Zitat:
Zitat von Obotrit SO dicht ist Madagaskar auch wieder nicht an Afrika, als dass man einfach mal das Rinderzüchten aufgibt und rüberpaddelt.
Nochmal, echte Seefahrt war nie den Bantu zu eigen. |
Sie konnten aber wohl die Straße von Mosambik überqueren.
Geschichtlicher Abriss Madagaskars und
Madagaskar legen die Besiedlung durch Indosnesier wie durch Bantu ins 10.Jh.n.Chr.,
On the Origins and Admixture of Malagasy: New Evidence from High-Resolution Analyses of Paternal and Maternal Lineages dagegen setzt sehr viel früher an - wobei letzterer Link der wissenschaftlichste ist und für mich daher auch der ausschlaggebendste.
Danach muss man wohl die Vermischung von genetischen Bantulinien mit indonesischen (malayischen) Linien im Zeitraum zwischen 1000 v.Chr. und 1000 n.Chr. ansetzen - ein langer Zeitraum, der allerdings archäologisch und linguistisch eingegrenzt werden kann.
Die asiatischen Sprachanteile am heutigen Madagassisch sprechen dafür, dass die Asiaten noch vor der Dominanzphase malayischer Sprachen in Indonesien auf Madagaskar bbzw. in Afrika eintrafen - also vor 3000 bis 2000 Jahren (= zwischen der Zeitenwende und 1000 n.Chr.). Der Bantu-Anteil am modernen Madagassisch stammt wohl interessanterweise nicht aus dem heutigen Mosambik, sondern eher aus dem Kongobereich und von nördlich des Sambesi - und die Vermischung beider Sprachen geschah wohl VOR der Besiedlung Madagaskars, geschah also auf dem Kontinent.
Darauf deuten auch die Verbreitung asiatischer Rinderrassen, der Bananenkultivierung oder Funde von Hühnerknochen auf Sansibar hin, die VOR 500 v.Chr. datiert werden, während die ersten menschlichen Siedlungen auf Madagaskar einige hundert Jahre jünger als diese Funde sind (2200 bis 2300 Jahre alt, also auf 200 bis 300 v.Chr. datiert).
Somit muss man wohl die Besiedlung Madagaskars auf 200-300v.Chr. festlegen. Außerdem geschah sie nicht durch voneinander getrennte Bantu- und Indonesier-Einwanderungswellen, sondern die Siedler stellten wohl schon eine Mixtur aus Bantu aus dem zentralfrikanischen bzw. ostafrikanischen (nicht aber südafikanischen) Bereich und Südostasiaten dar.
Die Frage nach seefahrenden Bantu erübrigt sich damit, denn die Kenntnisse, die zur Überquerung des Meeres zwischen Afrika und Madagaskar (wie auch zu den Komoren) nötig waren, konnten die Afrikaner gut auch von den Südostasiaten übernommen haben bzw. deren Kenntnisse konnten sie genutzt haben.
Passend zu den eben zitierten Ausführungen (und um wieder zum Thema zurück zu kommen) starben auf Madagaskar vor rund 2000 Jahren (also wenige hundert Jahre nach dem Eintreffen des Menschen) die meisten Großtiere aus: Mehrere Flusspferdarten (die größte etwa so groß wie das heutige afrikanische Flusspferd, zwei andere Arten so groß wie das heutige Zwergflusspferd), mehrere Riesenlemuren und die Elefantenvögel (Größe bis zu 3m). Eine Raubtierart, die Riesenfossa, starb etwa zur selben Zeit aus, allerdings wird hier davon ausgegangen, dass der Mensch keinen Einfluss hatte, was ich bezweifle. Denn die Riesenfossa mag nicht bejagd worden sein, aber wohl ihre Beutetiere (bzw. deren Lebensraum wurde zerstört), und als Folge davon starb dann auch die Riesenfossa aus. Der menschliche Einfluss bei diesem Aussterben war also wahrscheinlich "nur" indirekt, aber dennoch vorhanden.
VG
Christian