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09.08.2011, 15:58
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#1 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Durchlaucht
Registriert seit: 05.03.2011 Ort: Maxdorf (ach was...)
Beiträge: 3.838
| Kohls Verdienst an der Deutschen Einheit Hallo zusammen!
Heute mittag um 14:00 Uhr hat Helmut Kohl von der BILD - Zeitung ein Stück der Berliner Mauer für seinen Hausgarten bekommen. Ich war live dabei (es war sehr interessant) und da habe ich mich folgendes gefragt:
In wie fern ist Helmut Kohl die deutsche Einheit und der Fall der Mauer zu verdanken?
Das ist natürlich Ermessenssache, aber ich würde gerne mal eure Meinung hören.
PS: Der Fall der Mauer ist Kohl, wie ich finde, nicht zu verdanken. Das ist das Verdienst der DDR - Bürger.
VG,
Der Maxdorfer
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10.08.2011, 14:10
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#2 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 20.02.2008 Ort: Frankfurt/M.
Beiträge: 8.802
| Lieber Maxdorfer,
so isses.  Wobei Kohl als skrupeloser Poliitiker zu diesem Zeitpunkt, gerade der Richtige für diese Aufgabe war. Ich vergleich ihn immer mit den attischen Politiker Themistokles, der die Perser bei Salamis reingelegt hatte.
Wäre Klarsichthüllenbedenkenträger SPD-Vogel Kanzler gewesen, so wäre die ganze Welt zweimal gefragt worden, ob sie auch nichts gegen die Vereinigung haben, hätte auch nur ein Land Bedenken geäußerst, dann hätte er es gelassen.   (Vorsicht, Ironie)
In manchen Dingen ist es eben besser, wenn ein Politiker skrupellos ist (siehe Parteispenden und angebliches Ehrenwort), als sich treu an den Buchstaben des Gesetzes zu halten. 
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Was Du nicht willst, dass man Dir tu, das füg auch keinem Anderen zu. Rettet das Forum |
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10.08.2011, 14:50
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#3 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Durchlaucht
Registriert seit: 05.03.2011 Ort: Maxdorf (ach was...)
Beiträge: 3.838
| Den "Job" als Vereinigungskanzler hat er gut gemacht, wie ich finde.
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10.08.2011, 16:09
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#4 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 31.01.2008 Ort: Ingolstadt
Beiträge: 9.341
| Zitat:
Zitat von Maxdorfer Den "Job" als Vereinigungskanzler hat er gut gemacht, wie ich finde. | Insbesondere schaffte er es, die historische Situation a) zu erkennen und b) zu nutzen, wobei es seine Hauptaufgabe war, Gorbi, Thatcher und Mitterrand zu überzeugen, dass ein vereinigtes Deutschland keine Gefahr mehr darstellen könne (Gorbi wurde zusätzlich mit enormen Geldmengen bestochen, denn der konnte sich den Abbau der sowjetischen Streitkräfte in Ostdeutschland schlicht nicht leisten...).
Von nicht unerheblichem Gewicht dürfte die Ansicht von Bush sr. gewesen sein, der in einer deutschen Wiedervereinigung (mit NATO-Mitgliedschaft des vereinigten Deutschland - weiterer (wichtigster?) Knackpunkt bei den Verhandlungen mit Gorbi) die Chance sah, den NATO-Einfluss und damit den US-Einfluss in Europa entscheidend auszudehnen. Bush überzeugte Thatcher, Kohl überzeugte nach Gorbi auch Mitterrand (angeblich mit dem Argument, wenn schon Thatcher und Gorbi für die Wiedervereinigung wären, warum denn dann Mitterrand noch dagegen wäre?) - und der Weg war frei für die 2+4-Verhandlungen.
VG
Christian
__________________ De Woch fangt scho guat oo.. (der "Bayerische Hiasl" kurz vor seiner Hinrichtung) |
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11.08.2011, 04:44
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#5 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Großkanzler
Registriert seit: 18.03.2010 Ort: Hessen
Beiträge: 1.352
| Zitat:
Zitat von 913Chris Insbesondere schaffte er es, die historische Situation a) zu erkennen und b) zu nutzen, wobei es seine Hauptaufgabe war, Gorbi, Thatcher und Mitterrand zu überzeugen, dass ein vereinigtes Deutschland keine Gefahr mehr darstellen könne (Gorbi wurde zusätzlich mit enormen Geldmengen bestochen, denn der konnte sich den Abbau der sowjetischen Streitkräfte in Ostdeutschland schlicht nicht leisten...). | Und wie glaubst du, wurde die eiserne Lady bestochen? Zitat:
Zitat von 913Chris Von nicht unerheblichem Gewicht dürfte die Ansicht von Bush sr. gewesen sein, der in einer deutschen Wiedervereinigung (mit NATO-Mitgliedschaft des vereinigten Deutschland - weiterer (wichtigster?) Knackpunkt bei den Verhandlungen mit Gorbi) die Chance sah, den NATO-Einfluss und damit den US-Einfluss in Europa entscheidend auszudehnen. Bush überzeugte Thatcher, Kohl überzeugte nach Gorbi auch Mitterrand (angeblich mit dem Argument, wenn schon Thatcher und Gorbi für die Wiedervereinigung wären, warum denn dann Mitterrand noch dagegen wäre?) . | Fehlt nur noch, dass du schreibst, dass sich die 4 Protagonisten in den Armen lagen 
Tatsache ist, das es knallharte Verhandlungen und Geplänkel gab. Zitat:
Zitat von 913Chris ... - und der Weg war frei für die 2+4-Verhandlungen. | Und hier scheiden sich die Geister.
Dank Kohn kam die Einheit relativ zügig. Aber zu welchem Preis?
Millionen von Vertriebenen hatten auf eine Einheit gehofft.
Ich zitiere hier mal (weil es ja hier so viele Fans gibt) Wiki: Zitat:
Als im Zuge der sich anbahnenden deutschen Wiedervereinigung 1990 insbesondere in der Republik Polen die Sorge wuchs, das vereinigte Deutschland könne eine Revision der deutschen Ostgrenzen fordern, verlangten die vier Siegermächte als Voraussetzung für ihre Zustimmung zur Deutschen Einheit die endgültige Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze als rechtmäßige Staatsgrenze zwischen Deutschland und Polen.
Diese Anerkennung wurde im Zwei-plus-Vier-Vertrag verankert und im deutsch-polnischen Grenzvertrag vom 14. November 1990 in einem völkerrechtlichen Vertrag bekräftigt.
Durch diesen am 16. Januar 1992 in Kraft getretenen Vertrag gab die Bundesrepublik Deutschland alle Ansprüche auf die Ostgebiete des Deutschen Reiches auf, die östlich dieser Linie lagen und seitdem auch völkerrechtlich zu Polen gehören.
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11.08.2011, 08:51
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#6 (permalink)
| | Gesperrt Rang: Großkanzler
Registriert seit: 20.06.2011 Ort: Unterm Dach , buchstäblich
Beiträge: 1.085
| Zitat:
Zitat von adwi Und wie glaubst du, wurde die eiserne Lady bestochen?
Fehlt nur noch, dass du schreibst, dass sich die 4 Protagonisten in den Armen lagen 
atsache ist, das es knallharte Verhandlungen und Geplänkel gab.
Und hier scheiden sich die Geister.
Dank Kohn kam die Einheit relativ zügig. Aber zu welchem Preis?
Millionen von Vertriebenen hatten auf eine Einheit gehofft.
Ich zitiere hier mal (weil es ja hier so viele Fans gibt) Wiki:  |
Mir ist nicht ganz klar, worum es Ihnen wirklich geht .
1.) Geht es Ihnen um die Verdienste oder das Versagen von Kohl bei der Vereinigung ?
2.) Geht es Ihnen um die Hintergründe, um Bestechung ? Sie lesen zuviel "Räuberpistole"
3.) Oder geht es Ihnen um eine Anklage, dass Kohl auf die Ihnen so am Herzen liegenden deutschen Ostgebiete freiwillig "verzichtet" hat,
Sie hätten sonst nicht die Karte eingestellt.
Punkt 1 wäre diskutabel
Punkt 2 halte ich für Unsinn, Sie lesen zuviel "Räuberpistole"
Punkt 3 ist undiskutabel, Ihnen da geraten werden sollte: Aufwachen junger Freund, wir schrieben damals 1990 !!.
Und welche Fans ? 80 jährige Greise ? oder 20 Jährige mit kurzem Haarschnitt und weißen Schnürsenkelen unterwärts ? |
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11.08.2011, 09:08
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#7 (permalink)
| | Gesperrt Rang: Großkanzler
Registriert seit: 20.06.2011 Ort: Unterm Dach , buchstäblich
Beiträge: 1.085
| Kohl ein Versager ?
Ich bin sicher kein politischer Fan Helmut Kohls, sein Schweigen zur Schmiergelaffäre eines Bundeskanzlers unwürdig, und seine eigene Einschätzung als Enkel Adenauers doch Defizite erkennen lässt.
Aber geschenkt, Kohl sicher nicht mit Brandt oder Schmidt vergleichbar ist..
Kohl hat aus der sich Ende 1989 ergebenden Situation das beste gemacht, wo schnell gehandelt werden muss, werden Fehler gemacht. auch gab es Anfang 1990 nur ein kleines Zeitfenster, in dem die Vereinigung beider Staaten in Deutschland möglich war.
mein Vorwurf an Kohl ist der, dass eine gut geführte Bundesrepublik besser auf diese Situation hätte vorbereitet sein müssen, es hätte (natürlich geheime) Planspiele geben müssen, wie in einer bestimmten Situation zu handeln ist.
Als sich spätestens Anfang 1989 die Situation abzeichnete, es gehört zum Handwerk von Diplomaten, Entwicklungen abzuschätzen und zu werten, Gorbatschows Perestroika und Glasnost zeigten zweifelfrei, dass bei einer Zuspitzung der innenpolitischen Situation in der DDR die Panzer nicht rollen würden, da hätten diese Planspiele beginnen müssen.
DAS ist Kohl und seinem Apparat anzulasten.
Allerdings ist man hinterher immer klüger.
Geändert von krasnaja (11.08.2011 um 09:10 Uhr).
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11.08.2011, 11:09
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#8 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 31.01.2008 Ort: Ingolstadt
Beiträge: 9.341
| Zitat:
Zitat von krasnaja mein Vorwurf an Kohl ist der, dass eine gut geführte Bundesrepublik besser auf diese Situation hätte vorbereitet sein müssen, es hätte (natürlich geheime) Planspiele geben müssen, wie in einer bestimmten Situation zu handeln ist. (...)
Allerdings ist man hinterher immer klüger. | Eben. Nachdem seit Jahrzehnten eigentlich niemand mehr mit einer Wiedervereinigung rechnete (und das, obwohl man wusste, dass die DDR pleite war - da hätte ja auch noch der "Große Bruder" zustimmen müssen, was bis Kohls Besuch im Kaukasus absolut nicht sicher war), wären solche Planungsspielchen müßig gewesen. Sowas machte vielleicht die CIA, aber niemand in der BRD.
Als dann ersichtlich wurde, dass die SU vielleicht doch zustimmen würde, war der Ball schon voll am laufen und viele reagierten nur noch - wobei die BRD (= Kohl + Genscher) m.E. schon ziemlich früh einen Plan hatte - ich vermute, dass während des "Zeltlagers" in der Prager Botschaft der Plan schon existierte, die Wiedervereinigung zu verwirklichen.
Zuvor wartete man noch ab, wie sich die Sache mit den Montagsdemos weiter entwickeln würde. Es stand ja immer noch im Raum, dass eines montags auf die Demonstranten geschossen wird...
VG
Christian
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11.08.2011, 11:10
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#9 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 31.01.2008 Ort: Ingolstadt
Beiträge: 9.341
| Zitat:
Zitat von adwi Und wie glaubst du, wurde die eiserne Lady bestochen? | Gar nicht. Die wurde von Bush sr. "überzeugt".
VG
Christian
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11.08.2011, 12:32
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#10 (permalink)
| | Gesperrt Rang: Großkanzler
Registriert seit: 20.06.2011 Ort: Unterm Dach , buchstäblich
Beiträge: 1.085
| Zitat:
Zitat von 913Chris Eben. Nachdem seit Jahrzehnten eigentlich niemand mehr mit einer Wiedervereinigung rechnete (und das, obwohl man wusste, dass die DDR pleite war - da hätte ja auch noch der "Große Bruder" zustimmen müssen, was bis Kohls Besuch im Kaukasus absolut nicht sicher war), wären solche Planungsspielchen müßig gewesen. Sowas machte vielleicht die CIA, aber niemand in der BRD.
Als dann ersichtlich wurde, dass die SU vielleicht doch zustimmen würde, war der Ball schon voll am laufen und viele reagierten nur noch - wobei die BRD (= Kohl + Genscher) m.E. schon ziemlich früh einen Plan hatte - ich vermute, dass während des "Zeltlagers" in der Prager Botschaft der Plan schon existierte, die Wiedervereinigung zu verwirklichen.
Zuvor wartete man noch ab, wie sich die Sache mit den Montagsdemos weiter entwickeln würde. Es stand ja immer noch im Raum, dass eines montags auf die Demonstranten geschossen wird...
VG
Christian |
Nun bedeutet der Bankrott eines Staates nicht automatisch seinen politischen Zusammenbruch, insbesondere dann nicht, wenn dieser zum RGW gehörte und strategisch von Wichtigkeit wäre .
Bevor es zum straus´schen Kredit an die DDR kam, hat man dort sicherlich auch in Moskau nachgefragt, ist entweder abgeblitzt oder bewusst in die Richtgung BRD gedrängt worden: versuchts dort, und klärt eure Zukunft mit der BRD, wir halten uns da raus.
Diese Kausalitäten wurden offensichtlich in der BRD nicht erkannt. hätte die UdSSR die DDR halten wollen, hätte es auch Kredit gegeben.
Zum Kaukasus bin ich einer anderen Meinung. Raissa Gorbatschowa soll zu Genscher gesagt haben: "ich hoffe, Sie wissen es zu würdigen und was es bedeutet, was mein Mann Ihnen soeben zugestanden hat"
Die Reise in den Kaukasus war diplomatisch nicht als Urlaubsreise angelegt und das war vorher abgklärt.
Geändert von krasnaja (11.08.2011 um 12:34 Uhr).
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