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Der Flug des Adlers - Napoleons Aufstieg von Korporal zum Konsul

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Tags: frauen, priester

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Alt 26.08.2009, 23:07   #11 (permalink)
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Ich muss gleich vorwegschicken, dass ich bisher das Thema "Hexenverfolgung" nicht näher untersucht habe- ich habe zwar das eine oder andere gelesen, aber nicht immer kritisch hinterfragt.

Ihr sagt jetzt, daß die Kirche nicht die treibende Kraft hinter den Hexenverfolgungen im Mittelalter war, sondern daß die Hexenverfolgung vom (niederen) Volk ausging.
Okay, die Kirche als Institution hat also die Hexenverfolgungen nicht angeordnet, sondern sie sogar verurteilt.
Wie sieht es aber aus mit Priestern niedrigerer Ränge? War nicht deren fanatisches, intolerantes Bild vom wahren Glauben ein ebenso wichtiger Faktor wie der Aberglaube des Volkes? Die Priester kleinerer Dörfer haben solche Hexenverfolgungen nicht verhindert- zum teil, weil sie sie selbst vorangetrieben haben, zum teil aber auch, weil sie die Konkurrenz ganz gerne losgeworden sind.

Oder ist dieses häufig anzutreffende Schema lediglich eine Erfindung moderner Historiker oder Schriftsteller?
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Alt 26.08.2009, 23:36   #12 (permalink)
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Das lässt sich schwer sagen, schließlich haben wir kaum Quellen über das Verhalten der kleinen Priester. Wir wissen nur, dass die Kirchenführung bis ins späte 15. Jhdt. Hexenverfolgungen abgelehnt hat. Einzelne Ausreißer gab es freilich immer schon, wie die Mitwirkung eines Bischofs am Prozess gegen Jeanne d'Arc zeigte. Wendepunkt war die "Hexenbulle" von Papst Innozenz VIII. 1484, mit der die Möglichkeit der Existenz von Hexen akzeptiert wurde. Einen Aufruf, Hexenverfolgungen durchzuführen, gab es von Seiten der katholischen Kirche aber nie.
Aber wie gesagt: Wie sich die kleinen Priester verhielten, ist schwer zu sagen. Es ist wohl schon zu befürchten, dass sie dem Aberglauben des Volkes eher zugänglich waren als die Kirchenführung.
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Alt 26.08.2009, 23:43   #13 (permalink)
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Und ich nehme nicht an, daß man von der Kirche zur damaligen zeit eine derartig straffe Fürhung erwarten konnte, daß sie die kleinen Fanatiker an die Leine legen konnten... Die war vermutlich noch damit beschäftigt, sich zu organisieren...
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Alt 26.08.2009, 23:51   #14 (permalink)
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Servus!
Man kann bei dem Thema nicht pauschalisieren. Es wird nicht "die Kirche", die die Hexen verbrannte, genauso wenig war es aber auch NICHT "die Kirche".

Manchmal stand der Dorfpfarrer dahinter, manchmal kämpfte er dafür, dass der Unsinn aufhörte. Dito die Bischöfe. Dito die Inquisitoren. Dito die übrige Geistlichkeit wie z.B. Mönche.

Sehr oft war es aber auch die weltliche Macht in Form von Bürgermeistern, Richtern, einzelnen Ratsherren etc.p.p., die auf die Auffindung aller Hexen drängte, oder man reagierte auf Anklagen aus der Bevölkerung.
Oft kam es aber auch vor, dass die weltliche Macht sich einem Hexenprozess wegen offenkundiger Unsinnigkeit der Anklage versperrte.

Eine Zeitlang waren die Hexenfanatiker in Kirche und Welt in der Überzahl, dann setzten sich aber die aufgeklärten Kräfte durch, wodurch der Hexenwahn zum Erliegen kam.
Aber z.B. in Ingolstadt wurde während der Belagerung durch die Österreicher noch Anfang des 18.Jhs. eine Hexe angeklagt und verbrannt, und südlich von Ingolstadt, im Gerichtsort Reichertshofen, kam es noch knapp 50 Jahre später zu einem Hexenprozess (gegen einen 15jährigen Studenten aus den Niederlanden, der aber wieder freikam). In Zeiten der Not kam der alte Aberglaube in der Bevölkerung immer wieder durch...

VG
Christian
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Alt 26.08.2009, 23:52   #15 (permalink)
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Organisiert war sie gut, aber was der kleine Pfarrer irgendwo machte, war im Einzelnen wohl nur schwer feststellbar.
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Alt 27.08.2009, 08:30   #16 (permalink)
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Nein, das wäre vermutlich zuviel verlangt, aber es gibt eben Leute, die dann bestimmt so argumentieren, daß die Kirche als Institution dafür verantwortlich ist, was ihre Priester tun.

Allerdings könnte ich mir vorstellen, daß höhere kirchliche Würdenträger im Mittelalter vielleicht nicht ganz so leicht erfuhren, welcher kleine Priester welchen Unsinn anstellte wie das heute der Fall ist.

Und daß in der Literatur fast immer der Dorfpriester hinter der Hexenverfolgung steckt, ist doch sehr dem Umstand geschuldet, daß es heute einfach sehr populär ist, der Kirche an vielem, um nicht zu sagen, allem die Schuld zu geben.

Ich neige allerdings aus einem ganz anderen Grund dazu, die Kirche doch ein Stück weit für die Hexenverfolgung mitverantwortlich zu machen. Wenn noch so viel Aberglaube im Volk übrig blieb, zeigt das nur, daß die Kirche es nicht verstanden hat, alle Fragen der einfachen Leute zu beantworten. Ich denke nicht, daß das nur die Überreste des alten Germanisch- Heidnischen Glaubens war- auch die Psychologie kennt das "magische Denken", das in der frühen Kindheit völlig normal ist und dem man mit Vernunft begegnen muß, damit es aufhört. Ansonsten bleiben Reste davon erhalten und man fängt an zu glauben, daß man sein Handballspiel nur gewinnt, wenn man verschiedene Socjen anhat...
Die Kirchenoberen waren gebildet genug, um erkennen zu können, daß sie es mit Aberglauben zu tun hatten- das einfache Volk war es nicht. Wie kleine Kinder vermuteten die Bauern Zusammenhänge, wo es keine gab, wenn sie einfach keine Erklärung hatten. Und die Erklärung "Das war Gottes Wille" hat nicht immer alle zufriedengestellt...
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Alt 27.08.2009, 13:20   #17 (permalink)
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Grundsätzlich hast Du ja sicher recht - aber was soll man da machen? Aberglaube lässt sich nicht so einfach aus der Welt schaffen, da kann man predigen, verdammen und mit Höllenqualen drohen so viel man will.
Gerade heute erleben Aberglauben und alle Spielarten der Esoterik, u. a. auch Hexerei, ein massives Comeback. Ich bin selber mit einer normalerweise sehr intelligenten Frau, die Magie betreibt, befreundet. Sieh' Dir nur einmal an, was es im Internet für Foren und sonstige Seiten dazu gibt! Und das in unserer aufgeklärten, rationalen Zeit! Da kann man so einem Bäuerlein im Mittelalter keinen Vorwurf machen, wenn er an den bösen Blick und Schadenszauber glaubte - und seine Nachbarin dessen verdächtigte. (Das soll jetzt aber keine Entschuldigung sein! Außerdem erfolgten die meisten Denunziationen wohl eher aus persönlichen Motiven wie Neid, Nachbarschaftsstreitigkeiten etc.)
Gegen unsere Esoterik sind unsere Schulen auch machtlos, da kann man von der Kirche keine Wunder erwarten. Mehr als dagegen anpredigen konnte sie nicht.
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Geändert von Scifi (27.08.2009 um 15:04 Uhr).
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Alt 27.08.2009, 15:09   #18 (permalink)
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Es geht ja dabei nicht um predigen. Vielleicht bin ich ein bißchen naiv, aber ich bin immer noch der Meinung, daß Bildung am wirksamsten gegen Aberglaube und Intoleranz wirkt. Ein bauer, der weiß, daß ein Blitz, der in eine Wiese einschlägt, durchaus seine drei Kühe töten kann, muss nicht nach der buckligen Frau suchen, die am Vortag vorbeigekommen ist und sie verflucht hat.
Die Bildungshoheit im Mittelalter lag nun mal bei der Kirche.

Daß es mit unserem Bildungsystem nicht allzuweit her sein kann bei dem Unsinn, der heute noch so geglaubt wird, steht auf einem anderen Blatt. Heute glauben wir nicht mehr an Hexen, dafür aber, daß jeder Moslem ein potentieller Terrorist ist. Oder, daß Elvis noch lebt. (Mittleriweile immer noch?)

Was die Esoterik angeht, bin ich zwiegespalten. Was genau verstehst du unter "Esoterik"? Es gibt sicher Dinge, die ich für Humbug halte (Seelenwanderung z.B.. Das fange ich erst an zu glauben, wenn tatsächlich mal jemand davon überzeugt ist, in seinem früheren Leben ein Sklave gewesen zu sein.) Es gibt aber auch Leute, die Homöopathie zur Esoterik zählen- und daß die wirkt, habe ich selbst schon erlebt. Also da müßte man schon differenzieren. Und nicht alles, was die Dinge anders erklärt als die Kirche ist deswegen Humbug. Sondern schlicht und einfach anderer Glaube. Aber wie gesagt, bevor ich darüber streite, frage ich lieber erst mal, was mit "Esoterik" überhaupt gemeint ist. Das ist immer ein Stückweit definitionssache. (Ganz egal, was bei Wikipedia steht...)
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Alt 27.08.2009, 16:20   #19 (permalink)
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Zitat:
Zitat von Rohana Beitrag anzeigen
Es geht ja dabei nicht um predigen. Vielleicht bin ich ein bißchen naiv, aber ich bin immer noch der Meinung, daß Bildung am wirksamsten gegen Aberglaube und Intoleranz wirkt. Ein bauer, der weiß, daß ein Blitz, der in eine Wiese einschlägt, durchaus seine drei Kühe töten kann, muss nicht nach der buckligen Frau suchen, die am Vortag vorbeigekommen ist und sie verflucht hat.
Die Bildungshoheit im Mittelalter lag nun mal bei der Kirche.
Nur war es damals mit der Bildung generell nicht weit her. Man hatte z. B. keine Ahnung, wodurch Pest ausgelöst wird. Z. B. vermutete man die Ursache in schädlichen Ausdünstungen des Bodens. Da erschienen brunnenvergiftende Juden natürlich auch plausibel.

Zitat:
Zitat von Rohana Beitrag anzeigen
Was die Esoterik angeht, bin ich zwiegespalten. Was genau verstehst du unter "Esoterik"? Es gibt sicher Dinge, die ich für Humbug halte (Seelenwanderung z.B.. Das fange ich erst an zu glauben, wenn tatsächlich mal jemand davon überzeugt ist, in seinem früheren Leben ein Sklave gewesen zu sein.) Es gibt aber auch Leute, die Homöopathie zur Esoterik zählen- und daß die wirkt, habe ich selbst schon erlebt. Also da müßte man schon differenzieren.
Ja, so differenziere ich auch. Für mich gehören zur Esoterik Seelenwanderung, Hexerei, Astrologie, außerkörperliche Erfahrungen , Astralreisen etc.
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Alt 28.08.2009, 08:16   #20 (permalink)
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Ich sehe schon, da sind wir weitestgehend einer Meinung, wobei ich zur Astrologie wieder eine etwas differenziertere Meinung habe. Ich glaube nicht an Tageshoroskope, aber was die Charakterisierung nach dem sternzeichen angeht- nun, die alten Astrologen könnten vielleicht das richtige beobachtet haben, es aber den Sternen zugeschrieben haben.

Aber Astrologie war, wenn ich mich recht entsinne, im Mittelalter eine der wenigen "ernsthaften" Wissenschaften.
Du hast natürlich recht. Mit der Bildung im Mittelalter war es nicht weit her- was aber vielleicht auch an der Kirche lag. Die Kirche hat ja gerne alles, was im Widerspruch zur festgelegten Bibel stand, als Ketzerei verflucht, und wenn ich richtig informiert bin, wurde altgriechische Erkenntnisse (die auch nicht immer richtig waren) von vielen Kirchengelehrten des Mittelalters abgelehnt oder als Ketzerei verflucht, weil sie mit dem sehr eng gefaßten Weltbild der Kirche nicht übereinstimmten. Im Prinzip ist man von Erkenntnissen, die schon da waren, abgerückt, weil sie nicht mit der Religion vereinbar waren.
Und diese geistige Haltung war m.E. auch mit verantwortlich dafür, daß es immer wieder zu Hexenverbrennungen kam. Alles, was nicht in der Bibel stand, war böse... Alles, was die Bibel nicht erklärte, mußte des teufels sein. Hohe Würdenträger wußten, daß es nicht so einfach war. Aber das einfache Volk natürlich nicht.
Zumindest ist das ein Stück weit mein Eindruck... (Der aber durchaus falsch sein kann)
Rohana ist offline  
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