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Dass es so friedlich abgelaufen ist, grenzt an ein Wunder! Das Risiko eines Bürgerkrieges war viel zu hoch um so etwas zu riskieren.
Vielleicht war´s demjenigen Welchen wurscht, ob welche draufgehen? Oder er kannte Krenz´ Einstellung, lieber nicht die große Truppe aufzufahren, um enien Bürgerkrieg zu vermeiden?
VG
Christian
Krenz Einstellung war den Russen relativ egal. Und wenn der Befehl aus Moskau gekommen wäre, dann hätte Krenz nix dagegen machen können und der Wraschauer Pakt wäre einmarschiert und hätte die Ordnung wiederhergestellt.
Als ich im Frühjahr 1990 das erste mal die DDR besuchte - sie existierte ja noch bis Oktober 1990, erst ab da galt der Einheitsvertrag - las ich in Eisenach an einer Mauer den sinnigen Spruch "Keinen Lenz für Egon Krenz". Bei den Sowjetsoldaten fiel mir auf, dass die meisten keine Socken in ihren Stiefeln hatten. Die Leute waren so naiv, dass man fast ein schlechtes Gewissen bekam. Bei der Eisenacher Regionalzeitung arbeitete ein Anzeigenvertreter namens Mielcke, da sagte ich spasshalber "... was denn, Herr Mielcke arbeitet hier auch?" Das wurde aber nicht als Scherz verstanden.
Er liebte doch bekanntlich alle Menschen, auch die Zeitungsleser![]()
Anbetrachts der Ostalgie, die auch jetzt noch vorhanden ist, läßt sich schon darauf schließen, daß die Mehrzahl der Bevölkerung eine "Wende" wollten - allerdings nicht die "Wende", die sie bekommen haben: Nämlich den Fall des "antifaschistischen Schutzwalles", des Eisernen Vorhangs und den Beitritt zum Geltungsbereich des Grundgesetzes, sprich: junge Länder in der Bundesrepublik Deutschland bzw. dem wiedervereinigten Deutschland zu werden.
Viele stellten sich die Zukunft allerdings nicht so vor, wie sie gekommen ist; sie wollten Arbeiten wie bei Erich Honecker und bezahlt werden und leben wie bei Helmut Kohl - Dinge, die halt nicht unter einen Hut zu bringen sind. Dafür spricht auch das Plakat, das ich in einer Übertragung einer dieser Montagsdemonstrationen gesehen habe: "Kommt die D-Mark bleiben wir, kommt sie nicht, geh'n wir zu ihr". Sie bekamen mit der Währungs- und Sozialunion die D-Mark am 1.7.1990 und mit ihr ein fürchterliches Erwachen in der westlich-kapitalistischen Realität.
Eine "Wende" wollten auch die Angehörigen des Politbüros. Und diese "Wende" hätte mit westdeutschem Geld nur die Mangelwirtschaft des real existierenden Sozialismus beseitigt. Am sinnlosen Wirtschaften und an den unbezahlbar gewordenen Sozialleistungen sollte nicht gerüttelt werden. Im Zusammenhang mit dem sogenanten "Schürerpapier" vom September 1990 sagte einer der Bonzen: "... dann wird die DDR unregierbar."
Mit einer solchen "Wende" und der Devise "Reichtum für alle" gehen ja die dunkelroten Rattenfänger der SED-Nachfolgepartei recht erfolgreich hausieren.
Das war Herr Gysi.
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