| TagCloud | | |  | |
07.02.2008, 16:07
|
#1 (permalink)
| | Neuer Benutzer Rang: Kellermeister
Registriert seit: 05.02.2008 Ort: Neu-Ulm
Beiträge: 21
| 30-jähriger Krieg Hallo,
ich möchte gerne ein neues Thema starten - und ein Geschichtsforum ohne den 30-jährigen Krieg geht ja wohl nicht!
Genau wie der Erste Weltkrieg oftmals als "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts" angesehen wird, war der 30-jährige Krieg die vielleicht schlimmste Katastrophe für Europa in der gesamten Frühen Neuzeit. Gerade in der zweiten Hälfte der Kriegszeit wurden ganze Landstriche entvölkert und das sicher nicht aufgrund der Kampfhandlungen am sich - der berühmte Satz vom "Krieg der den Krieg ernährt" ist in dieser Zeit entstanden, denn nur in dem sie Plünderten und sich so selbst versorgten, könnten die riesigen Söldnerarmeen überhaupt so lange im Feld gehalten werden.
Vielleicht könnte ihr einfach mal darlegen, was ihr an dieser Epoche für wichtig haltet, wie die Kämpfe sich auf das Reich und ganz Europa ausgewirkt haben und ob (zumindest teilweise) das Blutvergießen auch hätte verhindert werden können.
Viele Grüße
Xiron |
| |
20.02.2008, 11:08
|
#2 (permalink)
| | Neuer Benutzer Rang: Knappe
Registriert seit: 20.02.2008
Beiträge: 7
| Mit diesem Thema habe ich mich auch schon beschäftigt. Besonders beeindruckt hat mich der Fall Magdeburg. Diese Stadt wurde 1631 von einer entfesselten katholischen Soldateska in Schutt und Asche gelegt. Ein sehr anschauliches Buch über den 30jährigen Krieg von Hans-Christian Huf "Mit Gottes Segen in die Hölle". |
| |
13.03.2008, 21:05
|
#3 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 13.03.2008
Beiträge: 5.208
| Versuch der Übersicht mit Blick auf Wallenstein Hallo bin neu hier und habe mit Freude festgestellt, daß noch nichts genaues hier im Forum über diese Katastrophe für Europa geschrieben wurde. Ein Überblick zu verschaffen ist in diesem Chaos nicht einfach. Evtl. könnte auch der Verlag dieses komplizierte Thema verarbeiten. Wobei jetzt aktuell ein GEO Heft Epoche erschienen ist. Kann dies zum Kauf nur empfehlen. Der G-Verlag möge mir diesen Tipp verzeihen. Hier mein Versuch: Der dreißigjährige Krieg 1618-1648; Historischer Atlas Deutschland; Manfred Scheuch Konfessionskonflikte- Selbstständigkeitsbestrebungen- europäische Vormachtbestrebungen 1618-23; Kaiser und katholische Liga gegen Böhmen und die Pfalz 1625-29; Kaiser und katholische Liga gegen die Niedersachsen und Dänen 1630-35; Kaiser und die Liga gegen die Schweden 1636-48; Kaiser und die Liga gegen die Franzosen und Schweden 23.05.1618; Fenstersturz zu Prag; protestantische, böhmische Adlige werfen 3 kaiserliche Beamte aus dem Fenster der Prager Burg. Anlass waren intensive Versuche der Habsburger die katholische Konfession wieder im Erbland mit Vergrößerung der kaiserlichen Macht gegen die Stände durchzusetzen. Dies führte zum böhmischen Aufstand mit Konfiszierung von Gütern kaisertreue Adlige, Ausweisung der Jesuiten, und Aufstellung einer schlagkräftigen Armee. Hinzu kam die Aufnahme der Rebellen in die protestantische Union. 1619; Ausrufung Böhmens zum Wahlkönigtum mit Kür des calvinistischen Kurfürsten aus der Pfalz zum König. Kaiser Ferdinand II (1619-1637) war nicht mehr gewillt dies weiter hinzunehmen. Mit Hilfe der starken Bayern unter Tilly besiegte die Liga den neuen „Winterkönig“ am weißen Berg bei Prag vernichtend. Strafgerichte, Verpfändungen von Gütern an treue Adlige (Fürst Wallenstein profitierte 1620 außerordentlich davon) folgten. Böhmens Eigenständigkeit wurde aufgehoben und Prag direkt Wien unterstellt. Das Salzburger Land wurde an die Bayern verpfändet und die Lausitz ging zum Dank für die Neutralität an Sachsen. Die Kurpfalz besetzt, die Kurwürde gepfändet und Friedrich V geächtet. Dieser flüchtete nach Norddeutschland zur Union und stellte seine Ansprüche erneut. Die Truppenführer Erich von Mansfeld und Christian von Braunschweig konnten zu Feldzügen gewonnen werden und fielen in Süddeutschland ein, wurden aber durch die bayrisch, kaiserlichen Truppen unter Tilly geschlagen. Die erste Runde ging also an den Kaiser, der seine Macht festigte. Dies führte zur Interesse der ausländischen Mächte an der Zukunft des Reichs. Frankreich und England befürchteten eine kaiserliche Seemacht an den deutschen Küsten. 1625; Aufgerufen von den protestantischen Fürsten, unterstützt vom Ausland griff König Christian IV von Dänemark, der gleichzeitig auch als Herzog von Holstein Reichsfürst war, in den Konflikt ein. Fürst Wallenstein stellte selbst eine Armee auf und fiel mit Kaisers Segen in Norddeutschland ein. Mansfeld wurde endgültig geschlagen und Jütland besetzt, der König von Dänemark zum Frieden gezwungen. Wallenstein erhielt den Titel Herzog von Mecklenburg und General der See. Runde zwei ging ebenfalls an den Kaiser in Wien. Eine kaiserliche Flotte schien in Aussicht, doch die Hansestädte verweigerten jegliche Unterstützung. 1629; Restitutionsedikt; Erlass vom Kaiser: Herausgabe jeglichen kirchlichen Besitz der protestantischen Fürsten, hinzu kommt die Forderung von Wallenstein den Habsburgern die Kaiserwürde von einer Wahl zur Erbfolge zu schenken, ruft Empörung unter den Fürstenhäuser hervor. Selbst die katholischen Stände des Reichs werden aktiv gegen die Pläne des kaiserlichen General Wallenstein. Es wurde gerade in dem Augenblick der Landung der Schweden unter König Gustav Adolf in Pommern die Entlassung Wallensteins erwirkt. 1630: Die Invasoren (kräftig unterstützt vom französischen König) siegten gegen alle aufgestellten Heere des Kaisers und besetzten ganz Deutschland. Der bayrische General Tilly verlor sein Leben bei Rain am Lech. Kaiser Ferdinand berief Wallenstein wieder auf den Plan und dieser fiel rasch in Sachsen ein. Zwar siegten die herbeigeeilten Schweden 1632 bei Lützen, doch Gustav Adolf starb in der Schlacht. Wallenstein versuchte nun aktiv eigenständig Politik für den Kaiser zu machen, Friedensverhandlungen mit den Sachsen, unterlassene Hilfestellung für die Bayern und sein Werben beim Kaiser zur Rückkehr zum Status des Augsburger Religionsfrieden, riefen zahlreiche katholische Feinde am Hof des Kaisers auf. 1634; „der Dank des Hauses Österreich“: die Ermordung Wallenstein in Eger folgte rasch. Nach der siegreichen Schlacht bei Nördlingen geht auch die dritte Runde an den Kaiser. Zurücknahme des Restitutionsedikt veranlasst Sachsen, Brandenburg und Anhalt aus dem Bündnis mit Schweden auszutreten. 1635; Das katholische Frankreich mit Kardinal Richelieu trat nun offen gegen die Übermacht der Habsburger in Europa auf der protestantischen Seite in den Krieg ein. Der neue Kaiser Ferdinand III verlor eine Schlacht nach der nächsten und sah sich gezwungen 1647 die Franzosen und Schweden um Waffenstillstand zu bitten. 1648; 24 Oktober der westfälische Frieden wird geschlossen. Folgen des Krieges: Das Reich verwüstet, die Hälfte der Bevölkerung tot, die Kaisermacht endgültig gebrochen. Erhaltung der fürstlichen Macht und Besitz. Der Kaiser zog sich zurück auf seine Hausmacht in Österreich und Spanien. Verlust des Elsaß, Vorpommern, Rügen und Bremen an die Sieger. Die Niederlande und die Schweiz wurden unabhängig. Frankreich stand am Rhein. Die Landesfürsten bestimmten die Konfession Ihrer Landeskinder. Die neuen Protestanten wurden in den Vertrag des Augsburger Religionsfrieden aufgenommen, durften sich aber nicht gegen die Mehrheit der katholischen Fürsten erheben. Ab sofort war der Kaiser von der Zustimmung der Landesfürsten abhängig. Frankreich garantierte die Souveränität der deutschen Einzelstaaten wie z.B. Bayern und Sachsen. Deutschland wurde also keine moderne Monarchie im ersten Reich und bestand nur noch aus losen zusammenhängenden Staaten mit Gnaden Frankreichs. 03.03.08
Geändert von lorginn (19.04.2008 um 12:59 Uhr).
|
| |
17.03.2008, 13:05
|
#4 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Secretarius
Registriert seit: 18.02.2008 Ort: München
Beiträge: 248
| ... und es brauchte mehr als 2 Jahrhunderte bis sich Deutschland von dieser Katastrophe wieder erholt hatte!
Vielen Dank für die übersichtliche und gestraffte Zusammenstellung der durchaus komplexen Ereignisse, Lorginn! Super  |
| |
17.03.2008, 23:24
|
#5 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 13.03.2008
Beiträge: 5.208
| Danke für die Blumen Radulf, schön das die Übersicht gut ankommt. Hat mich auch einiges an Zeit gekostet...genau wie der folgende Artikel über meine Wahlheimat: Habe den Beitrag von vielen gegenlesen lassen, mit der Absicht diesen einmal in unser Heimatblättchen zu stellen...mal sehen....denke für Alle Frankfurter ein Gaumenschmaus.....viel Spaß beim Lesen: Ginnheim im Schatten der Weltgeschichte Quellen: „Ginnheim“ von der Vorzeit bis zur Gegenwart von F.Lerner und der zweite Band von „Das unbekannte Frankfurt“ von W. Gerteis Der schwierige Übergang des Spätmittelalters in die Neuzeit Dunkle Wolken am Horizont Nachdem im 15. Jahrhundert die Gerichtsbarkeit der Ginnheimer Gemarkung von den Seligenstädter Äbten zu den Hanauer Grafen wechselte (für 4200 Gulden kam der Grundbesitz der Dörfer Nauheim, Eschersheim und Ginnheim vom Abt Reinhard des Klosters Seligenstadt zum Graf Philipp d.J. von Hanau), stellten sich veränderte Daseinsbedingungen im wechselhaften 16. Jahrhundert ein. Das warme Klima des Hochmittelalters änderte sich merklich in ein kühles. Es gab keine zwei Ernten mehr, Getreide im Frühsommer und Hülsenfrüchte im Herbst waren für die Bauern Vergangenheit. Zwar führten die niedrigeren Erträge zu steigenden Preisen und die Landwirtschaft konnte den Zins in Geld bezahlen und nicht mehr wie gewohnt in Naturalien. Doch die aufkommende Inflation zehrte jeglichen Vorteil wieder auf, welche den Klerus und den Adel als Grundherren schädigte. Gewinner waren die Kaufleute, Handwerker und Bürger der freien Reichsstadt Frankfurt, die sehr gute Preise auf der Messe erzielen konnten und auch neue Abnehmer fanden und reich wurden. Einher mit diesem wirtschaftlichen Umschwung ging im 16. Jahrhundert der Ruf nach politischen und religiösen Reformen im Reich. Der Habsburger Kaiser Friedrich III ließ seine fünfzig jährige Amtszeit (1440-1493) untätig verstreichen, die Willkür der mehr oder weniger kleinen Landesherren nahm zu. Das Münzwesen erlitt durch Streckung der Edelmetalle großen Schaden. Die Lehren der Antike fanden wieder mehr Zuspruch, die Intelligenz versuchte mehr und mehr, Ideale der Antike - z.B. Gerechtigkeit; der Justiz - zu verwirklichen. Endlich schuf Kaiser Maximilian I, „der letzte Ritter“, das Reichskammergericht in Frankfurt 1495 als Instanz für das Landrecht. Die Juristen verdrängten die Schöffen als Laien in der Rechtssprechung. Doch viel mehr als die politischen Reformen bekamen die Ginnheimer Bauern die Bestrebungen im Glaubensbereich zu spüren. Seit langer Zeit lebte der Klerus in beträchtlichem Wohlstand, mit all seinen Folgen auch für die Disziplin und Moral. Dieser Wohlstand durch die wirtschaftliche Verschlechterung aber nun rückläufig war. Ein zunehmender Ablasshandel führte zur Unzufriedenheit breiter Schichten, ganz besonders nachdem Martin Luther im Jahre 1517 seinen Protest in eine Proklamation fasste, die ein riesiges Echo im ganzen Reich fand. Die neue „evangelische Lehre“ fand schnell Unterstützung und Verbreitung bei den auf Unabhängigkeit bedachten Landesfürsten. Hinzu kam die Möglichkeit zur Übernahme zahlreicher geistlicher Güter der Altkirche in ihren Besitz. Die meisten Landesherren waren jetzt protestantisch und meinten es ernst mit dem Heil ihrer anvertrauten Seelen. Sie verlangten von jedem untertänigen Bauern die Auslegung und Verbreitung der eigenen Glaubensauslegung. Daher der Spruch: „wie der Herr, so das Gescherr“. Kritisch wurde es für die Gemeinde, wenn der Landesherr einfach mal wieder die Lehre wechselte. So geschehen bei den Hanauern 1530 mit der Einführung des lutherischen Zweig und 1597 mit dem Übergang zum Calvinismus. Entgegen der Bestrebung der reformierten Eschersheimer Pfarrgemeinde sträubte sich Ginnheim die lutherische Auslegung aufzugeben, sehr zur Unzufriedenheit der Hanauer Grafen. Handgreiflich wurde es für Ginnheim in den Auseinandersetzungen im Schmalkaldischen Krieg 1546. Der 1531 gegründete Bund protestantischer Fürsten gegen den katholischen Kaiser ging in diesem Jahr zur offenen Auseinandersetzung über. Infolge des kaiserlichen Feldzugs zur Befriedung Mitteldeutschlands musste Frankfurt die Truppen kampflos einlassen. Diese vernünftige Kapitulation führte zum Bruch mit dem Schmalkaldischen Bund und zur Belagerung Frankfurts 1552 durch die Fürstenkoalition. Doch schnell kam es in Passau zur Einigung zwischen dem Kurfürst von Sachsen und dem Kaiser und zur Aufgabe der Belagerung. Das Leid und die Kosten der Belagerung mussten die angrenzenden Gemeinden ertragen. Hinzu kam der Ärger mit der Stadt Frankfurt gerade wegen der Hilfeleistungen an den Bund. Anfang des 17. Jahrhundert führte der anhaltende Widerstand der Ginnheimer gegen den reformierten Glauben der Landesherrn aus Hanau, zum Verlust Ihrer Rechte auf die heimische Kapelle und zur praktischen Ausübung des lutherischen Glaubens in Privathäusern. Doch es sollte noch schlimmer kommen. Der Dreißigjährige Krieg und seine Folgen Zwar wurde Frankfurt nie belagert, beschossen oder geplündert, doch gerade im Umfeld hielten sich häufig Truppenteile beider Seiten auf und verlangten Unterkunft und Brot. Gleich zu Beginn des Krieges gab es im ersten Feldzug eine größere Schlacht bei Höchst um das Dorf Sossenheim und der Übergang über den Main. Am 19 Juni 1622 versuchten die Soldaten der Union unter dem „tollen“ Christian von Braunschweig, ein fürstlicher Freund des vertriebenen „Winterkönig“ von Böhmen, Friedrich V von der Kurpfalz, vergeblich dem kaiserlichen Feldherrn der Liga, Tilly den Übergang über den Main zu verwehren. Nach der Niederlage verloren viele Flüchtende im Main und im Schwanheimer Moor Ihr Leben. Ginnheim blieb zwar von direkten Kämpfen oder Brandschatzung beider Lager verschont, doch es brachen in den folgenden Monaten und Jahren immer wieder Seuchen aus, welche die Hälfte der Herde dahinraffte. Nach dem siegreichen Auftreten der Schweden unter Gustav Adolf im Reich fiel Frankfurt 1631 wieder einmal kampflos. Der König wohnte etwa ein dreiviertel Jahr in Frankfurt. Nach dem Einfall Wallensteins in Sachsen verließ der große Feldherr der Protestanten die Stadt und eilte seinem Tod in der Schlacht bei Lützen im November 1632 entgegen. 600 Mann blieben zur Sicherung für den Übergang des Mains als Garnison bis 1635 in Sachsenhausen zurück. Letztendlich wurden die Schweden durch eine heimlich in die Stadt gelassene Truppe unter dem kaiserlichen General Lamboy vertrieben. Als Nachhut stellte sich wieder einmal die Pest mit 5000 Toten in Frankfurt ein. Zum Ende des Krieges brandschatzten die Franzosen im Rhein Main Gebiet. Am 24 Oktober 1648 läuteten im ganzen Reich die Glocken zum Friedensschluss zu Westfalen, doch gerade die Ginnheimer Gemeinde freute sich zu früh. Am 4 Dezember 1649 überfiel das in Bergen stationierte schwedische Regiment Schmidberger, die in Ginnheim einquartierten Kaiserlichen des Regiments Hammerstein und erbeuteten zahlreiche Waffen und 70 Gefangene. Dass die Bauern bei dieser „Heldentat“ ungeschoren davon kamen, ist mehr als zweifelhaft. 1667 stellte sich zum letzten Mal die tödliche Seuche in Frankfurt ein. Das Reich braucht mehr als 100 Jahre um die Einwohnerzahl und das Bruttosozialprodukt vor dem großen Krieg wieder zu erreichen. Februar 2008
Geändert von lorginn (22.01.2009 um 22:24 Uhr).
|
| |
31.03.2008, 18:06
|
#6 (permalink)
| | Neuer Benutzer Rang: Knappe
Registriert seit: 31.03.2008
Beiträge: 2
| was genau ist denn jetzt die urkatastrophe und was sind die Gründe dafür ?  (also kurz und bündig :-))
Geändert von misoja (31.03.2008 um 18:08 Uhr).
|
| |
01.04.2008, 02:12
|
#7 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 13.03.2008
Beiträge: 5.208
| Ok, nochmal ganz langsam zum auswendig lernen.... Gründe, welche möglicherweise zur Eskalation führten:
das Habsburger Machtstreben über das Reich und Europa
der lokale deutsche Fürsten Patriotismus und die Ablehnung zentraler Macht
die strenge Gegenreformation, nach den ersten Siegen des Kaisers und der Liga
die Verselbständigung einzelner Armeen, Brandschatzung und Beute machen, das Geschäft mit dem Krieg und dem Segen der Kirche
die Vermischung des Krieges mit Religion
das Eingreifen ausländischer Mächte, insbesondere Frankreichs, welches eigentlich katholisch war, aber von Anfang an auf Seiten der Union stand, mit dem Ziel sich auf Kosten des Reichs auszudehnen und das Haus Habsburg zu schwächen, Befreiung aus der Umklammerung Spaniens und Österreichs
kein Krieg zuvor und kein Krieg danach hat mehr Opfer, im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung gerechnet, gefordert, vor allem wegen den nachfolgenden Seuchen im Schlepptau der Zerstörung
Zufrieden Knappe ohne echten Beitrag? |
| |
01.04.2008, 03:14
|
#8 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Secretarius
Registriert seit: 21.03.2008 Ort: Zürich
Beiträge: 233
| Zitat:
Zitat von lorginn
kein Krieg zuvor und kein Krieg danach hat mehr Opfer, im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung gerechnet, gefordert, vor allem wegen den nachfolgenden Seuchen im Schlepptau der Zerstörung | Das, und nur das würde ich als die "Urkatastrophe" des 30-jährigen Krieges bezeichnen.
Ganze Landesteile wurden regelrecht "entvölkert". Es war dies der längste Krieg den Mitteleuropa bis zur damaligen Zeit gesehen hat.
Ganze Generationen wurden während des Krieges geboren und starben in demselben.
Und es war der erste Krieg, in dem nicht nur die Soldaten und Offiziere sondern vorallem die Zivilbevölkerung in erheblichem Masse Schaden genommen hat.
Schlachten hatte es bis 1618 schon viele gegeben, die war jedoch etwas noch nie dagewesenes.
Gruss S.
Geändert von Savonarola (01.04.2008 um 05:35 Uhr).
|
| |
01.04.2008, 12:10
|
#9 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 13.03.2008
Beiträge: 5.208
| Ergänzung Hallo Savonarola,
machst auch immer Nachschicht?
beruflich oder privat unterwegs im Netz?
ein Krieg gegen die Bauern, mit Rache derselben an Söldnerhaufen
Zusammenbrechen ganzer Grafschaften und Verlust jeder Ordnung und Moral
Feldzüge aus Hunger!
es ging zum Schluss um das nackte Überleben von Lohnsoldaten, Knechte und Zivilbevölkerung, eine Generation kannte keinen Frieden!  |
| |
01.04.2008, 15:34
|
#10 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 31.01.2008 Ort: Ingolstadt
Beiträge: 9.342
| Servus!
Also, dass unter Kriegszügen v.a. die Bevölkerung zu leiden hatte, ist aber ein Zug, der sich durch´s ganze Mittelalter zieht, mindestens seit der Spätantike.
Bei vielen Kriegen kam´s ja gar nicht zu Schlachten, obwohl so jahrelang dauerten. Da trachteten die Kriegsgegner einfach danach, dem jeweils anderen so viel wie möglich zu zerstören, und der, der den längeren Atem hatte, hatte den Krieg gewonnen.
Das neue am 30jährigen Krieg war, dass durch die Länge des Kriegs so viele Regionen verheert (!) wurden, und dass die Sache mit dem "Religionskrieg" am Ende buchstäblich jedem gestunken hat.
Dazu kam, dass Wallenstein - und nach ihm so ziemlich alle Feldherrn - das Ausplündern ganzer Landstriche zum Prinzip gemacht hat: Im Unterschied zu früher, als das nur geschah, damit die Soldaten Beute machen und so ihre Bezahlung aufbessern konnten, bezahlte Wallenstein seine Soldaten NUR mit der Beute, die sie machten. Er sparte sich so die teure Verpflegung seiner Armeen...
VG
Christian |
| |  | |
Powered by vBulletin® Version 3.6.8 (Deutsch) Copyright ©2000 - 2012, Jelsoft Enterprises Ltd.
SEO by vBSEO 3.1.0
Forum style by ForumMonkeys.com.
| |