten und auf mehrere Parteien hätte verteilt werden sollen.
    So funktionierte es in allen Ostblockstaaten. Nach ersten halbwegs freien Wahlen wurden die anderen Parteien unter Mithilfe der Besatzungsmacht gezwungen, sich mit den Kommunisten zu fusionieren oder zumindest zu einem Block zusammenzuschließen.
    Nur in Ostösterreich ließen sie es bleiben, nachdem die KPÖ bei den ersten Wahlen lausige 5,41% bekommen hatte und sich die SPÖ einer Fusion trotz mancher Forderungen vor allem aus der Parteijugend hartnäckig widersetzte. Hätte die KPÖ 20-30% erreicht wie anderswo, hätten uns die Sowjets wohl nie wieder ausgelassen.

  5. #5
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    Zitat Zitat von gersp Beitrag anzeigen
    Hallo,
    diese Frage schwebt mir schon ein paar Tagen im Kopf rum und zwar mit welchen Mitteln die SED ihre Macht in der DDR festlegten. Könnt ihr mir da ein bisschen helfen ?
    Kurz nach seiner Rückkehr aus dem Moskauer Exil hat Walter Ulbricht die Linie festgelegt, indem er sagte, daß alles demokratisch aussehen, wir - damit meinte er die Kommunisten - aber das Sagen haben müßten.

    Der zweite Schritt auf dem Weg zur uneingeschränkten Macht war dann die Zwangsvereinigung mit der SPD, bei der aus KPD und SPD die SED hervorging.

    Die anderen Parteien, die sogenannten Blockparteien, bildeten dann mit der allmächtig gewordenen SED die sogenannte Nationale Front.

    Alles in allem: Auch wenn es im Rahmen der Nationalen Front mehrere Parteien gab, die aber alle nach der Pfeife der SED tanzten, war es in der DDR ein Ein-Parteien-System; die anderen Parteien waren nur Staffage.

  6. #6
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    Zitat Zitat von PèreJoseph Beitrag anzeigen
    Alles in allem: Auch wenn es im Rahmen der Nationalen Front mehrere Parteien gab, die aber alle nach der Pfeife der SED tanzten, war es in der DDR ein Ein-Parteien-System; die anderen Parteien waren nur Staffage.
    Daher war es umso auffälliger, dass einige Ost-CDU-Abgeordnete tatsächlich den Mut aufbrachten, gegen die Straffreiheit für Abtreibung zu stimmen.

  7. #7
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    Zitat Zitat von PèreJoseph Beitrag anzeigen
    Der zweite Schritt auf dem Weg zur uneingeschränkten Macht war dann die Zwangsvereinigung mit der SPD, bei der aus KPD und SPD die SED hervorging.

    Die anderen Parteien, die sogenannten Blockparteien, bildeten dann mit der allmächtig gewordenen SED die sogenannte Nationale Front.
    Ich lese gerade "Ebert und Ebert", eine Doppelbiographie zu Friedrich Ebert (dem Reichspräsidenten) und seinem Sohn (dem Berliner OB). Dort wird dargestellt, dass die Vereinigung von SPD und KPD gar nicht mal SO zwanghaft war. Es führte zwar objektiv kein Weg dran vorbei, war aber ohnehin ein seit der Trennung von SPD und USPD immer wieder virulentes Anliegen aller sozialistischen Parteien.
    Der Dauerstreit (um´s mal vorsichtig zu formulieren) zwischen der SPD und den anderen Arbeiterparteien während der Weimarer Republik hatte die Wiedervereinigung aller Arbeiterparteien zwar immer wieder verhindert, aber Pläne gab´s auch immer wieder...
    Insofern standen in der SPD (auch im Westen!) relativ viele dieser Vereinigung von KPD und SPD durchaus positiv gegenüber, und auch in der SED war zumindest in den ersten Nachkriegsjahren, bis Ulbricht die alleinige Kontrolle über die SED hatte, der Anteil der Ex-SPD´ler kein unwichtiger.
    So war Otto Grotewohl ein SPD´ler, und auch Ebert jun. blieb zeitlebens mehr SPD´ler als KPD´ler - was Ulbricht überhaupt nicht in den Kram passte...
    Im übrigen gab´s noch Anfang der 50er Jahre im Stadtrat von Berlin (Ost) sowohl Abgeordnete der SED wie auch der SPD - Ergebnis der sowjetischen Politik, den Westteil der Stadt nicht auszugrenzen. Und im Westen gab´s ja noch eine unabhängige SPD...

    VG
    Christian

  8. #8
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    Zitat Zitat von 913Chris Beitrag anzeigen
    ... Dort wird dargestellt, dass die Vereinigung von SPD und KPD gar nicht mal SO zwanghaft war. ...
    Das alles ändert nichts daran, daß es letztlich auf eine Zwangsvereinigung hinauslief, auch wenn im Sommer 1945 östlich der Elbe auch Sozialdemokraten einer Einheitspartei nicht ablehnend gegenüberstanden. Diese Sozialdemokraten gaben sich der Illusion hin, daß die deutschen Kommunisten mit dem Sowjetsystem nichts mehr am Hut hätten, glaubten also an „geläuterte“ Kommunisten. Es blieb ihnen verborgen, daß die Kommunisten zunächst damit beschäftigt waren, sich wieder einen Funktionärskader heranzubilden, der ihnen ja als Folge der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland verlorengegangen war.

    So konnte Ulbricht kurz nach seiner Rückkehr aus dem Moskauer Exil ja sagen, daß alles demokratisch aussehen, aber die Kommunisten das Sagen haben müßten.

    Als diese Kader aufgebaut waren, etwa Herbst 1945, hatten die Kommunisten ja auch mit der Propaganda für eine Verschmelzung von SPD und KPD begonnen. Sie mußten das auch tun, hatten sie doch wegen ihrer Liebedienerei gegenüber der Sowjetischen Militäradministration für die 1946 angesetzten Wahlen schlechte Karten.

    Die Sozialdemokraten und Kurt Schumacher an der Spitze hatten aber mitbekommen, was bei den Kommunisten so gelaufen war und hatten nun ganz und gar keine Lust mehr auf eine Verschmelzung. Im März 1946 jedenfalls stimmten in Westberlin – in Ostberlin durfte auf Anordnung der Sowjetischen Militäradministration wohlweislich nicht abgestimmt werden - 82 Prozent der Sozialdemokraten gegen die Vereinigung mit der KPD.

    Die Vereinigung von KPD und SPD zur SED erfolgte wirklich gegen den Widerstand von Sozialdemokraten, von denen diejenigen, die ganz offen dagegen waren, schon vor der Zwangsvereinigung verfolgt wurden; die Militäradministration verhängte außerdem Redeverbote über Sozialdemokraten. Erich Ollenhauer hat das Vorgehen der Kommunisten gegen die Sozialdemokraten im Jahre 1961 öffentlich gemacht, als er sagte, daß zwischen Dezember 1945 und April 1946 mindestens 20.000 Sozialdemokraten unter Verfolgung zu leiden hatten. In den Westzonen hingegen konnten die Sozialdemokraten alle Annäherungsversuche der Kommunisten erfolgreich abwehren.

    Die SPD jedenfalls bleibt dabei: Zwangsvereinigung ist die richtige Bezeichnung, weil es für die ostdeutschen Sozialdemokraten überhaupt keine Alternative zur Einheitspartei gab.

  9. #9
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    Also, ich muss dazu sagen, das Buch stammt von Norbert Podewin, einem langjährigen Mitarbeiter von Ebert jun. Es dürfte also aus Ost-Sicht geschrieben sein...
    Jedenfalls stellt Podewin es so dar, dass bis Januar 46 auch in der Ost-SPD die Meinung vertreten wurde, es bräuchte erst die (Neu-)Bildung einer reichsweiten SPD, dann erst könne man über eine Vereinigung mit der KPD reden. Selbst Scharow, der Chef der SMAD in Brandenburg, meinte, "die Vereinigung der beiden Arbeiterparteien (sei) eine Frage der Entwicklung und nicht eine Angelegenheit von Terminen" (Podewin, S.427). Es war die KPD, die auf eine Vereinigung zum 1.Mai drängte.
    Die Stimmung in der Ost-SPD (abseits von Bedrängungen durch die SMAD, die zwar vorhanden waren, aber nicht alle SPD´ler betrafen - wer kein Amt unter der SMAD ausübte, auf den konnte auch kein Druck ausgeübt werden. Trotzdem waren auch von den altgedienten Mitgliedern offenbar viele Pro-SED eingestellt) war pro Vereinigung, so dass die Ost-SPD umschwenkte und einen Vereinigungsparteitag in die Wege leitete. Die SPD versprach sich von einer Vereinigung mit der KPD, die Kommunisten kraft der weit höheren Zahl von SPD´lern in der zukünftigen SED einfach zahlenmäsig zu erdrücken.
    Am 21. und 22. April wurde dann die SED gegründet. Da zum Zeitpunkt der Abstimmung in den Westsektoren im Osten die Vorbereitungen für den Parteitag schon in vollem Gange waren, erübrigte sich hier eine Abstimmung.

    Sschreibt zumindest Podewin.

    VG
    Christian

  10. #10
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    Zitat Zitat von 913Chris Beitrag anzeigen
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    Also, ich muss dazu sagen, das Buch stammt von Norbert Podewin, einem langjährigen Mitarbeiter von Ebert jun. Es dürfte also aus Ost-Sicht geschrieben sein...
    Schreibt zumindest Podewin.
    Ich habe die Lesart der SPD übernommen. In diesem Fall steht wohl Aussage gegen Aussage.

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