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Zitat von 913Chris Servus! 05/09 - epoc
Zufall, oder warum bringt die Konkurrenz grad ein "Parallel-Heft"?
VG
CHRISTIAN |
Ganz identisch sind die Themen ja nicht, Hexen sind sozusagen eine Teilmenge des Themenkreises Magie. Insofern stehen die aktuelle G und das aktuelle epoc nicht zu 100 Prozent in direkter Konkurrenz, aber eine gewisse thematische Nähe ist schon da, unbestritten. Ich denke aber nicht (bzw. bin mir sogar ziemlich sicher), dass der so eng bei einander liegende Erscheingstermin (auch da gibt es ja Unterschiede: die G erscheint monatlich, die epoc alle zwei Monate) Absicht war. Gewisse Themen sind nun einmal en vogue und werden von allen Magazinen gespielt.
Ich erinnere mich an eine Phase, als das Alte Ägypten bis zum Erbrechen die Titelseiten der Geschichtsmagazine zierte. Die P.M. History hat dieses Thema förmlich tot geritten (weil sich Ägypten-Hefte erfahrungsgemäß gut verkaufen und die P.M. lange Zeit einen massiven Auflagenrückgang verkraften musste, von 90.015 verkauften Heften im zweiten Quartal 2005 auf 69.413 in 3/2007, mittlerweile - u.a. dank Ägypten als Thema - liegt die P.M. wieder bei 73.291 verkauften Heften).
Das Mittelalter ist erfahrungsgemäß ebenfalls ein gut nachgefragtes Thema, Hexen und Magie laufen eigentlich immer gut, insofern drängen sich diese Themen einfach auf. Somit kann man deine Frage recht wahrscheinlich mit einem Ja beantworten - das ist Zufall. Zumal die Redaktionspläne bei Geschichtszeitschriften aufgrund der geringen Personalstärke langfristig geplant und umgesetzt werden (müssen).
Und das umso mehr, weil die epoc ja immer noch auf dem Selbstfindungs-Trip unterwegs ist. Nicht vergessen: Der Verlag Spektrum der Wissenschaft hat dieses Magazin als Archäologie-Magazin gestartet (Abenteuer Archäologie hieß sie ursprünglich). Irgendwann hat den Verlagsstrategen und der Marketingabteilung dann aber gedämmert, dass es für archäologische Themen weniger Leser gibt als für historische Themen. Daraufhin wurde die Themenvielfalt in der AA stetig ausgeweitet, bis es schließlich kaum noch von einem Geschichtsmagazin zu unterscheiden war. Die Umbenennung in epoc war dann nur die letzte Konsequenz um die strategische Neuausrichtung für den Leser am Kiosk deutlich zum Ausdruck zu bringen (der Chefredakteur wechselte damals übrigens auch).
Anders verhält es sich dagegen bei großen Publikumszeitschriften und bei auflagenstarken Fachzeitschriften, z.B. aus der IT-Branche. Da belauern sich die konkurrierenden Magazine durchaus und versuchen sich gegenseitig die besten Themen wegzunehmen bzw. das Top-Thema auf dem Cover der Konkurrenz durch einen ähnlich gelagerten, aber besser gestaltenen Titel zu übertrumpfen. Ja, mir sind sogar Fälle bekannt, in denen die PDF-Versionen der nagelneuen Hefte vor Erscheinen des gedruckten Heftes schon in der Redaktion der Konkurrenz lagen. Die Titelseiten der Hefte lassen sich, sofern die Druckereien flexibel genug sind (und das sind sie, wenn die Verlage genügend Geld auf den Tisch legen) noch bis zu drei Tage vor Verkaufsstart am Kiosk umgestalten. Und wenn es für den direkten Konter am Kiosk doch zu spät ist, hält man eben im Internet dagegen. Anders als bei den Geschichtszeitschriften, bei denen der Webauftritt nur eine wirtschaftlich eher unbedeutende Unterstützungsrolle spielt, können sich IT-Magazine durchaus das Print-Geschäft mit einem starken Gegenschlag beim Webauftritt kaputt machen: Ein Magazin bringt eine tolle Titelgeschichte auf der Printausgabe, vielleicht noch verbunden mit einer tollen Vollversion einer sonst kostenpflichtigen Software und die Konkurrenz bringt passend zum Kioskstart eine ähnliche Geschichte auf ihrer Website (die ja ganze andere Besucherzahlen haben als die kleinen Websites der Geschichtsmagazine) zusammen mit einer Freeware als Download, die exakt das Gleiche macht wie die Vollversion bei der Konkurrenz auf der Heft-DVD. In so einem Fall kann man dann in der Tat nicht mehr von Zufall sprechen, sondern eher von Wirtschaftsspionage. Aber im Fall von G und epoc ist das sicher nicht der Fall.