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  1. #1
    Benutzer Rang: Majordomus
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    Industrielle Revolution

    Könnt ihr mir Gründe und die Bedingungen/ Faktoren für das späte Einsetzen der industriellen Revolution in Deutschland nennen?

  2. #2
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    Da kann ich eigentlich nur spekulieren. (Vielleicht wissen die deutschen Nutzer mehr.)
    Die Briten hatten wahrscheinlich insofern einen Vorteil, als sie generell wirtschaftlich weiter entwickelt waren als die Deutschen. Sie hatten einen entwickelten Handel und eine leistungsfähige Textil"industrie". Ohne Textilherstellung brauchte man natürlich auch keine hochentwickelten Webstühle und Spinnmaschinen. Ob es Zufall war, dass die (neuzeitliche) Dampfmaschine von einem Briten erfunden wurde, oder dort die Rahmenbedingungen einfach besonders günstig waren, weiß ich nicht. Die Dampfmaschine ermöglichte dann jedenfalls die Erfindung der Eisenbahn und die Verbesserung des Bergbaus. Dank ihrer leistungsfähigen Handelsmarine konnten die Briten ihre Produkte überallhin exportieren.
    Und Deutschland? Das war nicht nur territorial extrem zersplittert, es gab auch die verschiedensten Rechtssysteme (obwohl die meisten auf dem römischen Recht basierten), man musste alle paar Kilometer Zoll zahlen, es gab unterschiedliche Währungen, Maße und Gewichte ... alles keine guten Voraussetzungen für den Handel. Und wenn man's nicht verkaufen kann, wieso soll man's dann produzieren? Außerdem waren viele potentielle Arbeitskräfte noch durch den Feudalismus gebunden. Die starren Zünfte waren dem Wirtschaftsleben auch nicht gerade förderlich. Bei der territorialen Zersplitterung konnte man natürlich auch kaum längere Eisenbahnverbindungen bauen.

  3. #3
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    Und wie war es mit der Industrialisrierung in Österreich?

  4. #4
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    Also ehrlich gesagt, wir hinkten da noch weiter nach als Ihr Deutschen. Das hat allerdings nichts damit zu tun, dass wir rückständige Dösis wären.
    Bei den Eisenbahnen hatten wir schon mal ein topographisches Problem: In Österreich gibt's viele Berge, und da ist der Bau von Eisenbahnen natürlich schwieriger als im flachen England. Dazu kommt noch, dass es in Österreich kam Steinkohlevorkommen gab. Außerdem haben wir viele Flüsse, die beim Gütertransport eine wichtige Rolle spielten. Die Wasserkraft dieser Flüsse und Bäche wurde aber auch gern für Mühlen, Schmieden etc. genutzt, sodass der Bedarf für Dampfmaschinen geringer war.
    Ansonsten hatten wir dieselben Probleme wie Deutschland (Feudalismus, Zünfte).

  5. #5
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    Das Habsburger Reich war deshalb so "hinten dran" bei der industriellen Revolution, weil
    a) die führenden Politiker damit beschäftigt waren, die vielen Völkerschaften des Reichs zu "befrieden", anstatt die Wirtschaft zu fördern,
    b) jeder Versuch, die bestehende soziale Ordnung zu reformieren, verhindert wurde (da "revolutionär"), was die wirtschaftliche Expansion des Bürgertums natürlich entscheidend hemmte,
    c) die Zersplitterung des Reichs in viele, um Einfluss im Gesamtreich konkurrierende Teilreiche auch die wirtschaftliche Entwicklung des Gesamtreichs etwa durch Eisenbahnen hemmte. So verblieben die meisten nichtdeutschen Teile des Reichs im feudal-agrarischen Zustand, während fast ausschließlich in Böhmen und Mähren sowie Deutschösterreich - den westlichen Reichsteilen also - eine industrielle Enwicklung ablief.

    VG
    Christian

  6. #6
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    Zitat Zitat von 913Chris Beitrag anzeigen
    b) jeder Versuch, die bestehende soziale Ordnung zu reformieren, verhindert wurde (da "revolutionär"), was die wirtschaftliche Expansion des Bürgertums natürlich entscheidend hemmte,
    Das galt aber auch für die meisten deutschen Staaten.

  7. #7
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    Erstens nicht in diesem Ausmass (Österreich galt um 1850 herum als "Gefängniswärter Europas"), und zweitens galten a) und c) in diesem Ausmass nur für die Habsburger Monarchie.

    VG
    Christian

  8. #8
    Benutzer Rang: Majordomus
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    Und was stellte die Schlüsselfunktion der Schwerindustrie oder die Bedeutung der Eisenbahn nun genau dar?

  9. #9
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    Servus!
    Die Eisenbahn revolutionierte den Waren- und Personentransport und demzufolge auch die Kriegsführung.
    Die Schwerindustrie - v.a. die Stahlindustrie - war für den Bau der vielen Lokomotiven und Gleise Voraussetzung, daneben lieferte sie die Vorausetzungen für viele andere Produkte und ausserdem waren die ersten Schwerindustriellen auch die ersten Großkapitalisten: Der enorme Kapitalaufwand, der für den Aufbau einer Schwerindustrie erforderlich ist, konnte nicht mehr von mittelständischen Unternehmern gestemmt werden.
    Daneben hatte die Entwicklung der Schwerindustrie aber auch enorme soziale Auswirkungen: Sie führte durch den hohen Bedarf an ungelernten Arbeitskräften mit zur Entwicklung eines Industrieproletariats...

    VG
    Christian

  10. #10
    Erfahrener Benutzer Rang: Secretarius
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    Hallo

    Um das Thema gut zu verstehen, solltest Du die Geschichte von Krupp lesen. Auf Spiegel.de gab es mal ein sehr guten Artikel darüber. Krupp war der Nutznießer der Industriellen Revolution. Wie schon erwähnt, war die Zersplitterung des deutschen Nation ein Hauptgrund für die langsame Entwicklung. Nachdem es zum zusammenschlussen kamm, fiehlen auch die Zollschranken. Durch diesen wegfall, war dem freien Handel und der Ausbau der Infrastruktur nichts mehr im Wege.

    MfG

    Anesti

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