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12.02.2008, 20:52
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#1 (permalink)
| | Neuer Benutzer Rang: Knappe
Registriert seit: 12.02.2008 Ort: Stuttgart
Beiträge: 9
| Warum Revolution in Frankreich? Was mich schon immer besonderes interessiert hat, ist die Frage, warum dieser soziale Paukenschlag, also die Französische Revolution, eben in Frankreich ausbegrochen ist und nicht zuerst in einem anderen europäischen Land?
Wo lagen also die großen Unterschiede zwischen Frankreich und den anderen Staaten jener Zeit, die die Revolution begünstigten?
Das können die geschichtlich Versierten hier doch sicherlich beantworten.  |
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13.02.2008, 12:26
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#2 (permalink)
| | Neuer Benutzer Rang: Knappe
Registriert seit: 11.02.2008
Beiträge: 9
| Ich bin zwar nicht sooo versiert in dem Thema  , aber ich denke das hat auf jeden Fall etwas mit dem Absolutismus zu tun, der in Frankreich besonders ausgeprägt war!
Wenn ich mich recht entsinne, ist der Absolutismus sogar in Frankreich sogar erfunden worden.
Dann lag es sicher auch an dem Stil wie Ludwig XVI. und Marie Antoinette das Land regierten. Gerade letztere war ja beim französischen Volk alles andere als beliebt.
Und schließlich befand sich Frankreich zu dieser Zeit in ein äußerst schweren Finanzkrise, was dazu führte, dass der Staat den Bürgern immer mehr Geld aus der Tasche zog! |
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13.02.2008, 13:23
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#3 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Secretarius
Registriert seit: 01.02.2008
Beiträge: 149
| Kann Yvette da nur zustimmen. In Frankreich war der Zentralismus besonders stark ausgeprägt, sprich, nur ein Staatsorgan, und zwar der König, regelte im Grunde die Geschicke des gesamten Landes. Das Volk war durch die pompöse Hofhaltung und den ausbeuterischen Adel verarmt und wütend.
Doch auch die Krone selbst war durch fehlgeschlagene Politik (Verluste in den Kolonien während des Siebenjährigen Krieges, etc.) in großer Finanznot.
Obendrein machten sich gerade im Amtsadel (also die Mitglieder der königlichen Verwaltung, die aber eben keine wirklichen Adeligen waren) Aufruhr und aufklärerische Ideen breit, denn sie wurden durch den Adel in ihrem gesellschaftlichen Aufstieg behindert.
Als es dann noch zu einer Lebensmittelverteuerung und - verknappung kam, explodierte das Pulverfass.
In Deutschland zum Beispiel mit seinen zahlreichen Einzelstaaten konnte sich eine solche Gewalt nicht direkt konzentriert gegen einen König / Kaiser richten.
In England wiederrum hatte das Parlament / die Bürgerschaft schon seit Jahrhunderten mehr Macht in der Politik.
In Rußland war vom aufklärerischen Gedankengut nicht viel zu sehen.
In Amerika war die Unabhängigkeit und die Republik gerade entstanden (auch ein Grund, warum das hier geschlagene England solche revolutionären Ideen weitestgehend ablehnte).
Sind jetzt nur ein paar Beispiele, ich hoffe aber sie helfen weiter.  |
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13.02.2008, 20:50
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#4 (permalink)
| | Neuer Benutzer Rang: Knappe
Registriert seit: 13.02.2008 Ort: Bielefeld
Beiträge: 10
| Also ich denke man kann die Hauptschuld sicher dem Absolutismus in die Schuhe schieben. Und zwar aus dem Grund, dass durch den gemäßigten Absolutismus in Deutschland und der konstitutionellen Monarchie in England es geschafft wurde eine Revolution (also in Deutschland zuimdest bis 1848) zu vermeiden |
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14.02.2008, 16:23
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#5 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 31.01.2008 Ort: Ingolstadt
Beiträge: 9.342
| Zu alle dem, was schon gesagt worden ist, kommt sicherlich noch dazu, dass es in Frankreich eine gewisse Tradition für Aufstände gegeben hat - ich erinnere nur an die Jacquerie ein paar Jahrhunderte zuvor - und dann natürlich, dass der wohl entscheidende Funke ins Pulverfass weder der unfähige König noch die Armut der Bevölkerung war. Beides waren wohl wichtige Faktoren, aber Träger der Revolution waren zumindest am Anfang die Bürger, und dieser "3.Stand" war gerade erst entstanden, war durch den merkantilen Umbau der Wirtschaft seit Ludwig XIV. in ein prä-industrielles System zu Reichtum gekommen, hatte aber keinerlei Mitspracherecht im Staat. Um eben dieses Mitspracherecht ging´s doch in der Frz.Rev.!
Als dann Ludwig XVI. in seiner Not die Stände einberufen musste, nutzte der 3.Stand die Gelegenheit, seine Rechte einzufordern.
Dass dann die verarmte, nicht-bürgerliche, städtische Bevölkerung das Signal begeistert aufnahm, steht auf einem andern Blatt.
Interessant fand ich auf jeden Fall immer, dass die Bauern gar nicht so sehr revolutionär eingestellt waren. Im Gegenteil: Die stärksten royalistischen Aufstände fanden immer in ländlichen Gegenden, und hier vor allem in Südfrankreich statt.
VG
Christian |
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14.02.2008, 18:28
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#6 (permalink)
| | Benutzer Rang: Kellermeister
Registriert seit: 05.02.2008 Ort: Fulda
Beiträge: 32
| Zufügen möchte ich noch den Aspekt "Paris". Gerade durch den französischen Absolutismus und Zentralismus wuchs Paris zu einem Moloch an Stadt heran. Hunderttausende Menschen auf engstem Raum führten auch zu einer Maximierung von sozialen Brennpunkten und Problemen. Diese Konzentration von Menschen auf engstem Raum sollte ebenfalls beim Ausbruch der Revolution nicht unterschätzt werden.  |
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15.02.2008, 15:52
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#7 (permalink)
| | Neuer Benutzer Rang: Knappe
Registriert seit: 15.02.2008 Ort: Soest
Beiträge: 8
| Es ist auch inrteressant, was nn am Ende der frz. Revolution herausgekomen ist. Ich denke da vor allem an die politische Kultur, dass die Öffentlichkeit maßgebend für Politik sensibilisiert wurde und es nun wichtig war in dem Staat in dem man lebte auf sein Mitspracherecht zu pochen. Von dem ausgehend kann man natürlich auch den schulterschluss wagen zum Auslöser. Und da geb ich 913 Vhris eindeutig recht. Es ging eben um das Mitspracherecht |
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16.02.2008, 16:29
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#8 (permalink)
| | Neuer Benutzer Rang: Kellermeister
Registriert seit: 02.02.2008
Beiträge: 21
| Das wage ich aber in dieser Absolutheit zu bestreiten. Natürlich ging es dem dritten Stand und vor allem dem Amstadel um das Mitspracherecht. Doch war das wohl nicht der wichtigste Grund für die Auslösung der Revolution, die ja alles andere als in geordneten und organisierten Bahnen verlief.
Ich denke, den aufbegehrenden Franzosen ging es zuallererst um die Abschaffung der verhassten Monarchie und dann um die Verbesserung der jeweils ganz persönlichen Lebensumstände. Was nach dem Sturz des Königs kommen sollte, davon hatten nur Wenige konkrete Vorstellungen und Pläne. Der Pariser stürmte vor allem die Bastille, weil er nichts mehr zu Essen hatte und mit dem System auch ideell gebrochen hatte. Aber er stürmte sie im ersten Augenblick nicht, weil er ab nun die Geschicke der Politik des Landes lenken wollte.
Diese Planlosigkeit, Uneinigkeit und Ziellosigkeit wird dann auch an den wirrenden Jahren nach 1789 mit all den schrecklichen Auswüchsen der Revolution deutlich.  |
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17.02.2008, 12:22
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#9 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 31.01.2008 Ort: Ingolstadt
Beiträge: 9.342
| "Den" Franzosen ging´s in erster Linie um ihre schlechten Lebensumstände, das stimmt schon. Aber die Bürger waren die revolutionstragende Schicht, auch wenn sie ohne die Unterstützung der "kleinen Leute" (Arbeiter, Bauern) wohl nicht zu solchen Erfolgen gekommen wären.
Sowohl Girondisten als auch Montagnards bestanden in erster Linie aus Besitzbürgern. Auch war das Ziel der ersten Revolutionsjahre nicht die generelle Abschaffung der Monarchie, sondern die Umwandlung der feudalabsolutistischen Monarchie in eine konstitutionelle.
Erst später wurde das bürgerliche Elemente durch Jakobiner und Sansculotten in den Hintergrund gedrängt, um erst nach dem Jakobinerterror in Form des Direktoriums wieder in den Vordergrund zu treten.
Auslöser der Revolution - darum ging´s in diesem Thread ja ursprünglich - waren die verheerende finanzielle Lage des Staates (Ludwig XVI. hatte sich mit der Einmischnug ni den amerik. Unabhängigkeitskrieg heillos übernommen) und die daraus resultierenden hohen Steuern, die Ungerechtigkeit dieser Steuern (Adel und Klerus mussten so gut wie nix zahlen, die Bürger, Bauern und Arbeiter trugen die Hauptlast) sowie das Bemühen von Adel, Klerus und der von diesen dominierten Parlamente (zur Erinnerung: Das waren in Frankreich "nur" städtische Gerichtshöfe), die bestehenden Verhältnisse zu zementieren.
Als dann zum ersten Mal seit 1614 die Generalstände wieder einberufen werden mussten, bahnten sich die in den letzten 170 Jahren aufgelaufenen Probleme mit Vehemenz den Weg. Die entsprechend radikalen Positionen beider Seiten führten dann zur Revolution.
VG
Christian |
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18.02.2008, 17:54
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#10 (permalink)
| | Neuer Benutzer Rang: Kellermeister
Registriert seit: 04.02.2008 Ort: Nürnberg
Beiträge: 23
| Irgendwo habe ich mal die These entdeckt, daß Revolutionen bis auf Ausnahmen, meistens bei verhältnismäßig warmem Klima stattfinden. Denkt ihr, daß da was dran sein könnte? |
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