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15.02.2008, 18:32
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#1 (permalink)
| | Neuer Benutzer Rang: Knappe
Registriert seit: 15.02.2008 Ort: Tübingen
Beiträge: 2
| Unaufhaltsamer Aufstieg des Christentums? Möchte hier eure Meinungen wissen, ob der Aufstieg des Christentums im Römischen Reich und auch später wirklich unaufhaltsam war, oder ob dazu viel Glück vonnöten war?
Hätte also ohne einen Kaiser Konstantin das Christentum nur weiter sein Dasein als Sekte fristen müssen?
Oder gab es so wichtige Aspekte, dass das Christentum Staatsreligion im Römischen Reich werden musste?
Hatten die alten Götter, ja der ganze Polytheismus schon ausgedient?
Etc.
Bin schon gespannt auf eure Meinungen! |
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15.02.2008, 21:24
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#2 (permalink)
| | Neuer Benutzer Rang: Torwächter
Registriert seit: 05.02.2008 Ort: Berlin
Beiträge: 13
| Naja, Kaiser Konstantin hat sich, denke ich, nicht umsonst im Endeffekt auf die Seite der Christen geschlagen, weil es politisch vonnöten war, um seine Herrschaft zu sichern, weil das Christentum um sich griff. Also denke ich, war zumindest von dieser Seite her das Christentum nicht mehr aufzuhalten, also wenigstens zu dem Zeitpunkt, als Konstantin das Christentum zur Staatsreligion machte  |
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15.02.2008, 23:13
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#3 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 31.01.2008 Ort: Ingolstadt
Beiträge: 9.341
| Polytheismus war out. Wenn schon nicht das Christentum, dann hätte eine der anderen Mysterienreligionen wie Isiskult oder Mithraskult die Rolle des Christentums übernommen.
Nur hatte das Christentum den "Vorteil", sich eben auch an die Benachteiligten der Gesellschaft zu wenden. Und die Christen waren sehr geschickt darin, Elemente anderer Religionen zu assimilieren. Erinnert sei nur an die "Schutzmantelmadonna", die auf einer Mondsichel steht. Das ist eigentlich Isis. Zum sich für die Menschen opfernden und wiederauferstandenen Mithras brauch ich glaub ich nix mehr zu sagen...
VG
Christian |
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16.02.2008, 15:25
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#4 (permalink)
| | Neuer Benutzer Rang: Knappe
Registriert seit: 15.02.2008 Ort: Soest
Beiträge: 8
| Doch erzähl mal, finde ich interessant und kenne ich nicht!
Edit: ... Also, dass Du damit Jesus ansprichst denke ich ist klar.  Aber mich interessiert eben Mithras! Davon habe ich noch nichts gehört |
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16.02.2008, 15:53
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#5 (permalink)
| | Neuer Benutzer Rang: Torwächter
Registriert seit: 16.02.2008 Ort: Saarbrücken
Beiträge: 15
| Genau, führ das mal bitte etwas genauer aus! Würde mich auch interessieren.  |
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16.02.2008, 19:47
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#6 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 31.01.2008 Ort: Ingolstadt
Beiträge: 9.341
| Ok, ok, ich mach ja schon...
Aaalso: Mithras ist ein Gott persischer Abstammung. Ursprünglich ein Gott, der über das Recht und die (auch kosmische) Ordnung wachte, gewann in römischer Zeit der Aspekt des Licht- oder Sonnengotts immer mehr Gewicht. Mithras und der altrömische "Sol invictus" vermischten sich, später kamen dann auch noch Aspekte des syrischen Sonnengottes Elagabal dazu. Die Gattin des Caracalla (übrigens auch ein Anwärter auf den Titel "verrücktester Kaiser"...) war eine Elagabal-Priesterin, ihr Großneffe bekam als Kaiser dann sogar den Beinamen Elagabal. Die Kaiser Aurelian und eben Elagabal versuchten, einen Reichsgott Sol invictus bzw. Elagabal einzuführen, aber die Sonnen-Religion war zu syrisch für die guten Römer und verschwand jeweils nach dem Tod des entsprechenden Kaisers in der Versenkung. Einzige Ausnahme: Konstantin. Er war ursprünglich auch Verehrer des Sol invictus, "schwenkte" dann aber zum Christentum rüber. Warum wohl...?
Zurück zu Mithras: Der wurde der Sage nach in einer Höhle geboren, deshalb waren die "Mithräen", die Verehrungs- und Versammlungsorte der Mithras-Anhänger, immer auch Höhlen nachempfunden. Sie lagen oft in Kellerräumen von Privathäusern, auch aus Gründen der Geheimhaltung. (Insofern durchaus dem frühen Christentum vergleichbar).
Die Mithrasreligion war eine Religion, in die man eingeweiht werden musste und von deren Riten Aussenstehende nichts erfahren durften. Mithras wird immer als Stiertöter dargestellt; mit Hilfe dieses Stiers sorgte Mithras für die Erneuerung der Welt (sie entstand aus Blut und Samen des Stiers). Beauftragt dazu wurde Mithras von seinem Vater, der den Sohn in die Welt schickte, um sie eben zu erneuern. Nochmal ein Aspekt, der an das Christentum erinnert.
Verbreitet wurde der Mithras-Kult besonders von den Legionären, die ihn in die entlegensten Provinzen des Reichs trugen.
Mit der Christianisierung des Reichs wurden die Mithräen entweder zerstört oder verfielen, der Kult selbst verschwand.
VG
Christian |
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21.02.2008, 17:37
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#7 (permalink)
| | Benutzer Rang: Kellermeister
Registriert seit: 14.02.2008
Beiträge: 35
| ...Bemerken wir beiläufig die unendliche Wichtigkeit dieser Abschwächung des römischen Imperiums für unser Geistesleben: um Ersatz zu finden für das, was jetzt in der Waffenmacht fehlte, schloss Konstantin das Bündnis mit der großen Föderation der Bischöfe, der christlichen Kirche. Schwerlich oder besser gesagt, niemals hätte der römische Kaiser dies souveräne Macht neben sich zugelassen, wenn er noch in den Legionen die alte Stütze gehabt hätte und die Legionen hätten ihm auch die starke Hand geliehen, diese so selbstbewusste wie selbstständige neue Macht der Kirche zu unterdrücken. Dass die Kirche die Verfolgungen von Decius bis Diocletian siegreich überstand , verdankt sie ihren Märtyrern, nicht weniger aber der Schwäche des Staates, der über seine alte Waffenmacht nicht mehr verfügte...
-Hans Delbrück "Geschichte der Kriegskunst" (Buch 2/1.Kapitel; S. 293-294)
Was soll ich dazu noch sagen... das ist halt auch meine Meinung  |
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21.02.2008, 21:25
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#8 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 31.01.2008 Ort: Ingolstadt
Beiträge: 9.341
| Ich hätte da schon noch was zu sagen.
Delbrück wird ja zumindest in Einzelheiten kritisiert. Für einen ausgewiesenen Militärhistoriker verständlich, konzentriert er sich beim Problem "Warum wählte Konstantin das Christentum" auf die militärische Perspektive.
Dabei übersieht er (zumindest wenn man nach dem vom Zenturio gelieferten Zitat geht), dass Konstantin weniger unter zu wenig Soldaten zu leiden hatte als vielmehr unter den politischen Verhältnissen: Die Schlacht an der Milvischen Brücke war ja Teil eines Krieges zwischen verschiedenen Thronprätendenten. In einem Reich, in dem vier oder mehr Thronanwärter darum streiten, wer denn nun der nächste Alleinherrscher wird, ist es gut, eine Institution zur Seite zu haben, die im ganzen Reich Ansehen geniesst und Einfluss hat.
Im übrigen zeigen die militärischen Erfolge Konstantins gegen Goten und Sarmaten, dass es um die römische Armee nicht soo schlecht gestanden haben kann. Mit der konstantinischen Heeresreform (die im übrigen ebenso wie Konstantins Erfolge im Kampf um den Thron schon auch zeigt, dass die Legionen sehr wohl an der Seite des Kaisers standen) gewann die Armee dann noch an Stärke hinzu.
Vermessen, ich weiss, aber hier muss ich Delbrück ganz klar widersprechen.
VG
Christian |
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10.03.2008, 09:14
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#9 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Haushofmeister
Registriert seit: 22.02.2008 Ort: Straubing
Beiträge: 281
| Ich weiß jetzt nicht genau ob die Frage in diesen Thread gehört aber als das Christentum in Rom nicht mehr aufzuhalten war und zur Staatsreligion erklärt wurde... wie standen die Römer dazu? All die Kaiser die Christen töten ließen und noch an die Götter glaubten damals 100e Jahre zuvor musste doch auf einem Schlag alles Sünder und Heiden gewesen sein... wie standen die Römer dann zu ihrer Vergangneheit nachdem sie Christianisiert wurden???
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"Wir lernen aus Erfahrung, dass die Menscheit nichts aus Erfahrung lernt!"
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18.03.2008, 20:11
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#10 (permalink)
| | Neuer Benutzer Rang: Torwächter
Registriert seit: 25.02.2008 Ort: Aschaffenburg
Beiträge: 13
| Zitat:
Zitat von Hügl ... wie standen die Römer dann zu ihrer Vergangneheit nachdem sie Christianisiert wurden??? | Eine gute und sehr berechtigte Frage!
Man muss aber bedenken, dass es ja auch nach Konstantin noch eine ganze Weile gedauert hat, bis alle Römer wirklich überzeugte Christen waren. Schließlich gab es auch noch u.a. einen Julian, der ja bekanntermaßen den christl Glauben offiziell wieder abschaffen ließ
In ihrer Spätphase hatten die Römer - im mindesten die Weströmer - glaube ich auch andere Probleme als sich um das Andenken ihrer alten Kaiser sorgen zu machen  Naja, und das viele der "Christenverfolger" bis heute nicht gerade den besten Ruf haben, dürfte klar sein - Nero ist hier das beste Beispiel! |
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