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03.11.2011, 11:31
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#1 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Großkanzler
Registriert seit: 13.09.2011
Beiträge: 1.027
| VW-Sparer Im aktuellen Heft hat sich in einer Bildunterschrift ein Fehler eingeschlichen.
Übrigens eine wirklich gut gemachte Geschichts-Zeitschrift.
Mit Bezug auf die Volkswagen-Sparer wird zutreffend geschrieben, dass keiner der Sparer einen VW bekommen hat.
Weiter wird dann ausgeführt, das Geld wäre zur Produktion des VW-Kübel als Wehrmachtsfahrzeug benutzt worden.
Dies kann man zwar oft lesen, stimmt aber nicht.
Das Geld lag unberührt auf einem Bankkonto der DAF und wurde 1945 sowjetische Kriegsbeute. |
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03.11.2011, 12:00
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#2 (permalink)
| | Administrator Rang: Haushofmeister
Registriert seit: 23.04.2008
Beiträge: 360
| Uups Lieber User Suebe,
herzlichen Dank für den interessanten Kommentar. In der älteren Literatur erscheint tatsächlich immer wieder die Information, dass die Spareinlagen für den VW-Käfer für den Kübelwagen genutzt wurden. Da haben wir leider nicht aktuell genug recherchiert. Sorry. Aber wunderbar, wenn es den aufmerksamen Leser gibt, der uns da bereichert.
Besten Gruß
Die Redaktion |
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04.12.2011, 15:39
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#3 (permalink)
| | Benutzer Rang: Majordomus
Registriert seit: 31.01.2008
Beiträge: 63
| Zitat:
Zitat von Suebe
Mit Bezug auf die Volkswagen-Sparer wird zutreffend geschrieben, dass keiner der Sparer einen VW bekommen hat. | Wobei das so pauschal nicht stimmt. Nach dem Krieg versuchten mehrere Sparer ihre während des 3. Reiches angesparten Guthaben für eine Käfer anrechnen zu lassen. Es kam zu mehreren Prozessen. Schließlich einigten sich VW und die Sparer auf einen Vergleich: man konnte das Sparguthaben abgestuft nach der Höhe des bereits angesparten Betrags auf den Kaufpreis eines Käfers anrechnen lassen (ein gutes zusätzliches Geschäft für VW) oder in Bar auszahlen lassen. Ganz leer gingen die Sparer also nicht aus. |
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04.12.2011, 17:33
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#4 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Großkanzler
Registriert seit: 13.09.2011
Beiträge: 1.027
| Zitat:
Zitat von LAMP Wobei das so pauschal nicht stimmt. Nach dem Krieg versuchten mehrere Sparer ihre während des 3. Reiches angesparten Guthaben für eine Käfer anrechnen zu lassen. Es kam zu mehreren Prozessen. Schließlich einigten sich VW und die Sparer auf einen Vergleich: man konnte das Sparguthaben abgestuft nach der Höhe des bereits angesparten Betrags auf den Kaufpreis eines Käfers anrechnen lassen (ein gutes zusätzliches Geschäft für VW) oder in Bar auszahlen lassen. Ganz leer gingen die Sparer also nicht aus. | Eigentlich eine andere Kiste. Mir ging es um die Verwendung der Sparbeiträge, un die wurden definitiv sowjetische Kriegsbeute, das Geld war unangetastet.
Die Prozesse gingen bis 1961.
Aus Wiki: Zitat: |
Eine Vielzahl von Sparern versuchte ab 1948 ihre Ansprüche mit juristischen Mitteln durchzusetzen. Da das Volkswagenwerk aber nie in Besitz der Sparergelder auf einem Sperrkonto der Bank der Deutschen Arbeit gelangt war, endeten die Prozesse 1961 unter Ausschluss eines Rechtsanspruches mit dem Angebot der Volkswagenwerk AG, den KdF-Sparern einen Rabatt von 600 DM (entspricht heute: 1.230 EUR) beim Kauf eines Fahrzeugs zu gewähren, was knapp einem Sechstel des Neupreises entsprach. Wer sich keinen neuen Wagen kaufen wollte oder konnte, erhielt 100 DM ausbezahlt.
| Wobei, aus der Hand: die selben Bedingungen waren 1956 schon mal ausgehandelt, es war den Sparern in der Mehrheit aber zu wenig. |
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05.12.2011, 19:53
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#5 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 31.01.2008 Ort: Ingolstadt
Beiträge: 9.342
| Zitat:
Zitat von Suebe den KdF-Sparern einen Rabatt von 600 DM (entspricht heute: 1.230 EUR) | Nachdem der DM zu Euro im Verhältnis 2:1 getauscht wurden, müsste nach dem zitierten Artikel die DM der 50er Jahre viermal soviel wert gewesen sein wie die DM der 90er Jahre.
Kann das stimmen?!? Oder hat hier Tante wiki ihre in meinen Augen schon sprichwörtliche Unzuverlässigkeit gezeigt?
VG
Christian
__________________ De Woch fangt scho guat oo.. (der "Bayerische Hiasl" kurz vor seiner Hinrichtung) |
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05.12.2011, 20:24
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#6 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Großkanzler
Registriert seit: 13.09.2011
Beiträge: 1.027
| Zitat:
Zitat von 913Chris Nachdem der DM zu Euro im Verhältnis 2:1 getauscht wurden, müsste nach dem zitierten Artikel die DM der 50er Jahre viermal soviel wert gewesen sein wie die DM der 90er Jahre.
Kann das stimmen?!? Oder hat hier Tante wiki ihre in meinen Augen schon sprichwörtliche Unzuverlässigkeit gezeigt?
VG
Christian |
Das hatte ich übersehen  sorry.
Und muss dir natürlich Recht geben, diese Zahlen so in den Raum stellen, auf 10 Euro genau, ist Unsinn.
Da sind zuerst mal 2 Dinge zu beachten:
die Autos in dem Fall der Käfer, wurden in den 50/60ern ständig billiger. Gekostet hat er 1961 ca. 5.000 DM. 1970 nur noch 4.000 DM. Man erkennt wie die obige Zahl hinkt.
Waren die 600 DM ein Nachlass von über 10 Prozent, zu einer Zeit, wo der Käufer maximal einen Satz Fussmatten dazubekam, bezahlt wurde der Listenpreis, da gab es gar nichts.
Als älteres Semester besitze ich noch die Menge gedruckte Quellen, die DM 600 und die DM 100 stimmen jedenfalls.
Auf Wiki greift man halt gern zurück, da bequem als Nachweis zu kopieren  |
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06.12.2011, 15:31
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#7 (permalink)
| | Benutzer Rang: Majordomus
Registriert seit: 31.01.2008
Beiträge: 63
| Zitat:
Zitat von Suebe
Als älteres Semester besitze ich noch die Menge gedruckte Quellen, die DM 600 und die DM 100 stimmen jedenfalls.
Auf Wiki greift man halt gern zurück, da bequem als Nachweis zu kopieren  | Die Zahlen stimmen so absolut eben nicht. Abhängig davon, wie viel der Sparer eingezahlt hatte, bekam er anteilsmäßig eine bestimmte Summe angerechnet. Wenn ich mich recht erinnere, gab es vier oder sogar fünf abgestufte Beträge. Die bei Wikipedia genannten Summen von 600 und 100 Mark dürften, vermute ich mal, die Obergrenzen respektive maximal möglichen Beträge gewesen sein, die Masse der Sparer dürfte deutlich weniger erhalten haben. Insofern ist die zitierte Stelle in der Tat wieder einmal ein Beispiel für die so oft etwas schludrigen Wikipedia-Artikel (sofern das Zitat bei Wikipedia nicht noch weiter geht und die Abstufung nicht doch noch etwähnt wird - in diesem Fall wäre meine Kritik an dem Wikipedia Artikel natürlich ungerechtfertigt). |
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06.12.2011, 16:23
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#8 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Großkanzler
Registriert seit: 13.09.2011
Beiträge: 1.027
| Zitat:
Zitat von LAMP Die Zahlen stimmen so absolut eben nicht. Abhängig davon, wie viel der Sparer eingezahlt hatte, bekam er anteilsmäßig eine bestimmte Summe angerechnet. Wenn ich mich recht erinnere, gab es vier oder sogar fünf abgestufte Beträge. Die bei Wikipedia genannten Summen von 600 und 100 Mark dürften, vermute ich mal, die Obergrenzen respektive maximal möglichen Beträge gewesen sein, die Masse der Sparer dürfte deutlich weniger erhalten haben. Insofern ist die zitierte Stelle in der Tat wieder einmal ein Beispiel für die so oft etwas schludrigen Wikipedia-Artikel (sofern das Zitat bei Wikipedia nicht noch weiter geht und die Abstufung nicht doch noch etwähnt wird - in diesem Fall wäre meine Kritik an dem Wikipedia Artikel natürlich ungerechtfertigt). | Im Interesse der Genauigkeit: Zitat: Nordhoff zahlt RECHT
Dem 66jährigen Rentner Karl Stolz aus dem sauerländischen Dorf Erlinghausen schien es nach zwölf Jahren des Prozessierens durch neun Instanzen genug der Mühe: Als die Klage des ehemaligen Volkswagensparers gegen das mächtige Wolfsburger Werk auf Auslieferung eines VW zu Vorzugsbedingungen zum vierten Male beim Bundesgerichtshof gelandet war, schloß Stolz einen Vergleich.
Was der Monsterprozeß dem Kläger Stolz und seinem Mitstreiter Rudolf Meichsner einbrachte, konnte Senatspräsident Dr. Kurt Pagendarm vom Karlsruher Bundesgericht am Mittwoch vergangener Woche protokollieren: - Wer in den Hitlerjahren auf seiner VW-Sparkarte mehr als 750 Mark angespart hatte (Propagandapreis für den Wagen damals: 990 Mark), kann jeden Volkswagentyp mit 1,2-Liter -Motor für 600 Mark unter dem Listenpreis kaufen oder bei Kaufverzicht vom Werk 100 Mark in bar kassieren, - wer mehr als 500 Mark angespart hatte, bekommt 450 Mark Rabatt oder 75 Mark in bar; - wer über 250 Mark auf der Karte hatte, erhält 300 Mark Nachlaß oder 50 Mark bar; - wer weniger als 250 Mark VW -Spargeld ausweist, wird mit 150 Mark Abschlag oder 25 Mark Kasse zufriedengestellt.
Als Stolz und Meichsner sich 1949 auf den langen Weg machten, hatten sie sich das Ziel sehr viel lohnender gedacht. Den beiden Musterklägern und den 40 000 Mitgliedern ihres Hilfsvereins ehemaliger Volkswagensparer e. V. schwebte eine Entschädigung von 1379 Mark für jede vollgeklebte Sparkarte vor. Diesen Betrag hatten sie aus der voll aufgewerteten Sparsumme plus zehn Prozent vom Neupreis des billigsten VW -Modells zusammengerechnet.
Auch als das Bundesgericht 1954 entschied, nicht das Wolfsburger Werk, sondern dessen Gründer und ehemaliger Besitzer, die Deutsche Arbeitsfront (DAF), sei Vertragspartner der Sparer gewesen, hielt Karl Stolz an seiner Forderung fest.
Er lehnte einen Vergleichsvorschlag des Nordhoff-Unternehmens ab, der dem jetzt geschlossenen Abkommen sehr ähnelte: Das Werk bot für die volle Sparkarte einen Preisnachlaß von 500 Mark oder eine Barentschädigung von 250 Mark. Stolz damals: "Man kann es drehen wie man will, mich wird man nicht los."
Schließlich - der Bundesgerichtshof hatte nur noch über eine Mithaftung des Werks für die Verträge zwischen DAF und Sparern zu entscheiden - wurde Heinz Nordhoff die massive Forderung des sauerländischen Ruheständlers doch noch los. Am Sonnabend vorletzter Woche beschied sich Karl Stolz nach zehnstündigem Feilschen im Beratungszimmer des Bundesgerichtshofs mit der kleinen Lösung.
Daß er damit zugleich das Maximum erreicht hatte, bestätigte Bundesrichter Pagendarm: "Ich glaube nicht, daß jemand so töricht sein wird, einen neuen Prozeß anzustrengen, um vielleicht 50 Mark mehr zu bekommen. Um mehr kann es sich sicher nicht handeln."
Der unermüdliche Karl Stolz kann seinen Vereinsmitgliedern nach der langen Schlacht immerhin vorrechnen, daß sie besser gefahren sind als andere Gläubiger mit Reichsmarkforderungen. Wenn sie einen VW mit 600 Mark Nachlaß erwerben, wird ihr Spargeld zu mindestens 60 Prozent des alten Wertes honoriert, bei einer Barauszahlung von 100 Mark immer noch zu mindestens zehn Prozent; die gesetzliche Abwertungsquote hingegen liegt unter zehn Prozent. | Auszug aus Spiegel Online Heft 44/1961 Womit alle Unklarheiten beseitigt sein dürften.
Die Schwachpunkte von Wiki will ich gar nicht in Zweifel ziehen, aber zu einer groben Info reicht es. Die ich hier für ausreichend hielt.
Aber nachdem ich weiß, dass dieses Forum tiefschürfend ist, werde ich mich bessern. |
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07.12.2011, 20:09
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#9 (permalink)
| | Benutzer Rang: Majordomus
Registriert seit: 31.01.2008
Beiträge: 63
| Alter Schwede, äh, Suebe  . Ja genau, diese differenzierte Aufsplittung meinte ich. Schön, damit ist ein Beitrag im Forum der G wieder einmal exakter als ein zwar langer aber eben auch etwas oberflächlicher Artikel in der Wikipedia. Dafür hat sich die Diskussion doch gelohnt  |
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