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28.08.2009, 12:57
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#21 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 29.06.2008
Beiträge: 20.000
| Zitat:
Zitat von Rohana Ich glaube nicht an Tageshoroskope, aber was die Charakterisierung nach dem sternzeichen angeht- nun, die alten Astrologen könnten vielleicht das richtige beobachtet haben, es aber den Sternen zugeschrieben haben. | Ich habe mit meinem Sternzeichen Zwilling nur sehr wenig gemein. Aber dazu haben wir einen eigenen Thread: http://www.g-geschichte.de/forum/all...rnzeichen.html (Sternzeichen) Zitat:
Zitat von Rohana Aber Astrologie war, wenn ich mich recht entsinne, im Mittelalter eine der wenigen "ernsthaften" Wissenschaften. | Sagen wir so: Man hat noch nicht zwischen Astronomie und Astrologie differenziert. Zitat:
Zitat von Rohana Mit der Bildung im Mittelalter war es nicht weit her- was aber vielleicht auch an der Kirche lag. Die Kirche hat ja gerne alles, was im Widerspruch zur festgelegten Bibel stand, als Ketzerei verflucht, und wenn ich richtig informiert bin, wurde altgriechische Erkenntnisse (die auch nicht immer richtig waren) von vielen Kirchengelehrten des Mittelalters abgelehnt oder als Ketzerei verflucht, weil sie mit dem sehr eng gefaßten Weltbild der Kirche nicht übereinstimmten. Im Prinzip ist man von Erkenntnissen, die schon da waren, abgerückt, weil sie nicht mit der Religion vereinbar waren. | Ganz so war das nicht: Insbesondere Aristoteles wurde auch im Mittelalter fleißig gelesen und rezipiert. Das Weltbild war auch im Mitttelalter von Claudius Ptolemaeus mit seinem komplizierten Sphärenmodell geprägt, wie es seit der Antike "Stand der Wissenschaft" war. Falls Du auf die unausrottbare Behauptung anspielst, im Mittelalter habe man die Erde für eine Scheibe gehalten und die Kirche sei daran schuld: Das ist eine Erfindung der Wissenschaftsgeschichtsschreibung des 19. Jhdts. Im Mittelalter hielt man die Erde im Einklang mit Ptolemaeus für den Mittelpunkt des Universums, aber dass sie eine Kugel ist, wusste man sehr wohl. Aber auch die mittelalterliche Medizinkunst war noch von der Vier-Säfte-Lehre der Antike geprägt.
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28.08.2009, 13:25
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#22 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Durchlaucht
Registriert seit: 09.06.2009
Beiträge: 2.969
| Und ich dachte immer, die hätten nur den Aderlass gekannt...
Okay, wieder auf einen schlecht recherchierten Roman reingefallen. So etwas ärgert mich dann immer wahnsinnig. Ich könnte eine Schweinekohle verdienen mit dem Schreiben historischer Romane... wenn ich nicht von der Idee besessen wäre, daß das, was ich dann von mir geben würde, auch stimmen müßte.
Andere halten sich auch nicht dran. Daß Wilhelm der Eroberer in London mit Kartoffeln beworfen wurde, fand ich schon grob unverschämt, aber wenigstens wußte ich, daß es falsch ist. Letztendlich kann man nicht jedes Detail überprüfen- dann käme ich gar nicht mehr zum Lesen.
Oder rege ich mich umsonst auf- und die Aussage stimmt wenigstens in Teilen? |
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28.08.2009, 13:35
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#23 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 29.06.2008
Beiträge: 20.000
| Welche Aussage? Mit Kartoffeln wurde er sicher nicht beworfen - auch nicht mit faulen Tomaten ... 
Der Aderlass hat durchaus mit der Viersäftelehre zu tun, da er dazu dienen sollte, das Gleichgewicht der vier Körpersäfte (Blut, Schleim, weiße Galle, gelbe Galle) wiederherzustellen, denn im Ungleichgewicht sah man die Ursache für die meisten Krankheiten.
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28.08.2009, 13:44
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#24 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Durchlaucht
Registriert seit: 09.06.2009
Beiträge: 2.969
| Dann hat sich ja bis heute nicht viel geändert. Zumindest ist das die Grundlage der meisten alternativen Behandlungsmethoden... (nicht die vier Säfte, sondern das mit dem Ungleichgewicht als Ursache für Krankheiten)... Strenggenommen könnte man auch die Eigentbluttherapie als neuen Aderlaß ansehen... naja, theoretisch...
Andererseits- für manche ist das Hexerei  |
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28.08.2009, 13:58
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#25 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 03.10.2008
Beiträge: 6.415
| Zitat:
Zitat von Scifi Grundsätzlich hast Du ja sicher recht - aber was soll man da machen? Aberglaube lässt sich nicht so einfach aus der Welt schaffen, da kann man predigen, verdammen und mit Höllenqualen drohen so viel man will.
Gerade heute erleben Aberglauben und alle Spielarten der Esoterik, u. a. auch Hexerei, ein massives Comeback. Ich bin selber mit einer normalerweise sehr intelligenten Frau, die Magie betreibt, befreundet. Sieh' Dir nur einmal an, was es im Internet für Foren und sonstige Seiten dazu gibt! Und das in unserer aufgeklärten, rationalen Zeit! Da kann man so einem Bäuerlein im Mittelalter keinen Vorwurf machen, wenn er an den bösen Blick und Schadenszauber glaubte - und seine Nachbarin dessen verdächtigte. (Das soll jetzt aber keine Entschuldigung sein! Außerdem erfolgten die meisten Denunziationen wohl eher aus persönlichen Motiven wie Neid, Nachbarschaftsstreitigkeiten etc.)
Gegen unsere Esoterik sind unsere Schulen auch machtlos, da kann man von der Kirche keine Wunder erwarten. Mehr als dagegen anpredigen konnte sie nicht. | Willst Du uns eigentlich verarschen, oder wie sieht das aus?
Eine religiöse Institution mit eigener Gerichtsbarkeit, dem Monopol auf Wissenschaft und Ressourcen, auf verschiedensten Ebenen organisiert, in der Lage, Kreuzzüge, Inquisition, Bauwerke, und warum nicht: auch Wissenschaft nicht nur anzustossen, sondern grossflächig zu organisieren und durchzusetzen,
kann nichts anderes gegen Hexenprozesse unternehmen, als dagegen anzupredigen.
Ist ja süss; mir kommen gleich die Tränen.
LG |
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28.08.2009, 14:11
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#26 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 31.01.2008 Ort: Ingolstadt
Beiträge: 8.919
| Servus! Zitat:
Zitat von RedScorpion Willst Du uns eigentlich verarschen, oder wie sieht das aus? | Ich denke mal, dass hier niemand jemand verarschen will. Zitat:
Zitat von RedScorpion Eine religiöse Institution mit eigener Gerichtsbarkeit, dem Monopol auf Wissenschaft und Ressourcen (...)kann nichts anderes gegen Hexenprozesse unternehmen, als dagegen anzupredigen.
Ist ja süss; mir kommen gleich die Tränen. | Tatsache ist, dass die Kirche lange hingearbeitet hat, dass der Aberglaube der als heidnisch empfunden wurde - aus den Köpfen der einfachen Landbevölkerung verschwunden war. Das schaffte allerdings erst die Aufklärung, nicht die Kirche per se.
Eine Erklärung dürfte sein, dass viele Landpfarrer, die ja als einzige direkten "Zugang" zu den Köpfen der Bauern hatten, selber diesem Aberglauben anhingen - sie stammten oft aus eben dieser Bauernschaft und waren mit dem Aberglauben aufgewachsen.
Dass die Kirche teilweise bei der Hexenhysterie mitmachte, dürfte genau darin ihren Grund haben.
VG
Christian |
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28.08.2009, 22:29
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#27 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Durchlaucht
Registriert seit: 09.06.2009
Beiträge: 2.969
| Ich glaube nicht, daß der Aberglaube wirklich aus den Köpfen der leute verschwunden ist- bis heute. Schwarze Katzen von links, Schornsteinfeger, Freitag der 13. etc.
Und die Ursache für Aberglauben ist nach wie vor, daß es kein Konzept gibt, was den Menschen alle Fragen beantwortet. Egal ob man an Gott glaubt oder nur an die Wissenschaft- beantworten lassen sich die Fragen immer nur zum Teil.
Und solange das so ist, werden Menschen immer bereit sein, an das "magische" zu glauben. (Auch Wissenschaftler tun das. Nur nennen sie es anders.  ) Und damit an den Aberglauben... |
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28.08.2009, 22:34
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#28 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 29.06.2008
Beiträge: 20.000
| Ich denke eher, dass der Grund für den heutigen Aberglauben darin zu suchen ist, dass viele Menschen auch in einer orientierungslos und kompliziert gewordenen Welt etwas brauchen, das ihnen Halt gibt und auf das sie sich "verlassen" können, das ihnen irgendwie ein Gefühl der Berechenbarkeit vermittelt. Daher der Glaube an Glücksbringer, Unglückstage etc.
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28.08.2009, 22:52
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#29 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Durchlaucht
Registriert seit: 09.06.2009
Beiträge: 2.969
| Ich weiß aber nicht, ab das so funktioniert. Bei den Glücksbringern hast du sicher recht, sie sind ein stabilisierendes Element, aber auch in ihnen wird ein Bedürfnis (das nach Beistand) auf einen Gegenstand übertragen.
Bei den Unglücksbringern ist das nicht so- man sieht etwas und dann denkt man, irgendwas muß passieren. Das ist aber nichts, was Struktur gibt, es ist auch nichts berechenbares. man verharrt in der Angst, daß etwas schlimmes passiert- was dann ja auch meistens der Fall ist, weil man soviel Angst hat, daß man sich blöd bewegt oder so. Aber es ist nicht berechenbar.
Beim Aberglaube geht es immer um die Frage "Ist da draußen nicht noch etwas, das ich nicht verstehen kann?"
Vielleicht müssen wir aber auch einfach erst einmal "Aberglaube" definieren.  |
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28.08.2009, 22:55
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#30 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 29.06.2008
Beiträge: 20.000
| Zitat:
Zitat von Rohana Bei den Unglücksbringern ist das nicht so- man sieht etwas und dann denkt man, irgendwas muß passieren. Das ist aber nichts, was Struktur gibt, es ist auch nichts berechenbares. man verharrt in der Angst, daß etwas schlimmes passiert- was dann ja auch meistens der Fall ist, weil man soviel Angst hat, daß man sich blöd bewegt oder so. Aber es ist nicht berechenbar. | Es ist insofern berechenbar, als man "weiß", dass einem am Freitag, dem 13., oder im 13. Stock oder auf Sitzplatz Nr. 13 etwas Schlimmes passieren wird. Dadurch wird berechenbar, wann bzw. wo man Unglück haben wird.
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