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05.06.2008, 18:46
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#1 (permalink)
| | Neuer Benutzer Rang: Kellermeister
Registriert seit: 05.06.2008 Ort: Bamberg
Beiträge: 23
| 30 Jahre ununterbrochen Krieg? Also der 30-jährige Krieg hat ja, was logisch ist, 30 Jahre gedauert. Doch was mich interessiert dabei: Haben die Menschen damals die Konflikte wirklich als ununterbrochenen Krieg als solchen wahrgenommen, oder eher doch die einzelnen Ausseinandersetzungen vielmehr stärker voneinander getrennt?
Sicherlich gibt es da je nach Region Unterschiede: Doch ich kann mir nicht vorstellen, dass die Menschen damals wirklich 30 Jahre lang ununterbrochen nur im Krieg gelebt haben.
Vielleicht kann mir da einer zu etwas berichten.  |
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06.06.2008, 00:00
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#2 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 31.01.2008 Ort: Ingolstadt
Beiträge: 9.342
| Servus!
Die Regionen, die von allen Kriegsphasen betroffen waren - Mitteldeutschland, die Pfalz - mögen den 30jährigen Krieg wirklich als 30 Jahre Krieg empfunden haben. Böhmen, das nur am Anfang direkt betroffen war, oder Bayern, das "nur" seit den 1630er Jahren unter durchziehenden Heeren gelitten hat, haben jeweils nur Teilphasen mitbekommen.
Dennoch waren alle Regionen Deutschlands von 30 Jahre Krieg betroffen: Die Fürsten mussten ja ihre Heere bzw. ihre Mitwirkung finanzieren, die gesamte Wirtschaft und der Handel haben darunter gelitten, und - nicht zu vergessen - im Bewusstsein der Menschen war der Krieg natürlich auch immer präsent!
Relativ bald werden die Menschen schon mitbekommen haben, dass es in diesem Krieg weniger um Religion als um Macht ging - auch wenn Gustav Adolfs Siege von den Protestanten frenetisch gefeiert wurden, ebenso wie umgekehrt die Katholiken Tillys und Wallensteins Siege mit etwas mehr als freundlichem Kopfnicken zur Kenntnis genommen haben dürften.
Trotzdem war die religiöse Propaganda natürlich den ganzen Krieg über aktiv und hat die Menschen beeinflusst.
Auch so kann einem bewusst werden, dass seit 30 Jahren Krieg herrscht...
VG
Christian |
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21.06.2008, 16:30
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#3 (permalink)
| | Benutzer Rang: Kellermeister
Registriert seit: 10.06.2008
Beiträge: 32
| Marodierende Horden Ein Hauptproblem dieser Zeit war wohl, dass es sich bei den Heeren nicht um diziplinierte Armeen handelte, sondern um eine bunt zusammengewürfelte Soldateska. Dabei gab es auch lose Haufen, die auf eigene Rechnung plünderten. Neben den Seuchen war dies wohl die größte Heimsuchung für die Zivilbevölkerung - ganz unabhängig von den eigentlichen Kampfhandlungen. 
__________________
Immer locker bleiben |
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21.06.2008, 18:54
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#4 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 13.03.2008
Beiträge: 5.208
| Ergänzung Zitat:
Zitat von sene-K Ein Hauptproblem dieser Zeit war wohl, dass es sich bei den Heeren nicht um disziplinierte Armeen handelte, sondern um eine bunt zusammengewürfelte Soldateska. Dabei gab es auch lose Haufen, die auf eigene Rechnung plünderten. |
Hallo sene-K,
Danke für Deine schönen Bilder...
nun zum Thema:
die Soldaten waren oft nicht besser dran als die Einheimischen, sie litten Hunger und mussten Plündern...
Deswegen gab es oft Bauern Einheiten, die sich zusammenrauften und die Nachhut überfielen. Sie erschlugen Mann und Maus des Tross mit der Dreschflegel oder spießten die Plünderer mit der Mistgabel auf ...
Der Dreißigjährige Krieg war der grausamste aller Zeit..
lG
__________________
... bis hierher und keinen Schritt weiter ...
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31.07.2008, 14:46
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#5 (permalink)
| | Benutzer Rang: Majordomus
Registriert seit: 20.02.2008 Ort: Wien
Beiträge: 57
| also der dreißigjährige krieg war mit nichten ein ununterbrochener krieg; es war nicht wie heute, wo eben durchgehend krieg geführt wird bis eine der beiden parteien gewinnt, verliert oder aufgibt. damals wurden vielmehr feldzüge geführt, dann geschah wieder ein halbes jahr nichts, dann gab es wieder zwei kleinere feldzüge usw.; allein das aufschlagen eines winterlagers verschwendete jedes jahr ein halbes jahr, in dem nicht krieg geführt wurde.
ein polnischer adelsspross, der gerade zur zeit des dreißigjährigen krieges durch europa reiste, führte ein tagebuch, doch in diesem tagebuch erwähnte er mit keinem wort einen krieg, es kamen vielmehr nur überfälle von wegelagerern oder starke unwetter vor. (wie der spross genau heißt, ist mir gerade entfallen, aber woher ich das habe werde ich noch angeben) wenn ein krieg nun dreißig jahre durchgängig toben würde, könnte man doch annehmen, dass dies dem polen erwähnenswert erschiene;
auch die gliederung des krieges in phasen, die sehr bunt ist, da jeder historiker eine andere aufteilung und anzahl zu bieten hat, lässt den schluss zu, dass der krieg nicht nur sehr verworren war, sondern auch nicht unablässig tobte. |
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31.07.2008, 14:49
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#6 (permalink)
| | Benutzer Rang: Majordomus
Registriert seit: 20.02.2008 Ort: Wien
Beiträge: 57
| mit der soldateska gebe ich lorginn völlig recht; von oben (obere befehlsränge)herab zum plündern um zu überleben quasi gezwungen und von unten (Bauern, unterstand)her aufgrund dieser plünderungen aufs tiefste angefeindet war sie wirklich nicht beneidenswert. |
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25.09.2008, 09:16
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#7 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Haushofmeister
Registriert seit: 22.02.2008 Ort: Straubing
Beiträge: 281
| Erschütternd ist jedoch auch dass es soweit überhaupt kommen konnte dass die eigenen Landsleute aufeinander losgehen, sich mit Mistgabeln aufspießen, sich gegenseitig hängen oder masakrieren und vergewaltigen...
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"Wir lernen aus Erfahrung, dass die Menscheit nichts aus Erfahrung lernt!"
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04.10.2008, 12:27
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#8 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Großkanzler
Registriert seit: 23.02.2008 Ort: Nähe Aschaffenburg
Beiträge: 1.043
| Also ich komme aus einem kleinen Ort in Mitteldeutschland.
Dessen Bevölkerung wurde durch die dauerhafte Plünderungen und die Pest, etc. so reduziert, dass am Ende so gut wie keine Einwohner übrig geblieben waren.
Das lag wohl auch daran, dass es sich bei der Straße um eine Durchgangsstraße handelte, wie heute auch noch. |
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04.10.2008, 12:39
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#9 (permalink)
| | Neuer Benutzer Rang: Knappe
Registriert seit: 01.10.2008 Ort: NRW
Beiträge: 8
| Also ich denke, dass die Leute vielleicht nicht jeden Tag mit dem Krieg (Tote, Schlachten etc.) konfrontiert waren. Aber sie werden täglich die Folgen des Krieges gespürt haben. Wenn man 30 Jahre Krieg hat, dann so denke ich, wird man irgendwann nicht mehr so stark daran denken. Das ist dann, wenn man das mal so nennnen darf, für die Menschen zum Alltag geworden. |
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11.12.2008, 00:54
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#10 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 29.06.2008
Beiträge: 19.979
| Sehr empfehlen kann ich zu diesem Thema die Lektüre von Grimmelshausens "Der abenteuerliche Simplicissimus". Darin werden sehr anschaulich nicht nur die Schrecken des Krieges geschildert, sondern auch sehr gut herausgearbeitet, dass es den meisten Söldnern letztlich egal war, für welche Seite sie kämpfen, auch für die konfessionell andere. Der Autor wusste das aus erster Hand, da er selbst als Soldat im Dreißigjährigen Krieg gedient hat.
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Bis in den Tod Rot-weiß-rot!
Wen die Götter lieben, der stirbt jung.
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