| TagCloud | | | Umfrageergebnis anzeigen: Wie war Walter Ulbricht? | |
gut
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schlecht
|   | 33,33% | |
mittel
|   | 16,67% | |
Keine Meinung
|   | 50,00% |  | |
28.07.2008, 12:33
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#1 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Secretarius
Registriert seit: 16.07.2008 Ort: Schönwald
Beiträge: 203
| Diskussion zur Ausgabe 08/08: Walter Ulbricht Wie war der Walter Ulbricht?
Handelte er gerecht, war er nicht so toll, wie ist eure Meinung zu ihm? |
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11.08.2008, 22:29
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#2 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 29.06.2008
Beiträge: 19.979
| Kann ein Diktator überhaupt gut sein?
Aus welchem Schönwald bist Du, dem brandenburgischen oder dem bayrischen? |
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13.08.2008, 18:19
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#3 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Großkanzler
Registriert seit: 24.07.2008 Ort: Augsburg
Beiträge: 1.088
| Zitat:
Zitat von Gaggerspatz Handelte er gerecht? | Gerecht? Wenn er gerecht gehandelt hätte, dann hätte er seinem Volk mal die Warteschlangen beim Einkaufen erspart, dafür gesorgt dass es was Anständiges zu Futtern gab und hätte nicht rationiert. Auch hätte er sich mal dafür einsetzen können, dass man wenn man mit 30 Jahren ein Auto bestellt man es auch noch vor dem Tod erhält. |
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17.08.2008, 14:58
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#4 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 31.01.2008 Ort: Ingolstadt
Beiträge: 9.342
| Servus!
Trau ich mich nicht, darüber abzustimmen.
Aus seiner Sicht hat Ulbricht sicherlich logisch und stringent gehandelt.
Und eine Zeitlang lief´s ja auch ganz gut in der DDR: In den 50ern und auch noch in den 60ern waren DDR und BRD ziemlich gleichauf, was die Lebensqualität der Bevölkerung angeht.
Danach verhedderte sich die DDR mehr und mehr in ihren ideologischen Fäden und die Planwirtschaft funktionierte nicht mehr so recht, dazu kam, dass auf Seiten der BRD der Vorsprung in Sachen internationaler Handel immer mehr wuchs. Dass Ulbricht hier stur an seinen stalinistischen Vorgaben festhielt, hat sicherlich dazu beigetragen, dass a) die DDR den Anschluss an die BRD verlor und er b) schließlich wegen Erfolglosigkeit von Honecker gestürzt werden konnte.
Nicht zu vergessen die jeweiligen "großen Brüder" im Hintergrund. Mit dem Antritt Chruschtschows verlor Ulbricht einen großen Gönner (Stalin) und auch eine Rechtfertigung vor der eigenen Bevölkerung. Durch die Zentralisierung der DDR auf Berlin und Politbüro war auch der anfänglich vorhandene Elan in der Bevölkerung, ein "besseres" Deutschland zu schaffen, erlahmt. Der Aufstand von 1953 zeigte auch den Menschen, dass Ulbricht bereit war, gegen die eigene Bevölkerung zu kämpfen. Die um sich greifende Bürokratisierung desillusionierte die Menschen weiter: Da gab es Bauern, die kollektivierten sich und ihre Dörfer Anfang der 50er selber, nur um dann vom zuständigen Beamten eine auf den Deckel zu bekommen, was sie sich einbilden, das Ganze ohne die Partei zu machen. Die wurden sogar bestraft! Die gebildete "LPG" wurde aufgelöst, eine neue durch die Parteileute gegründet - und das sollte jetzt der Sozialismus sein?
Gut, Ulbricht führte nötige Reformen durch, mit dem Mittel, das halt in der sowjetische beherrschten Zone Europas angebracht war - außerdem war er in seinen Moskauer Exiljahren indoktriniert worden - und hatte anfangs sogar Erfolg damit, aber wie man mit den eigenen Leuten umging, wie man diese Reformen umsetzte (Ulbrichts Mannschaft war ja durchaus nicht unumstritten, auch unter den Kommunisten, da gab es ja welche, die das anders als Ulbricht machen wollten, aber in Moskau schon vor Kriegsende ausgebootet wurde, weil sie nicht zur stalintreuen Fraktion um Ulbricht gehörten), wie man mit der Vergangenheit umging (der eigenen und der Deutschlands) - das führte aus heutiger Sicht alles schon den Keim des Untergangs und des Machtmissbrauchs in sich.
Insofern kann ich nicht definitiv sagen, Ulbricht war gut oder schlecht: Wie auch Adenauer hatte er durchaus seine positiven Seiten, aber eben auch negative.
VG
Christian |
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17.08.2008, 23:42
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#5 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Großkanzler
Registriert seit: 24.07.2008 Ort: Augsburg
Beiträge: 1.088
| Zitat:
Zitat von 913Chris Und eine Zeitlang lief´s ja auch ganz gut in der DDR: In den 50ern und auch noch in den 60ern waren DDR und BRD ziemlich gleichauf, was die Lebensqualität der Bevölkerung angeht. | Ganz sicher nicht wegen Ulbricht. Das war wegen der Sowjetunion.
Bist Du eigentlich Ulbricht gar nicht so abgeneigt? |
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18.08.2008, 10:13
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#6 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 31.01.2008 Ort: Ingolstadt
Beiträge: 9.342
| Servus!
Was meinst du mit "abgeneigt"? Ich hab den Mann nie kennen gelernt...
Ich bemühe mich nur, Ulbricht aus historischer Sicht objektiv zu beurteilen. Und die Zeit, in der die DDR tatsächlich mit der BRD "mithalten" konnte (wobei diese - von DDR-Offiziellen selbst gebrauchte - Formulierung schon verräterisch ist, bedeutet sie doch, dass die BRD das Vorbild der DDR war...), war dieses "Mithalten können" durchaus auch ein Verdienst Ulbrichts - so sehr hat sich die UdSSR dann doch nicht in die Verhältnisse in der DDR eingemischt...
VG
Christian |
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18.08.2008, 13:36
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#7 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 29.06.2008
Beiträge: 19.979
| Die Frage ist aber nicht, ob die DDR mit der BRD mithalten konnte oder ob er die DDR gut oder schlecht regierte. Der springende Punkt ist doch der, dass er ein Diktator war! Wie kann er also gut gewesen sein? |
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18.08.2008, 13:49
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#8 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 31.01.2008 Ort: Ingolstadt
Beiträge: 9.342
| Servus!
Auch Diktatoren können mitunter Gutes vollbringen, etwa einen Staat stabilisieren. Daneben entspringt der übergroßen Machtfülle eines Einzelnen natürlich auch (fast) immer eine Menge Ungutes.
Tatsache ist jedenfalls, dass die DDR (wie andere stalinistische und kommunistische Staaten auch) eine PARTEIENdiktatur war. Das läuft zwar auch darauf hinaus, dass der Parteiführer letztendlich DER Diktator ist, führt aber zu einigen Unterschieden in der Staatstruktur, etwa dem "Mitspracherecht" anderer Parteigrößen. Ulbricht hatte u.a. darunter zu leiden.
So versuchte er seit 1963, mit seinem "Neuen Ökonomischen System" (NÖS) die DDR wieder auf Vordermann zu bringen, damit sie den Anschluss an den Westen nicht verlor. Kernstück dieses Systems war die stärkere Einbindung von (wissenschaftlichen) Fachkräften in die Entscheidungsfindung der Partei/der DDR sowie die Stärkung des privatwirtschaftlichen Sektors. Auch sollten nicht mehr allein ideologische Gründe für Wohl und Wehe des Einzelnen in der DDR-Hierarchie entscheidend sein, sondern der Aufstieg sollte auch leistungsbezogen vollbracht werden können.
Alles in allem lief das NÖS auf eine neue Art der sozialistischen Wirtschaft hinaus. Ulbricht konnte zwar einiges von seinen Plänen durchsetzen, doch lief er mehr und mehr gegen Wände, die von Seiten seiner Parteikollegen (den späteren "Betonköpfen" Mielke und vor allem Honecker) errichtet wurden. Auch führte der Umschwung in der UdSSR beim Wechsel zu Breschnew (dessen "Zögling" Honecker war) zu schwindender Unterstützung für Ulbrichts Kurs.
Letzten Endes wurde Ulbricht wegen seines NÖS von Honecker gestürzt, der dann sofort auch eine neue (letzte) Verstaatlichungswelle in Gang setzte, streng konform mit den sowjetischen Vorgaben.
Unter anderem wegen des NÖS, das durchaus Potential hatte nud bei dem Ulbricht sprichwörtlich über seinen (stalinistischen) Schatten sprang, kann ich persönlich Walter Ulbricht nicht in Kategorien wie "gut" und "böse" einordnen.
VG
Christian |
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18.08.2008, 14:19
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#9 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 29.06.2008
Beiträge: 19.979
| Zitat:
Zitat von 913Chris Auch Diktatoren können mitunter Gutes vollbringen, etwa einen Staat stabilisieren. | Zugegeben, ja. Aber das Beispiel der BRD zeigt doch, dass in Deutschland die Stabilisierung auch auf demokratischem Wege möglich war. Spätestens, als das klar wurde, wäre es die Pflicht eines "guten" Diktators gewesen, die Demokratisierung einzuleiten. (Dass er sich damit nicht gegen die SED durchsetzen können hätte, ist mir schon klar. Aber dann hätte er sich eben aus der Politik zurückziehen müssen.) |
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18.08.2008, 15:21
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#10 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 31.01.2008 Ort: Ingolstadt
Beiträge: 9.342
| Servus!
Du schreibst: "Dass er sich damit nicht gegen die SED durchsetzen können hätte, ist mir schon klar. Aber dann hätte er sich eben aus der Politik zurückziehen müssen."
Wenn er sich zurück gezogen hätte, wäre ein anderer gekommen. Nix hätte sich geändert.
Ausserdem ist es schon sehr idealistisch, sowas zu fordern. Hätte Kohl sich freiwillig zurück gezogen? Schröder? Irgendwer aus der Demokratenriege?
Es gibt nur sehr wenige Beispiele von Diktatoren, die sich freiwillig zurück zogen (und zwar ganz, ohne danach noch die "Graue Eminenz" zu spielen!), nachdem ihre "Aufgabe" (im Normalfall wird da gesagt, man müsse den Staat vor Schlimmerem bewahren) erfüllt war. Abdulsalami Abubakar in Nigeria ist so ein seltener Fall, in der Antike fällt mir spontan Diokletian ein. Da waren aber immer auch besondere Umstände im Spiel (Abubakar wurde einigermassen unwillig Präsident, Diokletian war einfach amtsmüde bzw. griff auch nach seinem Rückzug noch in die Politik ein, bevor er von seinen Nachfolgern schlicht übergangen wurde.
Aber im Normalfall ist so ein freiwilliger Rückzug von einem Politiker sehr viel verlangt und sehr idealistisch gedacht. Vielleicht trifft´s auch "naiv" besser - nix für ungut, die Geschichte lehrt uns (mich) dieses.
VG
Christia |
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