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  1. #11
    Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
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    Die Adenauerzeit:
    Wir mußten noch eine Aufnahmeprüfung für die weitergehende Schule ablegen.
    Die Klassenstärke war sage und schreibe 54 Kindern pro Jungenklasse. Im ersten Jahr, blieben 10 Jungen sitzen und mußten zurück in die Volksschule. Auch nächstes und übernächstes Jahr ließen sie 10 Jungen sitzen, der Reste wurde mit abgebrochenen Gymnasiasten aufgefüllt.
    Wir hatte einen Nazi als Lehrer, der den Holocaust leugnete, weil ein deutscher Soldat sowas nicht machte, aber sonst gut zu der Klasse war. Einen adligen Geschichtslehrer, den wir "zu Sauhügel" nannten, das Adelsgeschlecht gibt es heute noch in Hessen, der sich damit brüstete einen Teilnehmer der Münchener Räterepublik als Reichswehroffizier, der sich ergeben wollte, zurück in den Keller gestoßen und eine Handgranate hinterher geworfen zu haben. Bei seinen Kriegsschilderungen wunderte mich sowieso, warum wir den Krieg überhaupt verloren hatten?Von unserem Klassenleher, der ein Jahr vor unserem Abschluß versetzt wurde zu einer Mädchenschule erfuhren wir nach 35 Jahren bei einem Treffen der Schüler, dass er homosexuell war. Deshalb war zu erjklären, warum wir über seinen Verbleib in unserer Klasse geheim abstimmen durften, wobei sich mit zwei Stimmen Mehrheit gegen ihn entschideden wurde und uns die anderen Lehrer immer mitleidig ansahen.
    Es war eine tolle Zeit. Das Alte stand im Wettstreit mit dem Neuen.

  2. #12
    Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
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    Auch Österreich profitierte vom Marshallplan und konnte sich rasch wieder wirtschaftlich erholen. Dabei hatten wir noch ein zusätzliches Problem: In der sowjetischen Besatzungszone hatten sich die Sowjets sämtliche Industriebetriebe und Ölvorkommen unter den Nagel gerissen und ließen sie für sowjetische Bedürfnisse produzieren. Nicht nur, dass ein Großteil der Industrie in der sowjetischen Zone lag, das ganze hatte auch noch eine politische Komponente, da die Sowjets natürlich versuchten, ihre Arbeiter auf kommunistisch zu trimmen. Zum Glück hielten SPÖ und Gewerkschaft dagegen und sorgten dafür, dass die Masse der Arbeiter demokratisch gesinnt blieb.
    Nach dem Ende der Besatzungszeit mussten wir den Sowjets unsere eigenen Industriebetriebe abkaufen. Die blieben dann großteils bis in die 90er, teilweise bis jetzt, in staatlicher Hand, mit der typischen Folge, dass Manager mehr nach ihrer politischen Orientierung als nach ihrer Befähigung eingesetzt wurden und somit nicht unbedingt gut gewirtschaftet wurde.

  3. #13
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    Lehrer in der Adenauerzeit

    Zitat Zitat von dieter Beitrag anzeigen
    Wir hatte einen Nazi als Lehrer, der den Holocaust leugnete, weil ein deutscher Soldat sowas nicht machte, aber sonst gut zu der Klasse war. Einen adligen Geschichtslehrer, den wir "zu Sauhügel" nannten, das Adelsgeschlecht gibt es heute noch in Hessen, der sich damit brüstete einen Teilnehmer der Münchener Räterepublik als Reichswehroffizier, der sich ergeben wollte, zurück in den Keller gestoßen und eine Handgranate hinterher geworfen zu haben.
    Ähnlich habe ich die Lehrer in der Adenauerzeit auch erlebt. Viele hatten ein Kriegstrauma, das sollte man nicht vergessen. Die Gewaltschwelle war niedrig, geschlagen wurde täglich. Wir hatten einen Religionslehrer, der eine schwere Macke weg hatte. Er hielt eine Viertelstunde Religion und las dann den Rest der Stunde aus Abenteueromanen vor. Wehe, es flüsterte auch nur jemand, dann bekam er einen Schreikampf und schmiss Gesangbücher und Bibeln quer durchs Klassenzimmer.

  4. #14
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    Lieber Joachim,
    dann ist es bei Dir noch toller zugegangen als bei uns.

  5. #15
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    Och, auch mein Vater erzählt von seinem Volksschullehrer, dass der sich blutige Knöchel beim Zuschlagen geholt habe. Er hat so weit ausgezogen, dass er manchmal hüpfte. Dabei ist er mitunter mit der Hand an der Decke angestoßen...(hab ich, glaub ich, schon mal erzählt).

    Der war aber kein Nazi. Nur ein "normaler" Landvolksschullehrer dieser Zeit (50er Jahre).

    VG
    Christian

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