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01.08.2010, 13:27
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#1 (permalink)
| | Benutzer Rang: Majordomus
Registriert seit: 13.06.2010 Ort: St. Georgen/Oberösterreich
Beiträge: 62
| die große Flut die große Flut:
Etwa 5.500 Jahre vor Chr. zerbrach die Landbrücke am Bosporus. Zuvor war das Wasser im heutigen Schwarzen Meer ein Binnensee mit Süßwasser. Der Wasserspiegel war um mehr als 100 m tiefer als heute.
Gewaltige Wassermassen strömten aus dem Mittelmeer in die Senke. Es wird geschätzt, dass der Wasserspiegel dadurch um einen halben Meter pro Tag gestiegen ist. Viele Bewohner dieses Gebietes seien ertrunken, andere hätten doch flüchten können.
Das könnte das Ereignis gewesen sein, das in mehreren Religionen als Sintflut dargestellt wird.
Ein russischer Geologe hat schon vor vielen Jahren festgestellt, dass der Küstenverlauf um mehr als 100 m tiefer als heute lag, was auf dem Meeresboden noch erkennbar ist. Weiters wurde anhand von Muschelschalen nachgewiesen, dass um diese Zeit die Fauna von Süsswassertieren auf Salzwassertiere gekippt ist.
Diese Theorie ist aber umstritten. Dem wird entgegengehalten, dass heute mehr Wasser aus den Zuflüssen des Schwarzen Meeres zufließt, als verdunstet. Der Wasserüberschuß fließt in das Mittelmeer ab. Wenn es heute so ist, wird es 5.500 v.Chr. nicht anders gewesen sein. Somit hätte überhaupt kein Wasser hineinfließen können, allenfalls hätte ein langsamer Wasseraustausch stattgefunden.
Die Anhänger dieser Theorie sehen einen Zusammenhang zwischen diesem Ereignis und der Entstehung der Bandkeramik-Kultur im Donauraum. Flüchtlinge aus diesem Gebiet hätten sich flußaufwärts niedergelassen.
dazu ein link: Gab es die Sintflut im Schwarzen Meer
Wer teilt diese Theorie?
Wer zweifelt das an? |
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04.08.2010, 11:37
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#2 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 31.01.2008 Ort: Ingolstadt
Beiträge: 9.342
| Servus!
Einerseits ist nachgewiesen, dass das Schwarze Meer einst ein Süßwassersee war, dessen Küstenlinie 100m unter der heutigen lag. Andererseits hat das Schwarze Meer heute einen Wasserüberschuß, der in Richtung Mittelmeer abfließt. Ergo kann man NICHT von den heutigen hydrologischen Verhältnissen auf diejenigen zur Süßwasserzeit des Schwarzen Meeres schließen.
Irgendwas muss anders gewesen sein. Entweder lieferten die Zuflüsse zum Schwarzen Meer erheblich weniger Wasser als heute. Oder die Wissenschaftler irren sich. (schließe ich aufgrund der genauen Angaben aus). Oder aber die Geschichte war erheblich komplizierter als gemeinhin dargestellt - mein Favorit.
Denn es fließt nicht nur Wasser aus dem Schwarzen Meer ins Mittelmeer, sondern auch umgekehrt. Dem Oberflächenstrom aus dem Schwarzen Meer steht ein Tiefenstrom durch den Bosporus ins Schwarze Meer gegenüber. Summa summarum fließt zwar mehr Wasser ins Mittelmeer als umgekehrt, aber so groß scheint der Überschuss des Schwarzen Meers dann doch nicht zu sein.
Besonders, wenn man berücksichtigt, dass ein starker Wassereinbruch ins Schwarze Meer auch mittels Untersuchungen des Grunds des Bosporus belegt ist und sich das Wasserregime von Donau, Wolga, Don etc. seit der Jungsteinzeit nachgewiesenermaßen geändert hat, löst sich der scheinbare Widerspruch in Wohlgefallen auf.
Dann hätte sich der Wasserüberschuss des Schwarzen Meeres nämlich erst NACH dem Einbruch über den Bosporus eingestellt. Beide Phänomene sind also NACHEINANDER eingetroffen.
VG
Christian |
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04.08.2010, 11:39
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#3 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 31.01.2008 Ort: Ingolstadt
Beiträge: 9.342
| Zitat:
Zitat von decordoba Das könnte das Ereignis gewesen sein, das in mehreren Religionen als Sintflut dargestellt wird. | Könnte. War es aber wohl nicht allein. Dafür gibt´s in Mesopotamien, wie die biblische Urflutgeschichte herstammt, einfach zu viele katastrophale Überschwemmungen. Sowas schlägt sich immer auch in der Mythologie nieder (das ist übrigens meines Erachtens der Grund dafür, dass es ähnliche Geschichten weltweit gibt).
VG
Christian |
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04.08.2010, 11:42
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#4 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 31.01.2008 Ort: Ingolstadt
Beiträge: 9.342
| Zitat:
Zitat von decordoba Die Anhänger dieser Theorie sehen einen Zusammenhang zwischen diesem Ereignis und der Entstehung der Bandkeramik-Kultur im Donauraum. Flüchtlinge aus diesem Gebiet hätten sich flußaufwärts niedergelassen. | Klingt erstmal nicht so unlogisch. Bevölkerungsverschiebungen müssen eine Folge des Einbruchs gewesen sein. Die Flüchtlinge aus dem Küstensaum des Schwarzen Meeres dürften eine ähnliche Kultur gehabt haben wie die gleichzeitigen Bewohner des Balkan- und Donauraums. Und die war schon jungsteinzeitlich. Was spricht dagegen, dass es Leute aus dem Schwarzmeergebiet bzw. von diesen verdrängte Menschen nach Mitteleuropa verschlagen hätte? Oder dass in Folge dieser Bevölkerungsverschiebungen zumindest die Kenntnisse von der Landwirtschaft nach Mitteleuropa gelangten?
VG
Christian |
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04.08.2010, 12:11
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#5 (permalink)
| | Benutzer Rang: Majordomus
Registriert seit: 13.06.2010 Ort: St. Georgen/Oberösterreich
Beiträge: 62
| erste Ackerbauern Europas Zitat:
Zitat von 913Chris Klingt erstmal nicht so unlogisch. Bevölkerungsverschiebungen müssen eine Folge des Einbruchs gewesen sein. Die Flüchtlinge aus dem Küstensaum des Schwarzen Meeres dürften eine ähnliche Kultur gehabt haben wie die gleichzeitigen Bewohner des Balkan- und Donauraums. Und die war schon jungsteinzeitlich. Was spricht dagegen, dass es Leute aus dem Schwarzmeergebiet bzw. von diesen verdrängte Menschen nach Mitteleuropa verschlagen hätte? Oder dass in Folge dieser Bevölkerungsverschiebungen zumindest die Kenntnisse von der Landwirtschaft nach Mitteleuropa gelangten?
VG
Christian | danke für die Hinweise und Überlegungen, klingt glaubhaft!
gruss decordoba |
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26.10.2011, 23:29
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#6 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Großkanzler
Registriert seit: 13.04.2009 Ort: Solms-Albshausen
Beiträge: 1.304
| In späterer Zeit gab es viele Auswanderungswellen aus der heutigen Ukraine, meist iranischer Stämme, ohne das die Ursache Naturkatastrophen waren.
Die Auswanderer wurden schnell durch den dann möglichen Geburtenüberschuß ersetzt.
__________________
viele Grüße
Paul
aus dem hessischen Lahntal
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27.10.2011, 20:54
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#7 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Majestät
Registriert seit: 31.01.2008 Ort: Ingolstadt
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| Zitat:
Zitat von Paul In späterer Zeit gab es viele Auswanderungswellen aus der heutigen Ukraine, meist iranischer Stämme, ohne das die Ursache Naturkatastrophen waren.
Die Auswanderer wurden schnell durch den dann möglichen Geburtenüberschuß ersetzt. | Möglich, dass allein aufgrund Bevölkerungsüberschuss Auswanderungswellen vom Kaliber der indoeuropäischen Wanderung losgetreten werden konnten.
Wahrscheinlich - v.a. in den dafür anfälligen südrussischen Steppen - ist allerdings ein Szenario, dass Trockenheit bzw. Dürren die Menschen in Marsch setzten. Als sich das Klima wieder besserte = feuchter wurde, vermehrten sich die Übriggebliebenen solange, bis entweder wieder zu viele Menschen da waren oder eine neue Dürre eintrat oder beides.
Spricht jedenfalls alles nichts dagegen, dass bei der Schwarzmeerflutung jungsteinzeitliche Bauern sich über die angrenzenden Gebiete ausbreiteten.
VG
Christian
__________________ De Woch fangt scho guat oo.. (der "Bayerische Hiasl" kurz vor seiner Hinrichtung) |
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29.10.2011, 14:45
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#8 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Großkanzler
Registriert seit: 15.10.2011 Ort: Thüringen
Beiträge: 1.624
| Zitat:
Zitat von Paul In späterer Zeit gab es viele Auswanderungswellen aus der heutigen Ukraine, meist iranischer Stämme, ohne das die Ursache Naturkatastrophen waren.
Die Auswanderer wurden schnell durch den dann möglichen Geburtenüberschuß ersetzt. | Hallo Paul,
Auswanderungswellen aus dem ukrainischen und/oder (süd)russischem Gebiet ja, relativ wahrscheinlich.
Aber warum sollten es iranische Stämme gewesen sein?
Die iranischen Stämme oder Völker siedelten doch mehr auf dem iranischen Hochplateau, und das ist noch den einen oder anderen Kilometer vom heutigen Russland und der Ukraine entfernt.
Hast du hierzu eine einigermaßen verlässliche Quelle?
Mich interessiert das vor allem wegen der ganzen Indogermanisierung. Wie könnte es abgelaufen sein. Gab es diese Auswanderungswellen der PIG tatsächlich, oder ist alles nur Theorie von Sprachwissenschaftlern, Linguisten etc. ?
Beste Grüße von der Saale an die Lahn
__________________ Wir! gründen das beste Forum für Geschichte. |
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29.10.2011, 15:15
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#9 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Durchlaucht
Registriert seit: 09.06.2009
Beiträge: 3.264
| Hallo, Nafets,
bevor das ganze hier letzt auch wieder abgleitet, schau doch mal nach einem Thread mit dem Titel "Indogermanische Urheimat".
Ich glaube, da wurde schon alles mal angehandelt. Vielleicht kannst du den ja wiederbeleben.
__________________ Das Böse- und dieser Satz steht fest- ist stets das Gute, das man läßt.
Wilhelm Busch |
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23.11.2011, 19:16
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#10 (permalink)
| | Erfahrener Benutzer Rang: Secretarius
Registriert seit: 04.03.2011 Ort: sachsen anhalt
Beiträge: 103
| ich habe da nochmal eine frage: gibt es eigentlich funde von vor der flut im schwarzen meer? irgendwelche artefakte?
__________________
"Der Schein trügt"-- sagte das Glühwürmchen, als es vom Zigarettenstummel stieg.
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