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Thema: Die Bibel

  1. #1
    Neuer Benutzer Rang: Kellermeister
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    Die Bibel

    Hallo zusammen,

    angeregt durch eine andere Diskussion ein paar Fragen:
    Was ist für Euch die Bibel, hat sie einen besonderen Stellenwert? Sind die Geschichten alle Wort für Wort als Wahrheit anzusehen, von der siebentägigen Schöpfungsgeschichte bis zur Apokalypse, oder gibt es auch Bereiche, die im übertragenden Sinne verstanden werden müssen? Ist der rächende Gott aus dem AT mit dem liebenden, opfernden Gott des NT zu vereinen? Was ist von Historikern zu halten, die auch auf - ausgewählte - Texte der Bibel als historische Quelle zurückgreifen?

    Ich bin gespannt!
    Imhotep

  2. #2
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    Servus!
    Persönliche Frage - persönliche Antwort:
    Die Bibel besteht in den meisten Teilen aus mehrschichtigen Erzählungen und Geschichten: sie sind zum Teil aus dem historischen Kontext zu verstehen (und dadurch historische Quellen), zum Teil als religiöse Literatur (die jeweiligen Autoren hatten immer auch einen theologischen Grund, diese Geschichten genau so zu schreiben, wie sie eben geschrieben sind), und zum Teil eben auch
    als Weitergabe tradierten Wissens (hierin überschneidet sich diese Ebene mit der historische Ebene).
    Insofern MUSS jeder, der die Bibel von Anfang bis Ende wörtlich nimmt und sie so ausschließlich aus modernem Verständnis heraus verstehen will, die Bibel missverstehen!

    Und auch der Gott des AT ist ein liebender Gott, man muss die Geschichten nur richtig lesen (und aus der Zeit heraus, in der die Geschichten geschrieben wurden). Der Auftrag an Saul, nur als Beispiel, die gefangenen Amoriter und ihr gesamtes Hab und Gut inklusive Vieh, Frauen und Kinder, zu töten, klnigt erst mal furchtbar grausam und nach Massaker. Doch die Geschichte wurde in Babylon geschrieben, mehr als 500 Jahre nach dem tatsächlichen Geschehen (wenn es denn einen reale Hintergrund gab!). Die Juden in der Babylonischen Gefangenschaft verstanden die Geschichte nicht als wörtlich, sondern im übertragenen Sinn (dieses Denken haben uns Europäer die Humanisten und Aufklärer ausgetrieben): Die Amoriter waren von Gott in Sauls Hand gegeben ("du wirst sie besiegen"), also gehörten sie auch Gott. Indem Saul eigenständig beschloss, das Vieh zu behalten, handelte er zwar vernünftig (warum was umbringen, was uns noch von Nutzen sein kann?), aber er tastete damit Gottes Eigentum an!
    Das führt ins Verderben, so die Botschaft des Autors. Gott strafte aber nur Saul, nicht das Volk Israel. Dem schickte er in Gestalt Davids einen neuen Führer...
    Im NT gibt es eine ähnliche Geschichte: Gefragt, ob es rechtens ist, dass Juden Steuern an den Kaiser zahlen, antwortete Jesus: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!" Andere Geschichte, gleiche Botschaft! Übersetzt: die Juden/Christen können sehr wohl Abstriche machen gegenüber ihren Geboten, aber dabei den Sinn der Gebote nicht vergessen udn wegen der Abstriche auch nicht gleich das ganze Gebot über Bord werfen. (auch diese Geschichte wurde wahrscheinlich vom Evangelisten erfunden, weil es in seiner Gemeinde ähnliche Fragen gab).

    VG
    Christian

  3. #3
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    Die Bücher der Bibel müssen natürlich immer im jeweiligen Kontext betrachtet werden. Da stimme ich zu. Als gläubiger Christ der ich nun mal bin komme ich jedoch nicht um einen elementar-wichtigen Punkt herum. Geschrieben wurde die Bibel von Menschen. Das ist ja kein Geheimnis.
    Es darf m.E. aber nicht von der Tatsache ablenken das die jeweiligen "Autoren" von Gott inspiriert waren als sie ihre Geschichten aufschrieben. Diese "Göttliche Inspiration" ist darum von so grosser Bedeutung weil das Buch sonst einfach nur eine gute Geschichte wäre und sonst nichts.
    Wobei es schon auch "Geschichten" gibt, die dann aber auch so zusammengefasst sind.
    Der Koran, um ein aktuelles Beispiel zu nennen, wurde Mohammed von Allah persönlich diktiert. Das zumindest glauben die Moslems.
    Die Bibel hingegen ist eine Sammlung von über 70 Büchern die einen Zeitraum von mehreren tausend Jahren umfassen. Das Buch "Genesis" z.B. wird auf das Jahr 3700 v.Chr. datiert. Die "Offenbarung" ca. 100 n.Chr. Da kann man gar nicht anders als jedes einzelne gesondert zu betrachten.
    Um es kurz zu machen.
    Für mich persönlich ist die Bibel ein wunderbares Buch, aufgeschrieben von Menschen, inspiriert von Gott.
    Bezüglich Wichtigkeit kann ich sagen, dass ich als Katholik nicht den gleichen Schwerpunkt setze wie ein evang. Christ. Aber ich lese immer wieder gerne darin.
    MfG Savonarola

  4. #4
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    wenn du

    wenn du katholisch bist...kannst du diese aussage über die bibel doch nur schwer übers herz bringen ..oder?

  5. #5
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    Zitat Zitat von Mossad85 Beitrag anzeigen
    wenn du katholisch bist...kannst du diese aussage über die bibel doch nur schwer übers herz bringen ..oder?

    Welche Aussage? Und warum?

  6. #6
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    Bin zwar Christ und Glaube noch ein bisschen an Gott aber die Bibel hat bei mir keinen großen Stellenwert. Die meisten Geschichten hören sich doch arg an den Haaren herbeigezogen an. Sicherlich sollen uns einige Erzählungen einfach zu guten Menschen ziehen und und lehren die Mitmenschen zu respektieren und zu achten doch was da wortwörtlich drinsteht zweifle ich doch stark (und warscheinlich auch zurecht) an...zumal alles ewigst lange nach den Ereignissen nieder geschrieben wurde

  7. #7
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    Servus!
    Zitat Zitat von Hügl Beitrag anzeigen
    Die meisten Geschichten hören sich doch arg an den Haaren herbeigezogen an.
    Ich hab mich mittlerweile (unter fachlicher Anleitung) mit vielen Geschichten der Bibel beschäftigt - pro Geschichte ein Wochenende, und das jetzt seit Jahren mindestens einmal jährlich. Kam schon so einiges zusammen.
    Und bei JEDER Geschichte, ob nun AT oder NT, haben sich zwei Dinge herausgestellt: IMMER handelte es sich um wirklich großartige Literatur, und IMMER kam dabei heraus, dass es sich bei dem dargestellten Gott um einen liebenden Gott handelte - also nix mit Unterschied AT-NT und hie strafender Gott hie liebender Gott!

    Ich muss sogar sagen: Durch die Beschäftigung mit biblischen Erzählungen hab ich eigentlich erst meinen Glauben so richtig gefunden. Ist wirklich inspirierend, so eine Geschichte mal auf JEDES EINZELNE WORT hin abzuklopfen, nach dem Motto: Was will uns der Autor hier sagen?!

    VG
    Christian

  8. #8
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    Interessant

    Hallo Chris913,
    erbitte ein kleines Beispiel, wie jedes Wort abgeklopft eine Bedeutung hat.
    lG

  9. #9
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    Servus!
    Das wird jetz aber a bissl theologisch...
    Beispiel: Die Elija-Geschichte (1Kön19).
    In Vers 2 bedroht Königin Isebel - eine Verehrerin des Baal - den Propheten, weil er die Baalspriester umgebracht hat. Elija flüchtet, "um sein Leben zu retten". Er hat Angst = sein Gottvertrauen hat gelitten, er hat ein schlechtes Gewissen usw.

    Er wandert eine Tagesreise (= so lange es Tag war, also Licht gab: Licht als Zeichen für Gott; als es dunkel wurde, machte er Halt = als er glaubte, ohne Gott zu sein) in die Wüste hinein (Wüste = Menschenferne, aber auch Gottesnähe - Jahwe war ursprünglich ein Sturmgott der Völker der Wüste Juda und am Toten Meer!). Dort setzt er sich unter einen Ginsterstrauch (= Zeichen des Lebens in der Wüste; Ginstersträucher sind Wasseranzeiger!).
    Er betet: "Nun ist es genug!. DU, nimm mein Leben." Das ist ein klassisches "letztes Gebet". Aussage: Das ganze Leben ist eine Vorbereitung auf das Sterben (nicht auf den Tod!). Wer mit solchen Worten sterben kann, der hat nicht umsonst gelebt.
    Als er einschläft, weckt ihn ein Engel mit den Worten: "Steh auf und iss!". Aussage: 1. Gott hat noch was mit Elija vor, 2. Gott lässt ihn nicht allein, 3. Gott sorgt für ihn.
    Elija findet ein Brot, das in glühender Asche gebacken ist ("Feuer"), das Ganze wiederholt sich noch mal. Aussage: Elija denkt beim ersten Mal, Gott wolle ihn nur trösten, erst beim zweiten Mal wird ihm klar, da kommt noch was.
    Anschließend wandert er 40 Tage und 40 Nächte (= in allen Lebenslagen, bei Licht und Dunkelhet) bis zum Gottesberg Horeb (= auf den Sinai, dort, wo Mose das Wort und die Gebote Gottes empfangen hat). Diese Zeit ist eine Reifungszeit für Elija (40 = Anzahl der Jahre für eine Generation, in einem 40er-Zeitraum wird immer Gottes Wirken angebahnt, ausserdem ist 40 = 10x4, d.h. 4 = Zahl der Himmelsrichtungen = "die ganze Welt", 10 = Zahl der Gebote).
    Am Horeb "ergeht Gottes Wort an ihn", d.h. Gott ist Elijas Weg mitgegangen!
    Gott fragt Elija: "was willst du hier?" Wir erinnern uns: Gott hat Elija nicht zum Horeb geschickt! Elija ist ganz einfach hierher gewandert.
    Elija beschwert sich: Was hat er nicht alles für Gott getan, und jetzt muss er in Angst leben. Darauf sagt Gott: "Komm heraus, stell dich hin auf den Berg vor mein Angesicht!" Aussage: Elija soll mit Gott von Angesicht zu Angesicht reden, gleichberechtigt, nicht unterwürfig.
    "Dann zog ER vorüber"( Vers 11-12): Ein gewaltiger Sturm, ein Erdbeben und ein Feuer (= Zeichen von Baal) ziehen vorüber, "aber Gott war nicht im Sturm/im Erdbeben/im Feuer". Aussage: Gott ist nicht Teil dieser Welt von Baal, wo Götter nur geben, wenn sie was bekommen haben, und in der Götter wie Könige herrschen.
    "Nach dem Feuer kam eine Stimme verschwebenden Schweigens". (Wenn das keine hohe Literatur ist!!) Das war Gott.
    Elija verhüllt sein Gesicht mit dem Mantel (= Glaube).
    Jetzt, wo geklärt ist, wie Gott ist, fragt Gott noch einmal: "Was willst du hier?" Wieder beschwert sich Elija. Noch hat er nicht kapiert, dass sich sein Eifer nicht mit der "Stimme verschwebenden Schweigens" verträgt!

    Gott gibt ihm einen Auftrag: Er soll nach Damaskus gehen, und dort einen neuen König von Aram salben (zu dieser Zeit war das aramäische Kgr. Damaskus das mächtigste Reich zwischen Mesopotamien und Ägypten), und Elischa als seinen Nachfolger erwählen. Aussage: Keine Angst, bin ja da und sorge für alles! Ich bin mächtiger als Isebel (Anzeichen: Der mächtigere König von Aram ist mein Geschöpf), und ich sorge auch dafür, dass nach dir nicht alles aus ist.
    In Israel, verspricht Gott, wird trotz der Herrschaft Isebels (= Baals) ebenfalls nicht alles zugrunde gerichtet, was du in meinem Namen aufgebaut hast, da werde ich 7000 übrig lassen, die mir gegen Baal treu geblieben sind. (7000 = 7, die Zahl der Fülle, mal 1000, die Zahl für "genügend", "reichlich").
    "Da verließ Elija den Ort und kehrte nach Israel zurück". Er weiß jetzt, dass Jahwe ihn noch braucht.

    Das alles haben wir an einem ganzen Tag meditiert und ausklamüsert, unter Anleitung eines Pfarrers, der vor 20 Jahren mal bei uns im Ort Pfarrer war und Anhänger der historisch-kritischen Exegese ist. Die Übersetzung, die wir verwendeten, war übrigens nicht die Einheitsübersetzung, sondern die des jüdischen Philiosophen Martin Buber - die ist näher am hebräischen Urtext und sprachlich besser. Leider hat der nur einige Bücher des AT übersetzt...

    VG
    Christian

  10. #10
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    Viele Evangelien zur Auswahl

    "Die genaue Entstehung der Evangelien ist bis heute eines der am stärksten umstrittenen Ereignisse der frühen christlichen Geschichte. Wie kommt es, daß es vier Evangelien gibt, vier etwas unterschiedliche Berichte mit eigenen Schwerpunkten, eigenen Aussagen, unterschiedlichen Versionen der Ereignisse?" So steht die Frage bei
    www.evangelium.de: Die Evangelien 30-100 n.Chr.

    Ausserdem gab es in der Frühzeit des Christentums eine Vielzahl anderer Evangelien als die heutigen vier geltenden, die von der Kirche allerdings ausgesondert wurden und deren Gebrauch in den Gemeinden verboten wurde. Nur ein Beispiel ist das Thomas-Evangelium, sogar ein Evangelium der Maria. Siehe mehr unter
    Apokryphen – Wikipedia

    Vor diesem Hintergrund kann ich nicht alles wörtlich nehmen, weil es selektiert ist - böswillig könnte man zensiert sagen. Aber das macht nichts. Auf die Botschaft hinter den Worten kommt es an, und die ist heute wie damals positiv. Schließlich gibt es auch Fassungen in den verschiedenen Sprachen, die nicht identisch sein können ...

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